Babynahrung vergiftet: Supermarkt-Erpresser erneut zu langer Haftstrafe verurteilt

Ravensburg - Der wegen vergifteter Babynahrung verurteilte Supermarkt-Erpresser vom Bodensee steht seit März erneut vor Gericht - am heutigen Freitag könnte das Urteil fallen.

Der angeklagte Supermarkt-Erpresser (rechts) sitzt umgeben von Justizbeamten auf der Anklagebank und liest ein Dokument.
Der angeklagte Supermarkt-Erpresser (rechts) sitzt umgeben von Justizbeamten auf der Anklagebank und liest ein Dokument.  © Felix Kästle/dpa

Die Beweisaufnahme stehe vor dem Abschluss, sagte ein Sprecher des Landgerichts Ravensburg. Weitere Verhandlungstermine seien derzeit nicht vorgesehen. Das Verfahren könne daher möglicherweise abgeschlossen werden.

Der Erpresser hatte mehrere Gläser Babynahrung mit einer gefährlichen Dosis Gift in Geschäften in Friedrichshafen platziert und von verschiedenen Handelsunternehmen 11,7 Millionen Euro gefordert. 

2018 hatte das Landgericht den damals 54-Jährigen wegen versuchten Mordes zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt (TAG24 berichtete). Dieses Urteil hob der Bundesgerichtshof (BGH) im vergangenen Jahr in Teilen auf. 

Laut BGH hatte der Angeklagte vor dem Gift gewarnt. Eine Tötungsabsicht liege daher nicht vor. Der Mann habe sich lediglich der versuchten besonders schweren räuberischen Erpressung schuldig gemacht.

Der Mann hatte die Taten, bei denen niemand verletzt wurde, gestanden. Den Vorwurf des versuchten Mordes wies er jedoch von sich und legte nach dem Urteil Revision ein (TAG24 berichtete).

Update: 18.47 Uhr

Supermarkt-Erpresser erneut zu langer Haftstrafe verurteilt

Das Landgericht Ravensburg hat den 56-Jährigen zu einer Strafe von zehn Jahren und sechs Monaten verurteilt. "Die Tat ist brutal, widerwärtig, perfide und mit extrem hoher Energie ausgeführt worden", sagte der Vorsitzende Richter Franz Bernhard in seiner Urteilsbegründung. Sie sei getrieben gewesen von Eigensucht, Habgier und Profitsucht des Mannes. 

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Angeklagte kann innerhalb einer Woche Revision einlegen.

Update: 13.15 Uhr

Gericht lehnt Befangenheitsantrag ab

Der wegen vergifteter Babynahrung verurteilte Supermarkt-Erpresser sieht in einem erneuten Prozess gegen ihn einen Sachverständigen als befangen an - das Landgericht Ravensburg hat einen entsprechenden Antrag des 56-Jährigen am Freitag jedoch zurückgewiesen. 

Der Angeklagte hatte angegeben, er lehne den psychiatrischen Gutachter ab, da dieser einseitig und unvollständig über ihn berichtet habe. Die Kammer wies den Antrag als unbegründet zurück. Auch weitere Anträge des Mannes wurden abgelehnt. Ob in dem Prozess am Freitag auch ein Urteil gesprochen wird, war zunächst nicht absehbar.

Titelfoto: Felix Kästle/dpa

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