Tod von Gabby Petito: Suche nach Freund wird zu "Kampf gegen die Zeit"

Wyoming (USA) - Nach dem mutmaßlichen Mord an Gabby Petito (†22) befindet sich ihr Freund Brian Laundrie (23) immer noch auf der Flucht. Dabei werden Zeit und die Umweltbedingungen im Süden Floridas zu wichtigen Faktoren bei der Suche nach dem Verdächtigen und der Lösung des Falls.

Während des Trips durch die USA zeigte sich das Paar glücklich auf Instagram. Erst im Nachhinein werden erschreckende Details aus dem Beziehungsleben der beiden öffentlich.
Während des Trips durch die USA zeigte sich das Paar glücklich auf Instagram. Erst im Nachhinein werden erschreckende Details aus dem Beziehungsleben der beiden öffentlich.  © Montage: Screenshot/Instagram/gabspetito

Die Verfolgung des 23-Jährigen zieht sich weiter hin, ohne dass die Behörden nennenswerte Spuren entdecken können.

Gegen Laundrie wurde am 23. September ein Haftbefehl wegen Bankbetrugs erlassen. Er hatte zwischen dem 30. August und 1. September unbefugt eine Bankkarte verwendet und rund 1000 Dollar (850 Euro) abgehoben.

Laut Experten ist die Zeit bei der Suche nach dem Ex-Verlobten von zentraler Bedeutung, da das Klima in Südflorida die Sicherstellung forensischer Beweise sehr erschwert, wie CNN berichtete.

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Der Flüchtige wurde am 17. September von seinen Eltern vermisst gemeldet, nachdem sie ihn drei Tage zuvor das letzte Mal gesehen hatten.

Brian verließ sein Elternhaus in North Port anscheinend ohne sein Mobiltelefon und seine Brieftasche, wie eine Quelle aus dem Familienumfeld berichtete.

Nach Informationen des Senders RTL sollen Bilder einer Überwachungskamera zeigen, dass Laundrie am Tag seines Verschwindens ein neues Telefon in einer Filiale des amerikanischen Unternehmens AT&T in Begleitung einer älteren Frau kaufte.

Laut Angaben der Eltern Roberta und Christopher Laundrie sei ihr Sohn zu einem Ausflug in das Naturschutzgebiet "Carlton Reservat" in Florida aufgebrochen.

Das Klima in Florida ist schädlich für forensische Evidenz im Fall Gabby Petito

Beamte bei der Einsatzbesprechung während der Suchaktion im Carlton Reservat im Süden Floridas. Das weitläufige Gebiet erschwert das Auffinden des Flüchtigen.
Beamte bei der Einsatzbesprechung während der Suchaktion im Carlton Reservat im Süden Floridas. Das weitläufige Gebiet erschwert das Auffinden des Flüchtigen.  © North Port Police Department/ZUMA Press Wire Service/dpa

Wie der Anwalt der Familie verlauten ließ, kaufte Brian allerdings schon am 4. September ein neues Handy und ließ das Exemplar anschließend im Haus zurück.

Es wird vermutet, dass es sich bei dem Gerät um ein sogenanntes "Burner Phone" handelt und auch die Mutter des Verdächtigen eines besitzt, um mit ihrem Sohn kommunizieren zu können.

Ohne neue Beweise gestaltet sich die Suche nach dem 23-Jährigen schwierig. "Anders als bei anderen Verdächtigen, die sich typischerweise in besiedelten Gebieten aufhalten, sieht es in diesem Fall so aus, dass er vielleicht versucht, weitab vom Schuss und nicht in der Gesellschaft zu leben", meint Bryanna Fox, eine ehemalige FBI-Agentin und Kriminologie-Professorin an der University of South Florida.

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Je mehr Zeit vergeht, desto weniger Beweismittel wird es später geben, falls der Gesuchte gefasst wird. Das tropische Klima sei "das härteste für forensische Beweise", so Fox.

"Unten in Florida, während des Sommers und der Regenzeit, kann ein Körper in fünf bis sieben Tagen skelettiert sein. Und Raubtiere können ebenso Beweise zerstören", sagte ein Sprecher der National Association for Search and Rescue (NASAR).

Das Internet möchte den Fall Gabby Petito lösen, Brian Laundrie darf sich keine Fehler erlauben

Der Untergrund und die klimatischen Verhältnisse der Gegend sind schädlich für forensische Evidenz und erschweren den Ermittlern die Suche.
Der Untergrund und die klimatischen Verhältnisse der Gegend sind schädlich für forensische Evidenz und erschweren den Ermittlern die Suche.  © North Port Police Department/ZUMA Press Wire Service/dpa

Doch noch besteht Hoffnung, Laundrie aufzuspüren, denn er darf sich keine Fehler erlauben, wie Fox gegenüber CNN erzählte.

"Die Gesetzeshüter müssen, um ihn zu finden, nur eine Spur oder einen Fehler, den er gemacht hat, entdecken, und der ganze Fall könnte ins Rollen kommen."

Der Tod von Gabby Petito hatte weltweit für Aufsehen gesorgt und im Internet eine Welle an Hobby-Ermittlungen ausgelöst, da das Paar vor dem Ableben der 22-Jährigen den gemeinsamen Ausflug quer durch die USA ausführlich auf den sozialen Netzwerken dokumentierte.

Diese Aufmerksamkeit hat Vor- und Nachteile, sagte die ehemalige FBI-Agentin.

"Die Öffentlichkeit muss geduldig sein, und das kann hart werden, wenn man das Gefühl hat, helfen zu können. Wir suchen alle nach Warnsignalen, aber diese könnten bedeutungslos sein."

Die Suche nach Brian dauert an, ob die Behörden ihm auch eine Verstrickung in den Todesfall seiner Freundin nachweisen können, ist fraglich. Zuerst muss er gefunden werden...

Titelfoto: Montage: Screenshot/Instagram/gabspetito

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