Betonplatten-Unfall auf A3 bei Köln: Anzeichen für Pfusch, Staatsanwaltschaft wartet auf Gutachten

Köln - Bei den Ermittlungen zum tödlichen Unfall mit einer Betonplatte aus einer Lärmschutzwand auf der A3 will die Kölner Staatsanwaltschaft das Ergebnis ihres Gutachtens abwarten.

19.11.2020, Köln: Eine zweite entfernte Betonplatte wird auf der A3 verladen.
19.11.2020, Köln: Eine zweite entfernte Betonplatte wird auf der A3 verladen.  © Rolf Vennenbernd/dpa

"Wir ermitteln weiterhin in alle Richtungen gegen Unbekannt", sagte ein Sprecher der Behörde am Donnerstag.

Die Erkenntnisse von Straßen.NRW flössen in die Ermittlungen mit ein, "aber wir warten, bis unser eigenes Gutachten vorliegt".

Dies werde voraussichtlich gegen Ende des Jahres so weit sein.

Der Landesbetrieb Straßen.NRW hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass die mangelhafte Konstruktion der Lärmschutzwand schon seit 2008 bekannt gewesen sei.

In dem Abnahmeprotokoll sei "die improvisierte Konstruktion als Mangel aufgeführt und nur unter dem Vorbehalt eines statischen Nachweises abgenommen" worden.

Dieser sei "trotz mehrfacher Aufforderung nicht erbracht" worden. Die Baufirma sei mittlerweile insolvent.

Update, 16.25 Uhr: Experte: Platten hätten 2008 sofort ausgetauscht werden müssen

Die bereits seit Jahren bekannten Mängel an der Lärmschutzwand an der Autobahn 3 hätten nach Ansicht von Experten unmittelbar behoben werden müssen.

Bis zur Beseitigung hätte der Autobahnabschnitt bei Köln gar nicht für den Verkehr freigegeben werden dürfen, kritisierte der Präsident der Ingenieurkammer-Bau NRW, Heinrich Bökamp, am Donnerstag.

Der Landesbetrieb Straßen.NRW hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass die mangelhafte Konstruktion von Lärmschutzwänden schon 2008 bekannt gewesen sei.

In dem Abnahmeprotokoll sei "die improvisierte Konstruktion als Mangel aufgeführt und nur unter dem Vorbehalt eines statischen Nachweises abgenommen" worden, erklärte Straßen.NRW.

Dieser Nachweis sei "trotz mehrfacher Aufforderung nicht erbracht" worden. Die Baufirma sei mittlerweile insolvent. Zur Frage, warum der Mangel im Endeffekt nicht abgestellt worden sei, wollte ein Sprecher des übergeordneten NRW-Verkehrsministeriums sich wegen der laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht äußern.

Pfusch an den Betonplatten aus Platzmangel

Auf dem viel befahrenen Kölner Ring war vor rund zwei Wochen eine Autofahrerin von einer tonnenschweren Betonplatte erschlagen worden, die sich aus der Schallschutzmauer gelöst hatte.

Bei der anschließenden Untersuchung hatte sich herausgestellt, dass die fragliche sowie sechs weitere Platten beim Einbau fehlerhaft befestigt worden waren.

Es sei "offenbar aus Platzgründen bewusst mit geschweißten Winkeln improvisiert" worden, hatte der Landesbetrieb berichtet. Alle Platten sind inzwischen entfernt.

Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

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