Durchsuchung beendet: Polizei wertet Ergebnisse im Fall Maddie McCann aus

Hannover -  Im Fall der vor 13 Jahren verschwundenen Britin Madeleine McCann wertet die Polizei die Ergebnisse ihrer Grabungen in einem Kleingarten am Stadtrand von Hannover aus.

Sand ist auf der Kleingarten-Parzelle bei Seelze nach Beendigung der Polizeiaktion zu sehen.
Sand ist auf der Kleingarten-Parzelle bei Seelze nach Beendigung der Polizeiaktion zu sehen.  © Peter Steffen/dpa

Ob bei der zweitägigen Polizeiaktion etwas gefunden wurde, und wenn ja was, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Julia Meyer, am Donnerstag nicht.

Die Ermittler wollten zunächst keine Wasserstandsmeldungen zu der am Mittwochabend beendeten Durchsuchung abgeben, meinte sie.

Polizisten hatten auf dem verwaisten Grundstück das Erdreich mit einem Bagger, Spaten und Harken durchkämmt.

Bereits am Dienstag waren Fundamente - womöglich einer Gartenhütte - weggebaggert worden. Ein Spürhund kam in einem Hohlraum unter der Bodenplatte zum Einsatz.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte zu Beginn des Einsatzes lediglich bestätigt, dass die Grabungen im Zusammenhang mit den Mordermittlungen gegen einen 43-jährigen Deutschen stehen.

Der Mann soll das dreijährige Mädchen 2007 aus einer Ferienanlage an der portugiesischen Algarve entführt haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Kind tot ist.

Nach Madeleines Verschwinden lebte der Verdächtige in Hannover - Medienberichten zufolge wohnte er in einem Kleinbus und arbeitete in einer Werkstatt nicht weit von dem jetzt durchsuchten Kleingarten entfernt. Der Verdächtige sitzt derzeit in Kiel wegen anderer Delikte in Haft.

Der Verdächtige schweigt zu den Vorwürfen

In einer anderen Sache war die Polizei schon einmal auf einem Grundstück des Mannes fündig geworden. Nach Medienberichten hatten Fahnder Anfang 2016 auf dem Gelände einer alten Kistenfabrik bei Magdeburg, die dem mehrfach verurteilten Sexualstraftäter gehörte, in einer Grube Speichermedien mit Missbrauchsbildern von Kindern entdeckt.

Der Verdächtige äußert sich laut seinem Verteidiger nicht zu dem Vorwurf, Madeleine McCann entführt und ermordet zu haben.

Update, 30. Juli, 15.36 Uhr: Verdächtiger will nun doch vorzeitig aus der Haft

Der Verdächtige hat erneut einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt. Dafür sei nun das Landgericht Kiel zuständig und nicht mehr wie bei dem vorherigen, vor zwei Tagen zurückgezogenen Antrag das Landgericht Braunschweig, teilte der Rechtsanwalt des 43-Jährigen, Friedrich Fülscher, am Donnerstag der dpa mit.

Der Verdächtige sitzt derzeit in Kiel eine Gefängnisstrafe wegen Drogenhandels ab. Das Haftende ist für den 7. Januar 2021 terminiert - zwei Drittel dieser Strafe waren am 7. Juni dieses Jahres verbüßt.

Ein Bagger zieht einen Container zum Abtransport nach Grabungen in der Kleingartenanlage.
Ein Bagger zieht einen Container zum Abtransport nach Grabungen in der Kleingartenanlage.  © Julian Stratenschulte/dpa

Der 43-Jährige hatte zuvor über seinen Anwalt erklärt, das Vertrauen in die Braunschweiger Justiz verloren zu haben, nachdem das dortige Landgericht ihn seiner Auffassung nach zu Unrecht wegen Vergewaltigung einer 72-jährigen Amerikanerin verurteilt hatte.

Nachdem der Bundesgerichtshof aber das Landgericht Braunschweig in der Frage der Haftentlassung für zuständig erklärt hatte, hatte der Verdächtige seinen Antrag zurückgezogen. Wie der Rechtsanwalt erläuterte, sei bei dem erneuten Antrag nun das Landgericht am Sitz der Haftanstalt zuständig, in die der Mann einsitzt, das ist Kiel.

Bei einer vorzeitigen Haftentlassung könnte der Verdächtige trotz der laufenden Ermittlungen gegen ihn im Fall Maddie auf freien Fuß kommen.

Grundsätzlich steht im zwar noch die Verbüßung der Strafe in dem Vergewaltigungsfall bevor. Nach Überzeugung der Braunschweiger Richter vergewaltigte der Mann im Jahr 2005 - rund anderthalb Jahre vor Maddies Verschwinden - im portugiesischen Praia da Luz die 72-Jährige. Gegen das im Dezember 2019 gesprochene Urteil hatte der 43-Jährige aber Revision eingelegt.

Titelfoto: ---/PA & Peter Steffen/dpa

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