Heute vor 10 Jahren: Gedenken an Loveparade-Katastrophe

Duisburg – Zehn Jahre ist es her, dass bei der Loveparade in Duisburg 21 junge Menschen in einem unfassbaren Gedränge zu Tode kamen: Zum Jahrestag am 24. Juli werden wieder zahlreiche Angehörige und Verletzte an der Unglücksstelle erwartet, an der später eine Gedenkstätte errichtet wurde.

Bei der Loveparade-Katastrophe kamen 21 junge Menschen ums Leben. (Archivfoto)
Bei der Loveparade-Katastrophe kamen 21 junge Menschen ums Leben. (Archivfoto)  © Erik Wiffers/dpa

Es ist der erste Jahrestag nach der endgültigen Einstellung des Strafprozesses Anfang Mai dieses Jahres.

Die meisten Angehörigen der Opfer aus dem Ausland können wegen Corona diesmal nicht zu der Gedenkveranstaltung kommen, sagt Jürgen Widera, Vorsitzender der Loveparade-Stiftung.

Es gebe Absagen von Angehörigen aus Australien, China, Italien und Spanien. Das Event soll aber für alle zugänglich live im Internet übertragen werden. Eine Maskenpflicht vor Ort gibt es nicht, dafür aber Besucher-Obergrenzen bei allen Veranstaltungen. 

Auch gab es eine traditionell am Vorabend angesetzte Andacht in der Salvatorkirche, die Angehörigen per Livestream verfolgen konnten. 

Zudem fand in der Nacht zu Freitag im Zugangstunnel zum einstigen Veranstaltungsgelände erneut eine "Nacht der 1000 Lichter" statt.

Die Tragödie ist in Nordrhein-Westfalen unvergessen. Vor einem Monat beschloss der Landtag weitere Hilfen für Opfer und Hinterbliebene.

In der Sitzung nannte die frühere NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) in einer bewegenden Rede die Loveparade-Katastrophe "eine offene Wunde am Herzen der Stadt und des Landes".

Anschließend nannte sie alle Vornamen der Opfer und ihr Alter. Kraft war zum Zeitpunkt des Loveparade-Unglücks erst seit zehn Tagen Ministerpräsidentin.

Der "große Bösewicht" wurde nicht gefunden

Adolf Sauerland wurde 2012 als Oberbürgermeister von Duisburg abgewählt, sah aber selber keinen Anlass für einen Rücktritt aus politischer Verantwortung. (Archivfoto)
Adolf Sauerland wurde 2012 als Oberbürgermeister von Duisburg abgewählt, sah aber selber keinen Anlass für einen Rücktritt aus politischer Verantwortung. (Archivfoto)  © Federico Gambarini/dpa

Der heutige Duisburger Oberbürgermeister Sören Link (SPD) erklärte im Vorfeld des Jahrestages: "Das Leid, welches dieser Tag über viele Menschen gebracht hat, kann auch die Zeit nicht relativieren." 

Er sehe aber, dass es inzwischen vielen gelinge, nach vorne zu schauen. Link will bei der öffentlichen Gedenkveranstaltung am Jahrestag sprechen.

Geplant ist auch ein Musikbeitrag der Duisburger Sängerin Marie Wegener (19), die 2018 die RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar" gewonnen hatte.

Das Strafverfahren war endgültig Anfang Mai ohne Urteil eingestellt worden – wegen vermutlich geringer Schuld. Ursprünglich angeklagt unter anderem wegen fahrlässiger Tötung waren insgesamt sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalterunternehmens Lopavent.

Zuletzt hatte es nur noch drei Angeklagte gegeben. "Den großen Bösewicht haben wir nicht gefunden. Es war eine Katastrophe ohne Bösewicht", sagte der Vorsitzende Richter Mario Plein in der Einstellungsbegründung.

Leute hätten Fehler gemacht, obwohl sie ihr Bestes gegeben hätten, ja sogar ihre eigenen Kinder zum Techno-Spektakel ließen.

Gericht und Gutachten legen Fehler in der Veranstaltungsplanung offen

Vertrocknete Rosen stecken an einem Kreuz am Denkmal für die Opfer der Loveparade-Katastrophe.
Vertrocknete Rosen stecken an einem Kreuz am Denkmal für die Opfer der Loveparade-Katastrophe.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Die Frage, wie es zu dem Unglück kommen konnte, hatte im Prozess breiten Raum eingenommen.

Auf der Grundlage eines 3800 Seiten umfassenden Gutachtens des Wuppertaler Verkehrssicherheitsexperten Prof. Jürgen Gerlach stellte das Gericht am Ende fest, dass eine "Vielzahl von Umständen" zu dem tödlichen Gedränge geführt habe.

So sei etwa der Veranstaltungsort für das Konzept und die Besuchermengen nicht geeignet gewesen. Vereinzelungsanlagen und Schleusen an den Eingängen seien nicht auf die erwartenden Personenmengen ausgerichtet gewesen.

Das Gericht stellte auch fest, dass das Unglück auch am Veranstaltungstag noch hätte verhindert oder zumindest in den Folgen abgemildert werden können.

Titelfoto: Erik Wiffers/dpa

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