Warum die Sterblichkeit durch das Coronavirus in den Ländern sehr unterschiedlich ist

Bonn/Köln – Eine aktuelle Studie der Universität Bonn hat sich mit dem Zusammenhang zwischen der Sterblichkeit durch das Coronavirus und der Sozialstruktur beschäftigt.

In Italien gab es bis Dienstagabend mehr als 6800 Todesopfer durch das Coronavirus.
In Italien gab es bis Dienstagabend mehr als 6800 Todesopfer durch das Coronavirus.  © Claudio Furlan/LaPresse/AP/dpa

Ausgangspunkt für die Analyse sind die sehr unterschiedlichen Sterbezahlen durch die COVID-19-Infektion im internationalen Vergleich.

Während der Anteil der Patienten mit tödlichem Krankheitsverlauf in Deutschland bei unter 0,3 Prozent liegt (Stand 15. März), liegt die Quote in Italien bei 6 Prozent. Warum sterben in der Bundesrepublik im Schnitt drei von 1000 Erkrankten, in Italien aber 60?

Die beiden Ökonomen Prof. Dr. Moritz Kuhn und Prof. Dr. Christian Bayer von der Universität Bonn haben über verschiedene Länder hinweg die Rolle von Sozialstrukturen mit Letalitätsquoten bei Infektionen mit dem Coronavirus verglichen.

Das Ergebnis der Studie: Je mehr Erwerbstätige mit ihren Eltern zusammenleben, desto höher ist der Anteil der Corona-Toten am Anfang der Epidemie.

"Wenn sich die arbeitende Bevölkerung in hohem Maß infiziert, dann ist das für Bevölkerungsstrukturen wie in Deutschland oder Skandinavien, wo wir weniger generationsübergreifende Formen des Zusammenlebens kennen, weniger dramatisch", erläutert Professor Moritz Kuhn.

"In Ländern wie Italien, in denen Ältere oft mit der gesamten Familie unter einem Dach wohnen, steigt dann der Anteil der Krankheitsverläufe mit tödlichem Ausgang deutlich." Sobald der Virus auch unter Älteren gestreut hat, komme es zu einer Kettenreaktion, die das Gesundheitssystem überlastet.

Die Situation in Osteuropa und Asien

Asiatischen Ländern kommt möglicherweise die Erfahrung durch die SARS-Krise 2003 zugute.
Asiatischen Ländern kommt möglicherweise die Erfahrung durch die SARS-Krise 2003 zugute.  © Ahn Young-Joon/AP/dpa

Daher könnte sich in osteuropäischen Ländern eine ähnlich dramatische Situation wie in Italien ergeben. 

Grund seien die vielen Formen des generationenübergreifenden Zusammenlebens. Daher müssten Maßnahmen wie die Einhaltung einer "sozialen Distanz" zum Schutz der älteren Bevölkerung frühzeitig eingeleitet werden.

Im asiatischen Raum gebe es zwar ähnliche Formen des Zusammenlebens. Die Forscher sehen aber mehrere Faktoren, die die geringere Letalitätsquote erklären könnten.

So sei die Bevölkerung insgesamt jünger und die Formen der sozialen Interaktion seien anders. Zudem könnten asiatische Länder auch durch die Erfahrungswerte der SARS-Krise 2003 besser vorbereitet sein. 

Als Beispiel nennt die Studie Fieberkliniken in vielen asiatischen Ländern, die nur erkältungs- und grippespezifische Symptome behandeln und so das Gesundheitssystem entlasten.

Die Studie ist im Rahmen von ECONtribute entstanden. Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Exzellenzcluster forscht zu Märkten im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft und wird von den Universitäten in Bonn und Köln getragen.

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Titelfoto: Claudio Furlan/LaPresse/AP/dpa

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