Deutsche Nationalspielerin schreibt an ihrer Doktorarbeit

Köln/Essen – Turid Knaak (29) hat einen nicht alltäglichen Alltag. Sie ist Fußball-Nationalspielerin, arbeitet aber auch an der Uni Köln als Dozentin und schreibt ihre Doktorarbeit. In der Corona-Krise macht sich die 29-Jährige Sorgen um bestimmte Kinder.

Turid Knaak (l.) bei einem Bundesligaspiel ihres Vereins SGS Essen.
Turid Knaak (l.) bei einem Bundesligaspiel ihres Vereins SGS Essen.  © Revierfoto/dpa

Turid Knaak spielt in der Bundesliga für die SGS Essen und zählt zu den erfahrenen Spielerinnen in der Auswahl von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

Turid Knaak ist aber auch wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Köln und arbeitet dort im Bereich Sonderpädagogik. Für ihre Doktorarbeit erforscht sie den Schriftspracherwerb von Kindern mit Lernschwierigkeiten. 

Die 29-Jährige hat sich bewusst für eine zweigleisige Karriere aus Profifußball und akademischer Laufbahn entschieden. "Ich schätze das sehr, weil jedes für sich wieder ein Ausgleich für das andere ist", sagt sie. 

Im Moment hat die Corona-Krise jedoch auch ihr Leben grundlegend verändert. Statt wie sonst gegen halb acht am Morgen ihre Wohnung in Grevenbroich bei Neuss zu verlassen und zur Uni zu fahren, Prüfungen zu korrigieren, Unterricht vorzubereiten, Seminare oder Vorlesungen zu halten oder Sprechstunden mit den Studierenden durchzuführen, heißt es nun auch für Knaak Homeoffice.

Dort arbeitet sie vormittags für die Uni und an ihrer Doktorarbeit. "Ich versuche einigermaßen, den Rhythmus und meinen Tagesablauf beizubehalten, um nicht in einen Trott zu verfallen", erzählt Knaak der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. 

Sorge um lernschwache Kinder

Knaak absolvierte bislang 14 A-länderspiele für die DFB-Elf.
Knaak absolvierte bislang 14 A-länderspiele für die DFB-Elf.  © David Inderlied/dpa

"Nachmittags absolviere ich dann meine Trainingseinheiten. Ich mache viel Lauf-, Sprint- und Krafttraining", sagt Knaak und scherzt: "Ich wohne ja auf dem Dorf, da gibt es auch genug Felder und Wiesen."

Ernst wird ihre Stimme dann wieder bei einem Thema, zu dem sie nicht nur promoviert, sondern das ihr ganz offenkundig am Herzen liegt. 

Bereits beim Algarve-Cup Anfang März erläuterte Knaak bei einem Gespräch in der Hotel-Lobby ausführlich ihre Sichtweise zu Themen wie Schriftspracherwerb in der Grundschule und Lesen als wichtiger Faktor für Kinder oder schilderte ihre persönliche Perspektive, nach der Karriere möglicherweise als Lehrerin an einer Schule zu arbeiten.

Dass derzeit wegen der Corona-Krise die Schulen geschlossen sind, betrachtet Knaak vor allem im Hinblick auf lernschwache oder sozial benachteiligte Kinder mit großer Sorge. 

"Gerade für die Schülerinnen und Schüler mit Lernschwäche ist die aktuelle Situation eine Katastrophe. Das sind oft auch Kinder, die wenig Unterstützung von zu Hause bekommen und denen oft die Mithilfe der Eltern fehlt", sagt sie. Zudem sei es mit digitalem Lernen oder video-basierter Unterstützung "nicht in jeder Familie und jedem Haushalt so einfach. Oft fehlt auch eine technische Ausstattung wie ein Drucker."

Knaak unterstützt die Hilfsaktion "#wekickcorona"

Doch nicht nur im doppelten Berufsleben beweist Turid Knaak, dass sie über den sogenannten Tellerrand hinausblickt. Als die Bayern-Profis Joshua Kimmich und Leon Goretzka die Hilfsaktion "#wekickcorona" initiierten (TAG24 berichtete), zählte Knaak zu den ersten Nationalspielerinnen, die sich beteiligten. 

"Es geht nicht darum, riesige Summen zu spenden", sagt sie. "Aber ich möchte meinen Teil dazu beitragen."

Titelfoto: David Inderlied/dpa

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