Großrazzia in Connewitz: Soko LinX durchsucht Wohnungen nach Attacke auf Lok-Fans

Leipzig - Weckdienst in Blau-Weiß: Im Leipziger Stadtteil Connewitz führt die Polizei seit den frühen Morgenstunden Hausdurchsuchungen bei mutmaßlichen Linksextremisten durch.

Im Leipziger Stadtteil Connewitz stand am frühen Morgen in mehreren Wohnhäusern die Polizei auf der Matte.
Im Leipziger Stadtteil Connewitz stand am frühen Morgen in mehreren Wohnhäusern die Polizei auf der Matte.  © Tobias Junghannß

Kurz vor 6 Uhr morgens bahnten sich Mannschaftswagen der Bereitschaftspolizei und Autos des Landeskriminalamtes (LKA) den Weg durch Leipzigs alternatives Stadtviertel.

In Stockart-, Biedermann-, Pfeffinger- und Zwickauer Straße hielten die Fahrzeuge. Dutzende Beamte stürmten in insgesamt fünf Wohnhäuser.

Nach Angaben des LKA handelt es sich um eine Razzia der auf linksextremistische Straftaten spezialisierten Soko LinX. "Wir vollstrecken mehrere Durchsuchungsbeschlüsse", erklärte ein Sprecher auf TAG24-Anfrage. Details wollte er vorerst nicht nennen.

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Wie TAG24 vor Ort erfuhr, soll es um ein großes Ermittlungsverfahren wegen schweren Landfriedensbruchs gehen. Von fünf Verdächtigen wurden demnach die Wohnungen nach Beweismitteln durchsucht.

Die Soko LinX ermittelt sowohl in den Fällen der Brandanschläge auf Fahrzeuge und Baustelleneinrichtungen als auch zu den Angriffen auf die Polizeidienststellen in Connewitz und Plagwitz.

Es fanden mehrere Hausdurchsuchungen bei mutmaßlichen Linksextremisten statt.
Es fanden mehrere Hausdurchsuchungen bei mutmaßlichen Linksextremisten statt.  © Tobias Junghannß

Nach Abschluss der Durchsuchungsmaßnahmen will das LKA weitere Informationen zu dem Einsatz geben.

UPDATE, 16.18 Uhr: Hintergrund war Angriff auf Lok-Fans durch Chemie-Fans

Jetzt hat sich das LKA offiziell zu den Hintergründen der heutigen Razzia in Connewitz geäußert.

Demnach geht es um einen Überfall auf Anhänger des 1. FC Lokomotive Leipzig am 1. September 2019 auf dem Bahnhof Neukieritzsch. Der blau-gelbe Anhang war den Ermittlungen der Soko LinX zufolge auf dem Weg zu einem Punktspiel seiner Mannschaft beim ZFC Meuselwitz, als eine Gruppe Vermummter die S-Bahn überfiel. Die Angreifer sollen in dem Zug Pyrotechnik und Bengalos gezündet sowie auf die Fußballfans eingeschlagen haben. Eine Person wurde verletzt.

Die fünf Männer im Alter von 30 bis 33 Jahren, deren Wohnungen heute durchsucht wurden, sollen neben weiteren noch nicht ermittelten Personen zu den Angreifern gehört haben. "Die Beschuldigten sind der Anhängerschaft der BSG Chemie Leipzig zuzuordnen", erklärte LKA-Sprecher Tom Bernhardt.

Politischer Hintergrund: Der radikale Teil der Chemie-Fanszene sieht sich selbst als „links“, während die Hooliganszene des 1. FC Lok als „rechts“ gilt. Seit der Wende kommt es bei den Antipoden aus Leutzsch und Probstheida immer wieder zur Vermischung von sportlicher Rivalität und politischer Auseinandersetzung.

Nach Angaben von LKA-Sprecher Bernhardt wurden bei der Razzia "umfangreiche Beweismittel" sichergestellt.

Titelfoto: Tobias Junghannß

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