Bomben im Erdreich: Diese Blindgänger werden immer gefährlicher

Köln – Noch immer liegen zahlreiche Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg in Köln vergraben. Von einer Bombenart geht besondere Gefahr aus.

Wegen Bombenfunden kommt es in Köln immer wieder zu Evakuierungen (Archivbild).
Wegen Bombenfunden kommt es in Köln immer wieder zu Evakuierungen (Archivbild).  © Friso Gentsch/dpa

Spürbar wurde dies am Dienstag, als in Köln-Klettenberg ein Blindgänger kontrolliert gesprengt werden musste.

Über 7000 Anwohner hatten ihre Wohnungen verlassen müssen und konnten erst nachts wieder zurückkehren, nachdem die Gefahr ohne Zwischenfälle gebannt worden war.

Bei den Luftangriffen auf deutsche Städte setzten die Angriffsmächte auch auf Bomben mit einem chemisch-mechanischen Langzeitzünder.

Diese Kriegsmittel sind aus zwei Gründen äußerst tückisch. Dank ihrer Bauweise explodieren diese Bomben nicht durch den Aufschlag. Stattdessen wird durch den Aufprall ein chemischer Prozess ausgelöst, der für eine verzögerte und damit heimtückische Detonation sorgte. 

Einige dieser Langzeitzünder sind aber auch noch 75 Jahre nach Kriegsende aktiv und könnten damit theoretisch jederzeit durch Korrosion oder Bewegung eine Explosion verursachen. Bundesweit kommt es alle paar Jahre wieder zu einer sogenannten Selbstdetonation, teilweise mit tödlichen Folgen.

Das macht diesen Bombentyp in der Gegenwart sehr gefährlich. Denn zum einen gibt es Korrosionswirkungen im Laufe der Jahre. Andererseits sind diese Blindgänger sehr empfindlich und dürfen in ihrer Lage nicht verändert werden.

2019 mussten 16 Blindgänger in NRW kontrolliert gesprengt werden

Nicht immer können Blindgänger erfolgreich entschärft werden.
Nicht immer können Blindgänger erfolgreich entschärft werden.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Die Entschärfung ist zwar theoretisch noch möglich, aber in der Praxis sehr heikel. Teilweise verfügen die Bomben zusätzlich auch über Ausbausperren.

Ist das Risiko zu groß, muss der Blindgänger am Fundort kontrolliert gesprengt werden. Dabei werden die Folgen der Explosion durch Sand und weitere Materialien möglichst gut abgefedert.

Wie viele Bomben noch im Boden liegen, weiß niemand genau. 

Allerdings bekam NRW fast die Hälfte aller Luftangriffe auf Deutschland ab. Insbesondere Ballungsgebiete und Städte waren betroffen.

Noch immer werden fast täglich irgendwo in NRW Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg aufgespürt.

Die Zahl der gefundenen Bomben blieb in den vorigen Jahren recht konstant. Im vergangenen Jahr wurden in NRW 2160 Bomben entdeckt, 307 davon hatten ein Gewicht von mindestens 50 Kilogramm.

In 17 Fällen hatten die Blindgänger einen Langzeitzünder, 16 Bomben mussten am Fundort gesprengt werden.

Titelfoto: Friso Gentsch/dpa

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