Bilanz nach Missbrauchs-Skandal: Ermittler befreiten 65 Kinder

Köln - 2019 nahm ein Fall von Kindesmissbrauch in Bergisch Gladbach schnell bundesweite Ausmaße an. Die Polizei stieß auf immer mehr Verdächtige in einem weit verzweigten Netz.

Nach mehr als zwei Jahren Arbeit zieht die spezielle Polizei-Ermittlungsgruppe "Berg" Bilanz.
Nach mehr als zwei Jahren Arbeit zieht die spezielle Polizei-Ermittlungsgruppe "Berg" Bilanz.  © Dagmar Meyer-Roeger/dmp press/dpa

Nach mehr als zwei Jahren Arbeit zog die Polizei-Ermittlungsgruppe "Berg", die auf Kindesmissbrauch in Bergisch Gladbach zurückgeht, am heutigen Mittwoch ein Resümee.

Die "Besondere Aufbauorganisation Berg" (BAO Berg) hatte seit Oktober 2019 in einem weit verzweigten Geflecht ermittelt.

Zuvor hatten Ermittler bei einem Mann aus Bergisch Gladbach bei Köln Unmengen kinderpornografischer Daten gefunden.

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Sie stießen auf Kontakte zu vielen weiteren Männern, die im Internet Videos und Abbildungen austauschten. Nach und nach kam man immer mehr Verdächtigen auf die Spur.

An der Bilanz-Pressekonferenz nahmen der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob und der Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime NRW, Markus Hartmann, teil.

Bereits bekannt ist, dass die BAO "Berg" als Konstrukt aufgelöst wird. Noch vorliegende Spuren sollen in der "Alltagsorganisation" zu Ende bearbeitet werden.

65 Kinder befreit und 439 Tatverdächtige identifiziert

Uwe Jacob, Polizeipräsident von Köln, sprach auf einer Pressekonferenz über den Einsatz.
Uwe Jacob, Polizeipräsident von Köln, sprach auf einer Pressekonferenz über den Einsatz.  © Federico Gambarini/dpa

Auf die Ermittlungsgruppe gehen zahlreiche Durchsuchungen, Festnahmen und rechtskräftige Verurteilungen zurück. Der Familienvater aus Bergisch Gladbach, der als Schlüsselfigur galt, wurde vergangenes Jahr zu einer zwölfjährigen Freiheitsstrafe und Unterbringung in Sicherungsverwahrung verurteilt.

Die Polizei-Ermittlungsgruppe "Berg", die auf Kindesmissbrauch in Bergisch Gladbach zurückgeht, hat in den vergangenen beiden Jahren 65 Kinder befreit und 439 Tatverdächtige identifiziert.

Das sagte der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob am Mittwoch in einem Resümee. "Jede Stunde, die wir hier verwandt haben, war den Einsatz wert", sagte er.

Nur drei Monate alt war das jüngste Kind

Nur drei Monate alt war das jüngste Kind, das die Polizei-Ermittlungsgruppe befreit hat.

Das Baby sei von seinen Peinigern vergewaltigt worden, sagte am Mittwoch der Leiter der Ermittlungsgruppe.

Alle Mitglieder der Ermittlungsgruppe hätten "enormes Leid gesehen", was zu psychischen Belastungen geführt habe, sagte Esser.

Die Situationen seien teilweise "sehr surreal" gewesen, etwa wenn die Kinder nach der Trennung von den Missbrauchstätern geweint hätten.

Zum Beispiel habe sich ein Mädchen in Aachen während einer Anhörung verzweifelt an ein Stofftier festgeklammert, das es von seinem Onkel geschenkt bekommen habe. "Die Tragik in dieser Aussage nahm uns alle mit, denn dieser Onkel war unser Tatverdächtiger, der ihr unbeschreibliches Leid angetan hatte", heißt es in einem Bericht des Einsatzleiters.

"Selbst die erfahrensten Ermittlerinnen und Ermittler waren über die Schwere des Missbrauchs erschüttert."

Titelfoto: Dagmar Meyer-Roeger/dmp press/dpa

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