Fällt Karneval wegen Corona aus? Konkrete Ideen vorgelegt

NRW/Siegburg/Köln - Der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises spricht sich für eine Absage von Karnevalsveranstaltungen in der kommenden Session aus.

Ein Blick in die Vergangenheit: Jecken feiern auf dem Kölner Heumarkt den Auftakt der Karnevalssession.
Ein Blick in die Vergangenheit: Jecken feiern auf dem Kölner Heumarkt den Auftakt der Karnevalssession.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Er habe in dieser Sache bereits vor einigen Tagen NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU, 59) angeschrieben. 

Karneval "so, wie wir ihn kennen", werde in der Session 2020/2021 nicht möglich sein, erklärte Landrat Sebastian Schuster (CDU). 

Die wegen der Corona-Pandemie gebotenen Abstands- und Hygieneregeln machten Veranstaltungen für Vereine nicht durchführbar.

"Eine 'wohlwollende' Genehmigung des Karnevals mit Einschränkungen seitens der Landesregierung hätte für viele - gerade kleinere Gesellschaften und Vereine – eine verheerende Wirkung", so Schuster. 

Gleichbleibende Kosten bei weniger Gästen - das bringe die Vereine in den Ruin. Eine Kreis-Sprecherin sagte am Donnerstag, bislang habe es keine Reaktion von Laschet gegeben. 

Die Diskussion um Karneval in Corona-Zeiten nimmt zunehmend Fahrt auf. 

Die Karnevalisten in Köln etwa halten eine Komplettabsage für keine Option. In Düsseldorf darf das Prinzenpaar ein weiteres Jahr im Amt bleiben, sollte die Session samt Rosenmontagszug in Teilen flachfallen. Das kleinere Euskirchen hat bereits entschieden, Karneval in seiner alten Form wegen Corona ausfallen zu lassen.

Update, 14. August, 13.34 Uhr: Konkrete Ideen für Karneval

Die Karnevalshochburgen Köln, Düsseldorf, Bonn und Aachen haben konkrete Ideen für närrischen Frohsinn unter Corona-Bedingungen ausgearbeitet. Es handle sich um Empfehlungen für Karnevalsveranstaltungen, die man nun der Landesregierung zur Prüfung vorgelegt habe, sagte ein Sprecher des Festkomitees Kölner Karneval am Freitag. 

Die Idee: Eine Art Leitfaden, an dem sich Karnevalisten landesweit orientieren können, wenn es um die Genehmigung einer Veranstaltung geht. "Es geht nicht darum, mit Gewalt zu feiern, wenn es nicht geht", sagte er. 

"Der Punkt ist: Wenn wir feiern, wollen wir ehrenamtlichen Karnevalisten, die sich damit nicht auskennen, konkrete Tipps geben."

In dem Papier werden den Angaben zufolge viele praktische Probleme erörtert, die sich aus der Kombination von Pandemie und Party ergeben: Welchen Abstand haben Büttenredner zum Publikum? Wie weit müssen die Bläser im Orchester von den anderen Musikern und den Gästen im Saal entfernt sitzen? Wie viele Menschen dürfen in einen Saal? Wo könnte getanzt werden? Mit einem Ergebnis der Prüfung auf Landesebene rechnen die Initiatoren erst im September.

Das Thema Karneval und Corona sorgt NRW seit Wochen für Debatten. Jüngst hatte sich der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises für eine Absage der Session ausgesprochen. Die Karnevalisten in Köln etwa aber halten eine Komplettabsage aber für keine Option.

Leitfaden für Karneval in Corona-Zeiten

Normalerweise feiern Karnevalisten eng und feucht fröhlich zusammen.
Normalerweise feiern Karnevalisten eng und feucht fröhlich zusammen.  © Oliver Berg/dpa

Dabei soll den Kommunen in Nordrhein-Westfalen ein Leitfaden mit Empfehlungen und Informationen helfen. 

Das ist zuletzt Mitte Juli bei einem Spitzentreffen der Festkomitees der Karnevalshochburgen Aachen, Bonn, Düsseldorf und Köln mit dem Chef der Staatskanzlei vereinbart worden.

Da derzeit nicht absehbar sei, wie sich die Corona-Pandemie in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln werde, solle eine gemeinsame Basis erarbeitet werden für die Genehmigung der Veranstaltungen vor Ort.

Die Karnevalisten wollten dem Land bis Anfang August ein Konzept vorlegen, unter welchen Bedingungen aus ihrer Sicht Veranstaltungen stattfinden könnten. 

Das Gesundheitsministerium werde die Vorschläge prüfen. 

Im September habe man dann noch immer genug Zeit, die Sessions-Eröffnung am 11.11. vorzubereiten, sagte Michael Kramp für das Festkomitee Kölner Karneval.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte sich zuletzt gegen Straßenveranstaltungen zur traditionellen Sessionseröffnung am 11.11. ausgesprochen: "Draußen, Straßenkarneval, Infektionsübertragungszeit, Alkohol, Enge - das passt nicht in diese Zeit", hatte er Ende Juni gesagt.

Die Karnevalisten fragen sich: "Ist das schlau, etwas zu verbieten?", wie der Sprecher des Festkomitees Kölner Karneval, Michael Kramp, zuletzt fragte.

Die Leute kämen dann ja trotzdem zu Hunderttausenden in die Stadt und träfen sich mit anderen. "Das ist möglicherweise die schlechtere Variante als zu sagen, wir machen lieber eine Reihe von kleineren Veranstaltungen, wo wir organisieren können, dass Menschen hygienisch miteinander umgehen", nannte er eine Idee.

Am Ende stehe die Frage, ob die noch zu entwickelnden Vorschläge organisierbar und finanzierbar seien und das NRW-Gesundheitsministerium zustimme.

Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

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