Handelsexperten: Auch ohne Corona droht ein größeres Ladensterben

Köln – In Deutschland droht in den nächsten zehn Jahren nach einer Prognose von Handelsexperten ein weiteres großes Ladensterben.

Ein Schild mit der Aufschrift "Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe" hängt im Schaufenster eines Ladengeschäfts in der Innenstadt (Archivbild).
Ein Schild mit der Aufschrift "Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe" hängt im Schaufenster eines Ladengeschäfts in der Innenstadt (Archivbild).  ©  Peter Kneffel/dpa

Die Zahl der Unternehmen im stationären Einzelhandel werde sich durch geänderte Kaufgewohnheiten und den Siegeszug des Onlinehandels bis zum Jahr 2030 noch einmal um bis zu 64.000 verringern. 

Die Zahl der Verkaufsstellen werde sogar um bis zu 80.000 sinken, prognostiziert das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) in seinem in dieser Woche veröffentlichten "Handelsszenario 2030". 

Aktuell gibt es laut IFH bundesweit noch rund 226.000 Einzelhandelsunternehmen.

Mit der Coronavirus-Epidemie hat das Ladensterben eigentlich nichts zu tun. Doch betonte der IFH-Geschäftsführer Boris Hedde: "Die Coronavirus-Krise könnte dafür sorgen, dass die Entwicklung nun im Zeitraffer abläuft."

Seit 2005 sank die Zahl der Einzelhandelsunternehmen in Deutschland laut IFH bereits um 39.000 auf knapp 226.000. 

Das Bemerkenswerte dabei: Die Geschwindigkeit des Ladensterbens hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter erhöht. Zu den Verlierern im Markt gehören vor allem die Modebranche, der Buchhandel und die Spielwarenläden, aber auch der Handel mit Wohnaccessoires.

Bis 2030 sind laut der Studie bis zu 80.000 Verkaufsstellen in Deutschland in Gefahr.
Bis 2030 sind laut der Studie bis zu 80.000 Verkaufsstellen in Deutschland in Gefahr.  © privat

Vier mögliche Szenarien bis 2030

Um die Entwicklung des Einzelhandels bis 2030 zu prognostizieren, entwarfen die Handelsexperten vier mögliche Szenarien. Sie unterschieden sich unter anderem hinsichtlich der Entwicklung der Ausgabenbereitschaft und der künftigen Bedeutung des Online-Handels.

"Egal welches Szenario am Ende zutrifft, viele stationäre Händler werden in den nächsten Jahren aufgeben müssen", brachte Hedde das Ergebnis der Studie auf den Punkt. Im besten Fall, bei ausgabefreudigen und erlebnishungrigen Verbrauchern, sei immer noch mit dem Aus für 26.000 Unternehmen zu rechnen.

Im düstersten Szenario, wenn die Verbraucher ihr Geld zusammenhalten und viel online einkaufen, seien sogar 64.000 stationäre Händler und 80.000 Verkaufsstellen in Gefahr.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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