Trotz Geständnis: Mutmaßlicher Mörder von deutschem Touristen-Paar freigesprochen!

Von Sigrid Harms

Turku (Finnland) - Der brutale Angriff auf ein deutsches Pärchen auf einer Ostsee-Fähre vor 34 Jahren bleibt ungelöst.

Der Angeklagte (2.v.r), ein dänischer Mann, bei dem Prozessauftakt am 24. Mai im finnischen Turku.
Der Angeklagte (2.v.r), ein dänischer Mann, bei dem Prozessauftakt am 24. Mai im finnischen Turku.  © Roni Lehti/STT-Lehtikuva/dpa

Ein Gericht im finnischen Turku hat am Mittwoch einen Dänen freigesprochen, der angeklagt war, einen Mann getötet und seine Freundin schwer verletzt zu haben.

Wie der finnische Rundfunk Yle am Mittwoch meldete, sah es das Gericht im finnischen Turku nicht als erwiesen an, dass der Däne hinter der Tat steckte. Er hatte in dem Verfahren stets seine Unschuld beteuert.

Das Pärchen aus Baden-Württemberg war im Juli 1987 mit der Ostsee-Fähre "Viking Sally" auf dem Weg von der schwedischen Hauptstadt Stockholm nach Turku in Finnland gewesen. Die beiden Studenten hatten an Deck des Schiffes unter freiem Himmel geschlafen, als sie nachts brutal angegriffen wurden.

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Nach Angaben der Polizei benutzte der Täter einen zur Schiffsausrüstung gehörenden Schlackenhammer.

Die Waffe wurde aber nie gefunden, und man ging davon aus, dass der Täter sie über Bord ins Meer geworfen hatte.

Pfadfinder fanden die beiden am Morgen blutüberströmt in ihren Schlafsäcken. Der damals 20 Jahre alte Mann starb. Die 22-jährige Frau überlebte schwer verletzt, konnte sich aber später an den Angriff nicht erinnern.

Gericht erkennt Geständnis nicht an

Der Angeklagte (M) und seine Anwältin Martina Kronström am Bezirksgericht in Turku.
Der Angeklagte (M) und seine Anwältin Martina Kronström am Bezirksgericht in Turku.  © Roni Lehti/Lehtikuva/dpa

Der Däne, der nun vor Gericht stand, wurde zunächst als Zeuge vernommen und hatte Zeitungen Interviews gegeben. Die Polizei hatte den damals 18-Jährigen nicht unter Verdacht. Nach erfolglosen Ermittlungen in den 80er und 90er Jahren wurde der Fall schließlich zu den Akten gelegt.

Bis 2016. Da erhielt die Polizei den Tipp, dass der Däne in einer SMS an seine Frau angedeutet haben soll, die Tat begangen zu haben, berichtete Yle.

Bei einer Vernehmung durch die Polizei im selben Jahr - er saß zu diesem Zeitpunkt im Gefängnis - soll er demnach ebenfalls angedeutet haben, hinter dem Angriff zu stecken.

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Das Gericht in Turku wollte die Vorermittlungsberichte aus dem Jahr 2016 aber nicht als Beweismittel anerkennen.

Der Verdächtige war in dem Verhör nicht über seine Rechte aufgeklärt worden und hatte auch keinen rechtlichen Beistand.

Im Urteil heißt es: "Es ist nicht nachgewiesen, dass der Angeklagte die einzige Person war, die Gelegenheit und Möglichkeit hatte, die fraglichen Straftaten zu begehen."

Er habe sich nicht des Verbrechens schuldig bekannt und seine Schuld sei auch nicht durch Geständnisse belegt.

Tragisches Ende der "Viking Sally"

"Viking Sally" wurde in "Estonia" umbenannt (undatiertes Archivfoto). Sie sendete am 28. September 1994 um 00.23 Uhr SOS und sank in weniger als einer halben Stunde.
"Viking Sally" wurde in "Estonia" umbenannt (undatiertes Archivfoto). Sie sendete am 28. September 1994 um 00.23 Uhr SOS und sank in weniger als einer halben Stunde.  © -/Lehtikuva/epa/dpa

Die "Viking Sally" erlangte später unter einem anderen Namen traurige Bekanntheit: als "Estonia", also jene Fähre, die 1994 auf dem Weg zwischen Tallinn und Stockholm urplötzlich unterging.

Die Katastrophe mit 852 Toten gilt bis heute als schwerstes Schiffsunglück der europäischen Nachkriegsgeschichte.

Titelfoto: Roni Lehti/STT-Lehtikuva/dpa

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