195 Millionen! Schadenersatz-Klage gegen Wirtschaftsprüfer Ernst & Young

Stuttgart - Der Insolvenzverwalter der Maple Bank hat die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young (EY) wegen angeblich falscher Beratung bei den umstrittenen "Cum-Ex"-Geschäften zu Lasten der Staatskasse auf 195 Millionen Euro Schadenersatz verklagt.

München: Logo und Schriftzug der Unternehmensberatung Ernst & Young.
München: Logo und Schriftzug der Unternehmensberatung Ernst & Young.  © Andreas Gebert/dpa

Eine Spezialkammer für Steuerberater- und Wirtschaftsprüfer-Haftung des Landgerichts Stuttgart verhandelte den Fall am Mittwoch, wie eine Gerichtssprecherin sagte. 

Zunächst habe der Insolvenzverwalter in der Klage aus dem Dezember 2019 die Schadensersatzforderung noch auf 95 Millionen Euro beziffert.

Bei "Cum-Ex"-Geschäften ließen sich Anleger die einmal gezahlte Kapitalertragsteuer auf Aktiendividenden mit Hilfe von Banken mehrfach erstatten. 

Dazu wurden rund um den Dividendenstichtag Aktien mit ("cum") und ohne ("ex") Ausschüttungsanspruch zwischen mehreren Beteiligten hin- und hergeschoben. 

Finanzämter erstatteten dann Kapitalertragsteuern, die gar nicht gezahlt worden waren. Dem Staat entstand so ein Milliardenschaden. 

Sprecher weißt Anschuldigungen zurück

Zuvor hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung über die höhere Schadenersatzforderung berichtet.

EY sei für den Schaden mit verantwortlich, weil man als
Steuerberater falsch beraten und als Wirtschaftsprüfer
widerrechtlich ein Testat erteilt habe, obwohl die Maple Bank für die riskanten Geschäfte keine Rückstellungen
gebildet habe, argumentiert der Insolvenzverwalter der Bank.

Die Maple Bank war 2016 wegen ihrer Verwicklung in "Cum-Ex"-Geschäfte zusammengebrochen. Ein Sprecher von EY wies die Anschuldigungen zurück. "Wir betonen, dass wir an der Gestaltung von Cum-Ex-Geschäften weder in diesem Fall noch in anderen Fällen beteiligt waren."

EY ist in jüngster Zeit ins Blickfeld der Öffentlichkeit
gerückt, weil das Unternehmen als Prüfer für den skandalgeschüttelten Finanzdienstleister Wirecard tätig war.

Titelfoto: Andreas Gebert/dpa

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