Valérie Bacot tötet Ehemann und Vergewaltiger - ihr droht lebenslang

Chalon-Sur-Saôn (Frankreich) - Dieser Prozess sorgt weltweit für Aufruhr. Ein Stiefvater vergewaltigt seine Ziehtochter über Jahre hinweg, heiratet sie schließlich und zwingt sie zur Prostitution. Als er sich an ihre gemeinsame Tochter heranmacht, erschießt sie ihn. Nun steht die Täterin Valérie Bacot (40) vor einem Gericht in Frankreich und soll lebenslänglich bekommen.

Die Angeklagte Valérie Bacot (40, M), flankiert von ihrer Familie und umgeben von Journalisten, beim Prozessauftakt im französischen Chalon-Sur-Saôn.
Die Angeklagte Valérie Bacot (40, M), flankiert von ihrer Familie und umgeben von Journalisten, beim Prozessauftakt im französischen Chalon-Sur-Saôn.  © Jeff Pachoud/AFP/dpa

Valérie Bacot hatte den Mord an ihren Ehemann niemals bestritten. Ganz im Gegenteil, sie schrieb sogar das Buch "Tout le monde savait" ("Alle wussten es"), in dem sie ihre Tat offen zugab.

Darin schildert die Französin die grausamen Verbrechen, welche ihr Mann Daniel Polette (†61) an ihr begangen hatte und wie sie ihn im Jahr 2016 erschoss. Die Leiche vergrub sie mithilfe zweier ihrer vier Kinder im Wald.

Am Montag startete der Prozess gegen die heute 40 Jahre alte Frau im ostfranzösischen Chalon-sur-Saône. Doch auf ein mildes Urteil zwecks Notwehr kann Valérie Bacot wohl nicht hoffen.

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Von einer lebenslangen Haftstrafe ist die Rede, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtet.

Ein Urteil, gegen das Tausende Menschen aufbegehren. In einer Petition haben bereits mehr als 600.000 Menschen die Freiheit für die gepeinigte Angeklagte gefordert (Stand: Mittwoch).

Noch bis zum Freitag soll der Prozess andauern.

Valérie Bacots Leidensweg: Erste Vergewaltigung mit 12, schwanger vom Stiefvater mit 17

Valérie Bacot ging durch die Hölle. Ihre Mutter verzieh dem Mann, der Valérie jahrelang vergewaltigt hatte. (Symbolbild)
Valérie Bacot ging durch die Hölle. Ihre Mutter verzieh dem Mann, der Valérie jahrelang vergewaltigt hatte. (Symbolbild)  © 123RF/Tinnakorn Jorruang

In ihrem Buch und den Medien wird der Fall Valérie Bacot eingehend beleuchtet. Wie der Guardian in Berufung ihres Buches schreibt, wurde Valérie zum ersten Mal im Alter von 12 Jahren vergewaltigt.

Der Täter war der damalige Liebhaber ihrer Mutter - Daniel Polette. Nach der Tat wurde er verurteilt und kam ins Gefängnis. Doch nach seinem dreijährigen Aufenthalt kehrte er in die Familie zurück. Der Missbrauch ging weiter.

"Niemand schien es bizarr zu finden, dass Daniel zurückkam, um mit uns zu leben, als ob nichts passiert wäre", heißt es in ihrem Buch. "Jeder wusste es, aber niemand sagte etwas."

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Mit 17 Jahren wurde sie von ihrem Stiefvater schwanger. Drei weitere Kinder sollten folgen.

Daniel Polette mietete eine Wohnung und nahm Valérie Bacot zu seiner Frau. Er verging sich über Jahre hinweg an ihr und war stark gewalttätig.

So brach er ihr die Nase, schlug ihr mit dem Hammer auf den Kopf und hatte strenge Regelungen.

Seine Frau und frühere Ziehtochter durfte beispielsweise mit niemandem sprechen, wenn sie einkaufen ging.

Daniel Polette zwang seine Frau zur Prostitution und machte sich an ihre Tochter heran

Der Prozess in Frankreich sorgt weltweit für Aufsehen. Das Urteil wird am Freitag erwartet. (Symbolbild)
Der Prozess in Frankreich sorgt weltweit für Aufsehen. Das Urteil wird am Freitag erwartet. (Symbolbild)  © 123RF/Marian Vejcik

Schließlich beschloss Polette, seinen Job aufzugeben. Das Geld musste woanders her. Er zwang Valérie, sich zu prostituieren.

Er legte eine Matratze in seinen Peugeot und bespitzelte den Akt mit den Kunden. Tat seine Frau nicht, was er sagte, schlug er sie.

Für den Fall, dass einer der Kunden böse wurde, hatte Daniel Polette eine Pistole im Auto versteckt. Valérie wusste davon. Als sie am 13. März 2016 von einem Kunden vergewaltigt wurde, nahm sie die Waffe und tötete ihren Ehemann mit einem Genickschuss.

Die beiden Kinder, welche bei dem Begräbnis geholfen hatten, erhielten sechs Monate lange Bewährungsstrafen. Valérie wurde im Jahr 2017 festgenommen.

Wie die Washington Post schrieb, hatte Valérie befürchtet, dass sich ihr Mann auch an ihre Kinder heranmachen würde.

Am ersten Tag des Prozesses sagte Valérie, dass ihre 14 Jahre alte Tochter sich an sie gewandt hätte, weil ihr Vater sexuelle Anspielungen ihr gegenüber gemacht hatte.

Parallelen zu Jacqueline Sauvage: Frau tötet Ehemann, weil er gewalttätig ist

Der Fall erinnert an die Französin Jacqueline Sauvage (†72). Diese wurde 2012 wegen Mordes an ihrem Ehemann verurteilt. Sauvage hatte behauptet, ihr Mann habe sie extrem misshandelt. Sie wurde zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt, wurde aber 2016 von dem damaligen Präsidenten François Hollande (66) begnadigt.

Einer der Anwälte von Bacot, Janine Bonaggiunta, sagte laut AFP, dass die Justiz Frauen, welche Gewaltopfer sind, nicht ausreichend schützen würde. Man wäre zu nachsichtig gegenüber den Tätern. Valérie Bacot hätte aus Verzweiflung und Selbstschutz gehandelt.

Ob die Richter das genauso sehen, wird sich wohl spätestens am Freitag mit der Urteilsverkündung herausstellen.

Titelfoto: Jeff Pachoud/AFP/dpa

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