Einsturz Kölner Stadtarchiv: Stadtrat billigt 600-Millionen-Euro-Vergleich

Köln - Elf Jahre nach dem Einsturz des Stadtarchivs in Köln hat der Stadtrat am Montagabend mit großer Mehrheit einem Vergleich über die Begleichung des Schadens zugestimmt.

So sah die Einsturzstelle des Kölner Stadtarchivs aus.
So sah die Einsturzstelle des Kölner Stadtarchivs aus.  © Oliver Berg/dpa

Die Einigung sieht vor, dass die am damaligen U-Bahn-Bau beteiligten Firmen der Stadt 600 Millionen Euro bezahlen. 

Die gesamte Schadenssumme ist von der Stadt Köln auf 1,3 Milliarden Euro veranschlagt worden.

Der Vergleich sieht auch vor, dass die Firmen die U-Bahnstrecke auf eigene Kosten zu Ende bauen.

Außerdem errichten sie einen Gedenkraum für die Opfer.

Bei dem Einsturz am 3. März 2009 waren zwei Anwohner ums Leben gekommen.

Unzählige historische Dokumente wurden verschüttet und werden seitdem restauriert, was noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen soll.

Das Kölner Landgericht hatte 2018 geurteilt, dass das Archiv wegen eines gravierenden Fehlers beim Bau einer neuen U-Bahn-Haltestelle unterhalb des Gebäudes eingestürzt war.

Baufirma Bilfinger zahlt 200 Millionen Euro

2018 begannen zwei Prozesse gegen insgesamt sechs Angeklagte - Mitarbeiter von Baufirmen und Kölner Verkehrsbetrieben (KVB). Kurz vor der Verjährung wurden ein KVB-Bau-Überwacher und ein Oberbauleiter wegen fahrlässiger Tötung zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Die Baufirma Bilfinger teilte am Montagabend mit, 200 Millionen Euro zu zahlen, die vollständig durch die Versicherer abgedeckt würden. "Somit haben die Vergleichszahlungen, wie vom Unternehmen erwartet, keine Auswirkung auf die Finanz- und Ertragslage des Konzerns."

Update, 14.30 Uhr: Stadt mit Einigung zufrieden

"Ich bin wirklich erleichtert darüber, dass wir dieses schwierige Kapitel der Kölner Stadtgeschichte abschließen können", sagte Oberbürgermeister Henriette Reker (parteilos) am Dienstag. "Damit schließen wir die juristischen Akten."

Der Vergleich finanziere und sichere den Neubau des Historischen Archivs. Zwölf Millionen Euro pro Jahr würden in die Restaurierung der beschädigten Archivalien investiert. "Für die nächsten Jahrzehnte ist das gesichert", sagte Reker. "Für die Stadt genauso wichtig ist der Weiterbau der Nord-Süd-Stadtbahn."

Die Einigung sieht vor, dass die am damaligen U-Bahn-Bau beteiligten Firmen der Stadt 600 Millionen Euro bezahlen. Die gesamte Schadenssumme war von der Stadt Köln auf über eine Milliarde Euro veranschlagt worden. Die Firmen bauen außerdem die U-Bahnstrecke auf eigene Kosten zu Ende und errichten einen Gedenkraum für die Opfer.

"Ein jahrzehntelanger Rechtsstreit über die Schadenshöhe und -ursache mit Bindung materieller und personeller Ressourcen konnte so vermieden werden", sagte ein Sprecher der Arge Nord-Süd-Stadtbahn, in der die Baufirmen vertreten sind. 

Auch Stadtdirektor Stephan Keller sagte, dieses Ergebnis sei wirklich das bestmögliche gewesen, "die goldene Mitte". Verkehrsdezernentin Andrea Blome sagte, Köln habe jetzt wieder das Selbstvertrauen, große Verkehrsprojekte in Angriff zu nehmen.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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