Afghanistan-Krise: Köln und Bonn nehmen afghanische Korrespondenten auf

Köln/Bonn – Die Städte Köln und Bonn gaben am Nachmittag bekannt, dass sie die "Deutsche Welle" (DW), den Auslandsrundfunk der Bundesrepublik Deutschland, unterstützen und Korrespondenten und Korrespondentinnen des Senders und ihrer Familien aus Afghanistan aufnehmen.

Henriette Reker (64, parteilos) sprach sich bereits im August für eine schnelle Aufnahme von Ortskräften aus.
Henriette Reker (64, parteilos) sprach sich bereits im August für eine schnelle Aufnahme von Ortskräften aus.  © Kay Nietfeld/dpa

Die insgesamt 72 Personen sind am heutigen Dienstag in ihren Zielorten Köln und Bonn angekommen, wie die Stadt Köln mitteilte.

Beide Städte werden den Geflüchteten in den kommenden Wochen Unterkünfte stellen, bis die Deutsche Welle Wohnungen für seine Angestellten gefunden hat.

Bei den ehemaligen Ortskräften handelt es sich um insgesamt zehn Journalisten der Deutschen Welle.

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Nach Köln kommen zunächst 46 Personen aus Afghanistan, in Bonn können weitere 26 Menschen untergebracht werden.

Es hieß, dass der Sender die Gruppe vor zwei Wochen evakuieren konnte. Sie gelangten zunächst auf dem Landweg nach Pakistan, wo die deutsche Botschaft in Islamabad die Visa für die Weiterreise nach Deutschland ausstellte.

Bonns Oberbürgermeisterin Katja Dörner (45, Bündnis 90/Die Grünen) und Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (64, parteilos) sprachen sich in der Vergangenheit beide für eine schnelle Unterbringung der Medienschaffenden und ihren Angehörigen aus.

Deutsche Welle bestätigte Evakuierung

Henriette Reker kündigte an, weitere Ortskräfte aufnehmen zu wollen

Katja Dörner bedankt sich bei Henriette Reker

Im August nahm Henriette Reker Kontakt mit Seehofer und Stamp auf

Auch Bonns Oberbürgermeisterin Katja Dörner (45, Bündnis 90/Die Grünen) setzte sich mit ihrer Stadt für die Aufnahme von 26 Geflüchteten ein.
Auch Bonns Oberbürgermeisterin Katja Dörner (45, Bündnis 90/Die Grünen) setzte sich mit ihrer Stadt für die Aufnahme von 26 Geflüchteten ein.  © Michael Kappeler/dpa

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker betont: "Köln steht für Offenheit, Vielfalt und Toleranz. Die jüngsten Entwicklungen in Afghanistan habe ich daher mit Bestürzung verfolgt. Selbstverständlich unterstützt die Stadt Köln die Deutsche Welle darin, ihre Mitarbeitenden, die sich für eben jene Werte eingesetzt haben, zu evakuieren. Die Stadt Köln hat ein gut ausgebautes Unterbringungssystem und stellt die benötigten Unterkünfte bereit."

Bereits im August wandte sie sich an Bundesinnenminister Horst Seehofer (72, CSU) und den stellvertretenden NRW-Ministerpräsidenten, Dr. Joachim Stamp (51, FDP) Minister für Integration, und bat an, afghanische Ortskräfte schnell und unbürokratisch aufzunehmen.

Und auch in Bonn ist man froh, dass die Aufnahme funktioniert habe. Katja Dörner: "Wir haben bereits frühzeitig unsere Bereitschaft erklärt, afghanische Ortskräfte und schutzbedürftige Menschen in Bonn aufzunehmen. Ich freue mich, dass wir gemeinsam mit der Deutschen Welle und der Stadt Köln schnell und unbürokratisch Hilfe leisten und somit den Mitarbeitenden und ihren Familien eine sichere Unterkunft und die notwendige Unterstützung anbieten können."

Sender und Ministerien bemühen sich weiterhin um Evakuierung

Alltag in Kabul: Junge Taliban-Kämpfer patrouillieren in den Straßen der Hauptstadt.
Alltag in Kabul: Junge Taliban-Kämpfer patrouillieren in den Straßen der Hauptstadt.  © Oliver Weiken/dpa

Die Korrespondenten und Korrespondentinnen des Senders werden in Bonn künftig für die DW in den Sprachen Dari und Paschtu arbeiten.

Darüber hinaus wird sich der Sender, gemeinsam mit den zuständigen Ministerien in Berlin, weiterhin darum bemühen Familien der Ortskräfte aufzunehmen, die im Zusammenhang mit der Deutschen Welle stehen.

Bereits am 15. August, früher als von Experten und Politikern angenommen, nahm die Terrorgruppe Taliban beinahe kampflos die afghanische Hauptstadt Kabul ein, nachdem Präsident Joe Biden (78) die US-Armee abgezogen hatte – mit drastischen Folgen und Kritik an politischen Entscheidungen.

So gilt in der afghanischen Provinz Helmand etwa ein Rasierverbot und Frauen dürfen offenbar nicht mehr an die Uni, wie "tagesschau" berichtete. Auch Mädchen wird der Zugang zur Schule verwehrt.

Am Kabuler Flughafen herrschte und herrscht Chaos: Viele wollen aus Angst vor Unterdrückung aus ihrem Heimatland flüchten und ihre Familien in Sicherheit bringen.

Titelfoto: Montage: Kay Nietfeld/dpa, Michael Kappeler/dpa, Oliver Weiken/dpa

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