Nach 70 Jahren: Aus für die Kölner Messe Photokina

Köln – Nach sieben Jahrzehnten wird die traditionsreiche Foto- und Videomesse Photokina nicht mehr fortgesetzt. Die Veranstaltung werde "bis auf Weiteres ausgesetzt", teilte die Koelnmesse am Freitag in der Domstadt mit.

Messebesucher schauen auf der Photokina durch Kameras. Nach sieben Jahrzehnten wird die traditionsreiche Foto- und Videomesse Photokina nicht mehr fortgesetzt (Archivbild).
Messebesucher schauen auf der Photokina durch Kameras. Nach sieben Jahrzehnten wird die traditionsreiche Foto- und Videomesse Photokina nicht mehr fortgesetzt (Archivbild).  © picture alliance / dpa

Als Grund nannte das Unternehmen "die weiter massiv rückläufige Entwicklung in den Märkten für Imaging-Produkte".

Pläne, die Photokina bei möglicherweise besseren Branchenperspektiven wieder stattfinden zu lassen, gibt es nicht. Koelnmesse-Chef Gerald Böse erklärte, die Rahmenbedingungen der Branche böten leider keine tragfähige Basis für eine weitere Ausrichtung.

Die erste "Photo-Kino-Ausstellung" fand 1950 statt, damals waren elektronische Blitzlichter und das Kleinbild-Filmformat Hingucker.

In der Anfangszeit trat etwa Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard (CDU) als Redner auf und war begeistert über die Innovationen. Rasch entwickelte sich die Photokina zur Leitveranstaltung in ihrer Branche und blieb das jahrzehntelang.

Doch mit der Digitalisierung kam die Branche und damit auch die Messe unter Druck - statt zu hochpreisigen Spiegelreflexkameras zu greifen, reichte immer mehr Menschen ihr Handy fürs Fotografieren. Der Kameramarkt schrumpfte, die Anbieterzahlen bei der Kölner Messe gingen zurück.

Düstere Perspektiven: Photokina 2020 erst verschoben, dann endgültiges Aus

Nach 70 Jahren wurde das Aus der Fachmesse Photokina in Köln beschlossen (Archivbild).
Nach 70 Jahren wurde das Aus der Fachmesse Photokina in Köln beschlossen (Archivbild).  © Rolf Vennenbernd/dpa

In den vergangenen Jahren wollten die Veranstalter das Ruder rumreißen und das Event für jüngere Zielgruppen attraktiver machen - die digitale Bildbearbeitung und die Smartphone-Fotografie rückten stärker in den Fokus. Das Messeformat wurde eingedampft von sechs auf vier Tagen.

Doch die Perspektiven blieben düster. "Schon vor der Corona-Pandemie war der Imagingmarkt mit jährlich zweistelligen Rückgängen stark in Bewegung", sagte der fürs operative Geschäft zuständige Koelnmesse-Geschäftsführer Oliver Frese. Diese Negativdynamik habe sich 2020 "massiv verstärkt".

Mit im Boot bei der Messe war der Photoindustrie-Verband. Dessen Vorsitzender Kai Hillebrandt sprach von einem "leider unabwendbaren Schritt". Bei ihrer letzten Veranstaltung 2018 kamen 180.000 Besucher.

2020 sollte die Photokina wieder stattfinden, wurde aber auf Mai 2022 verschoben. Doch nun kam das Aus für die Publikumsmesse.

Titelfoto: picture alliance / dpa

Mehr zum Thema Köln Wirtschaft:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0