Razzia bei C&A: Zoll durchsucht den Modekonzern

Düsseldorf/Hannover - Hat der Modekonzern C&A beim Kurzarbeitergeld betrogen? In Düsseldorf und Hannover wurden mehrere Büros des Unternehmens durchsucht.

Hat das Bekleidungsunternehmen C&A tatsächlich betrogen?
Hat das Bekleidungsunternehmen C&A tatsächlich betrogen?  © Salvatore Di Nolfi/KEYSTONE/dpa

Auch die Konzernzentrale in Düsseldorf sei Ziel der Razzien gewesen, berichtet der Business Insider. Demnach sollen Führungskräfte ihre Mitarbeiter dazu aufgefordert haben, trotz Kurzarbeitergeld länger zu arbeiten.

Der Zoll wurde offenbar darauf aufmerksam und veranlasste somit mehrere Durchsuchungen im Laufe dieser Woche.

Der Modekonzern sieht sich nicht zum ersten Mal solchen Vorwürfen gegenüber: Bereits vor zwei Wochen kritisierten Mitarbeiter in einem anonymen Brief, dass sie intern trotz Kurzarbeitergeld zu Mehrarbeit gezwungen wurden.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, hätte das Bekleidungsunternehmen tatsächlich illegal gehandelt, da es somit mehr Kurzarbeitergeld bekommen hätte, als ihm rechtlich zustünde.

Konzernführung und Betriebsrat haben die Vorwürfe scharf zurückgewiesen - dennoch wurden sämtliche Kurzarbeitergeld-Zahlungen an das Unternehmen vorerst eingestellt.

Die Zollbeamten hoffen nun auf gewinnbringende Aussagen von Mitarbeitern und Betriebsräten - nächste Woche soll ein erstes Zwischenergebnis vorliegen.

Seit Mitte März überweist die Bundesagentur für Arbeit täglich fast 70 Millionen Euro Kurzarbeitergeld an deutsche Firmen.

C&A gründete sich im Jahr 1841 in den Niederlanden. Weltweit hat der Modekonzern über 2000 Filialen in 23 Ländern und beschäftigt allein in der Produktion mehr als 900.000 Mitarbeiter.

Die Bundesagentur für Arbeit überweist aufgrund der Corona-Krise enorme Summen an Kurzarbeitergeld.
Die Bundesagentur für Arbeit überweist aufgrund der Corona-Krise enorme Summen an Kurzarbeitergeld.  © Aurélie Le Moigne/123RF

Update 20.00 Uhr: C&A räumt Vorwurf des Betrugs offiziell aus

In einer Pressemitteilung erklärt der Modekonzern, dass die Kurzarbeitergeld-Regelung in vollständiger Übereinstimmung mit geltenden Gesetzen und Verordnungen erfolgt sei. Die Bundesagentur für Arbeit und die Bundeszollverwaltung hätten dies mit einer Prüfung offiziell bestätigt.

Nach eingehenden Prüfungen des Zolls fänden nun lediglich noch allgemeine und übliche Kontrollprüfungen statt.

Weiterhin stellt C&A klar, dass es sich bei dem Zoll-Termin weder um eine Durchsuchung noch um eine Razzia, sondern um eine Überprüfung mit ausführlichen Sachgesprächen handelte.

Das Bekleidungsunternehmen weist somit auch alle verbreiteten Anschuldigungen, die sich allein auf eine anonyme Beschuldigung stützen, entschieden zurück.

"Weder eine interne Untersuchung noch ein externes unabhängiges Rechtsgutachten hatten Anhaltpunkte für die erhobenen Vorwürfe ergeben", kommuniziert C&A.

Titelfoto: Salvatore Di Nolfi/KEYSTONE/dpa

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