140 Millionen Euro verschoben: Riesen-Razzia zerschlägt Netzwerk!

Düsseldorf - Alles begann mit einem Turnbeutel: Bei einer Großrazzia von mehr als 1400 Beamten ist die Polizei in drei Bundesländern gegen ein internationales Netzwerk vorgegangen, das 140 Millionen Euro ins Ausland und zurück verschoben haben soll.

Bei der Razzia wurden Sportwagen, viel Bargeld und Waffen gefunden und beschlagnahmt.
Bei der Razzia wurden Sportwagen, viel Bargeld und Waffen gefunden und beschlagnahmt.  © Hendrik Timmer/Polizei Düsseldorf/ZeOS NRW/dpa

Die Ermittler stufen das sogenannte Hawala-Banking-Netzwerk als kriminelle Vereinigung ein und ermitteln gegen 67 Verdächtige.

Elf von ihnen wurden am Mittwoch verhaftet. NRW-Justizminister Peter Biesenbach (73, CDU) sprach von einem "Paukenschlag" gegen die Organisierte Kriminalität.

Das Geldwäsche-Netzwerk habe sich eines "Friedensrichters" mit zweifelhafter Vergangenheit bedient: Bei dem 39-jährigen Syrer aus Wuppertal soll es sich um einen Terroristen der islamistischen Al-Nusra-Front handeln.

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Der Mann habe seine Kampftruppe aus Syrien mitgebracht und als Inkasso-Schlägertruppe eingesetzt.

Wenn beim sogenannten Hawala-Banking, bei dem Geldtöpfe via WhatsApp miteinander verrechnet werden, Geld abhanden kam, drohte ein Sanktionskatalog, wie die Ermittler bei verdeckten Maßnahmen mithören konnten: "Beim ersten Mal zusammenschlagen, beim zweiten Mal verstümmeln, und beim dritten Mal sollte derjenige umgebracht werden."

Zwei weitere Verdächtige seien als islamistische Gefährder bekannt, vier als sogenannte "relevante Personen" des islamistischen Spektrums. Die Ermittler vermuten, dass ein Teil des überwiesenen Geldes der Terrorfinanzierung diente.

85 Objekte in 25 Städten durchsucht

Spezialeinheiten durchsuchten insgesamt 85 Wohnungen und Objekte.
Spezialeinheiten durchsuchten insgesamt 85 Wohnungen und Objekte.  © Christoph Petersen/dpa

Über Zahlungsbüros in Deutschland und den Niederlanden soll das Geld in die Türkei und nach Syrien geflossen sein.

Ein Gericht erließ Vermögensarreste in Höhe von 140 Millionen Euro, den Löwenanteil davon gegen die beiden Hauptbeschuldigten: zwei sogenannte "Groß-Hawaladare", 42 und 44 Jahre alte Syrer, die in Düsseldorf und Mönchengladbach wohnten.

In Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen wurden 85 Objekte in 25 Städten durchsucht: Wohnungen, Büros und Banken. Schwerpunkt der Maßnahmen war Nordrhein-Westfalen. NRW-Innenminister Herbert Reul (69, CDU) sprach von einem der größten Verfahren seiner bisherigen Amtszeit.

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"Wir haben heute einen extrem ergiebigen Geldhahn abgedreht", sagte Reul. "Das war ein verdammt dickes Ding."

Es seien zwei Lamborghinis, ein Porsche, eine Harley Davidson, Geld in Millionenhöhe und Gold im Wert von insgesamt mehr als drei Millionen Euro sichergestellt worden - und eine Stereoanlage im Wert von mindestens 100.000 Euro, so die Ermittler.

Den Beschuldigten werden weitere Taten quer durch das Strafgesetzbuch vorgeworfen: Geiselnahme, Raub, Drogenhandel, gewerbsmäßiger Bandenbetrug.

67 Verdächtige geschnappt, Ausgangspunkt war ein verdächtiger Turnbeutel

NRW-Innenminister Herbert Reul (69, CDU) freute sich über die Zerschlagung des kriminellen Netzwerks.
NRW-Innenminister Herbert Reul (69, CDU) freute sich über die Zerschlagung des kriminellen Netzwerks.  © Roberto Pfeil/dpa

Die 67 Verdächtigen seien überwiegend Syrer (44), unter ihnen seien aber auch zehn Deutsche, fünf Jordanier und vier Libanesen. Insgesamt zählten die Ermittler acht verschiedene Nationalitäten. Die Verdächtigen seien zwischen 18 und 67 Jahre alt.

Die Syrer seien überwiegend 2015 nach Deutschland gekommen. Ab 2016 soll dann das Hawala-Banking betrieben worden sein.

80 Prozent der Verdächtigen seien Sozialleistungsbezieher. Ihnen drohten nun, je nach Tatvorwurf, bis zu 15 Jahre Haft.

Um den Geldfluss von Europa in den Nahen Osten auszugleichen, hätten sich die Hawala-Bankiers auch namhafter deutscher Unternehmen und Konzerne bedient.

Deren Rechnungen seien ebenfalls über das Hawala-Banking gehandelt und von Drittfirmen in Deutschland beglichen worden. Ob dies mit oder ohne Wissen der Unternehmen geschah, werde nun geprüft.

Die Ermittler stießen auf ein riesiges Gelände mit gebrauchten Lastwagen und Lager voller vermutlich gestohlener Katalysatoren, die an Finanzamt und Zoll vorbei in den Nahen Ostern verkauft werden sollten. "Der Lastwagen-Handel war als Unternehmen nirgends angemeldet", sagte ein leitender Ermittler.

Unter den mehr als 1400 Einsatzkräften waren am Mittwoch auch Spezialeinheiten, Staatsschützer, Finanzermittler und Steuerfahnder.

Ausgangspunkt war ein fahrerisches Missgeschick im Mai 2020. Ein Auto war von der Fahrbahn der A61 abgekommen. Weil die Insassen sich verdächtig verhielten, wurden die Beamten misstrauisch und entdeckten in einem Turnbeutel 300.000 Euro. Dies habe die Ermittlungen ins Rollen gebracht, bestätigte Justizminister Biesenbach der Deutschen Presse-Agentur.

Titelfoto: Hendrik Timmer/Polizei Düsseldorf/ZeOS NRW/dpa

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