Corona in Kitas: Jede fünfte Einrichtung im April zum Teil geschlossen

Düsseldorf - Im Verlauf des vergangenen Monats war in Nordrhein-Westfalen jeder elfte von 10.500 Kindergärten teilweise oder komplett von coronabedingten Betriebsschließungen betroffen.

Für den April sind bislang 479 Kinder und 368 Kita-Beschäftigte als infiziert registriert worden - für den März sogar 2007 Kinder und 1607 Beschäftigte. (Symbolfoto)
Für den April sind bislang 479 Kinder und 368 Kita-Beschäftigte als infiziert registriert worden - für den März sogar 2007 Kinder und 1607 Beschäftigte. (Symbolfoto)  © picture alliance / dpa

Das berichtete Staatssekretär Andreas Bothe (54) am Donnerstag im Familienausschuss des Düsseldorfer Landtags.

Nach vorläufigen Meldungen der Jugendämter seien 1734 Kitas teilweise und 189 komplett geschlossen gewesen.

Für den Monat März wurden in einem schriftlichen Bericht an den Ausschuss 1394 Einrichtungen teilweise und 247 komplett geschlossene Einrichtungen genannt.

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Für den April seien bislang 2183 Kinder und 368 Kita-Beschäftigte als infiziert registriert worden. Der schriftliche Bericht an den Landtag nennt für den Monat März 2007 infizierte Kinder und 1607 Beschäftigte mit Coronavirus.

Insgesamt werden in den verschiedenen Angeboten in NRW demnach rund 730.000 Kinder von etwa 160.000 Beschäftigten betreut.

Welche Rolle die britische Virus-Variante in den Kitas spiele, sei "noch nicht eindeutig geklärt", heißt es in einem weiteren Bericht des Ministeriums.

"Jedoch sind bisher nach wie vor wenige schwere Krankheitsverläufe bei Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen."

Update, 16.22 Uhr: Auch in Kommunen mit Corona-Notbremse wird fast jedes zweite Kind in die Kita gebracht

Der Staatssekretär berichtete darüber hinaus über die Nutzung der Kindertagesbetreuungsangebote in der Pandemie: In Kommunen mit Corona-Bundesbremse - und dementsprechend einer Wocheninzidenz von mindestens 165 Neuinfizierten gerechnet auf 100.000 Einwohner - liege die Auslastung aktuell bei durchschnittlich 46,5 Prozent. Eine Woche zuvor habe die Nutzungsquote dort 43 Prozent betragen.

In Kommunen ohne Notbremse liege die Auslastung aktuell im Durchschnitt bei 67 Prozent. Dabei sei regional allerdings "eine große Spreizung" zu beobachten, sagte der Staatssekretär. "Es gibt weiter Einrichtungen mit hohen Auslastungszahlen."

Bei Betreuungsangeboten von Tageseltern hätten die Jugendämter für die vergangene Woche eine Inanspruchnahme von durchschnittlich 63 Prozent gemeldet (Vorwoche: 69 Prozent). Zudem habe es dort 227 zeitweise Schließungen gegeben - entweder wegen Quarantäne oder Inanspruchnahme von Kinderbetreuungstagen.

Die Grünen hinterfragten in der Sitzung die Finanzierung der avisierten beitragsfreien Kita-Monate. Familienminister Joachim Stamp (50, FDP) hatte zugesagt, dass die Eltern für das gesamte erste Halbjahr insgesamt nur die Hälfte der üblichen Kita-Beiträge zahlen müssten, weil coronabedingt nicht das volle Angebot zur Verfügung gestanden habe.

Die Monate Mai und Juni würden - wie zuvor schon der Januar - komplett beitragsfrei gestellt. Der Haushalts- und Finanzausschuss des Landtags gab nach Angaben des Familienministeriums am Donnerstag die Mittel für eine hälftige Kostenbeteiligung des Landes frei. Das hatten die kommunalen Spitzenverbände mehrfach gefordert.

Zum Thema Gewalt gegen Kinder in der Pandemie gibt es noch keine verlässlichen Zahlen. Insgesamt bewegten sich die bekannten Fallzahlen in etwa in der Größenordnung, die auch ohne Corona-Pandemie zu erwarten gewesen wären, heißt es in einem weiteren Bericht an den Landtag. In einer Studie für das Bundesfamilienministerium gingen die Forscher allerdings davon aus, dass dies auch bedeuten könne, dass das Dunkelfeld nicht entdeckter Gefährdungen gewachsen sei.

Bislang sei eine eigene Studie des Landes zu dem Themenfeld nicht geplant, sagte Bothe.

Titelfoto: picture alliance / dpa

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