Noch keine Anträge für Muezzin-Ruf in Köln: Kritiker sprechen von "Symbolpolitik"

Köln - Keine Rufe, sondern Schweigen: Bei der Stadt Köln sind auch nach einer Woche noch keine Anträge auf Genehmigung von Muezzin-Rufen eingegangen.

Von der Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld könnte bald auch der Gebetsruf erfolgen.
Von der Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld könnte bald auch der Gebetsruf erfolgen.  © Christoph Driessen/dpa

Eine Sprecherin der Stadt sagte am Freitag, drei Moscheegemeinden hätten Interesse bekundet und Informationen eingeholt, aber noch keinen Antrag gestellt.

Offiziell dürfen seit dem 8. Oktober Muezzin-Rufe in Köln beantragt werden.

Sofern der Antrag genehmigt wird, können Moschee-Gemeinden ihre Gläubigen zum mittäglichen Freitagsgebet rufen.

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Der Gebetsruf darf nur in der Zeit zwischen 12 und 15 Uhr und für die Dauer von maximal fünf Minuten erfolgen. Die Lautstärke wird je nach Lage der Moschee festgelegt. Viele Musliminnen und Muslime seien in Köln geboren und fester Teil der Stadtgesellschaft, hatte Oberbürgermeisterin Henriette Reker (64, parteilos) argumentiert.

"Wer das anzweifelt, stellt die Kölner Identität und unser friedliches Zusammenleben infrage. Wenn wir in unserer Stadt neben dem Kirchengeläut auch den Ruf des Muezzins hören, zeigt das, dass in Köln Vielfalt geschätzt und gelebt wird", begründete Reker die Entscheidung.

Lob und Kritik für Henriette Reker und die Entscheidung pro Muezzin-Rufe

Henriette Reker (64, parteilos) erntet für ihre Entscheidung pro Muezzin-Ruf nicht nur Lob. Das Thema wird kontrovers diskutiert.
Henriette Reker (64, parteilos) erntet für ihre Entscheidung pro Muezzin-Ruf nicht nur Lob. Das Thema wird kontrovers diskutiert.  © Oliver Berg/dpa

Die Türkisch-Islamische Union Ditib teilte mit, sie berate noch intern darüber, wie der Gebetsruf in der Kölner Zentralmoschee im Stadtteil Ehrenfeld umgesetzt werden könne. Danach erst werde man sich mit der Stadt besprechen.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZMD), Aiman Mazyek (52), begrüßte die Initiative. "Köln sendet damit ein Zeichen der Toleranz und der Vielfalt in die Welt", sagte Mazyek der Deutschen-Presse-Agentur.

Daneben gibt es auch Kritik. Das Hauptargument: Der Muezzin-Ruf könne als Machtdemonstration umstrittener muslimischer Verbände verstanden werden.

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"Diese Symbolpolitik dient den Falschen", schrieb etwa die frühere Islam-Beauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Lale Akgün (68), auf ihrer Facebook-Seite.

Denn die Kölner Zentralmoschee im Stadtteil Ehrenfeld gehöre der Türkisch-Islamischen Union Ditib, die enge Verbindungen zur türkischen Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan (67) unterhält.

"Die Erlaubnis für den Muezzin-Ruf von der Ehrenfelder Moschee ist also ein Knicks vor dem politischen Treiben Erdogans, auch in Deutschland", kritisierte Akgün.

Titelfoto: Christoph Driessen/dpa

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