"Lebensferne Maßnahmen": Köln verbietet Pflanzenkübel auf Gastro-Terrassen, Szene wütend

Köln – Die Kölner Gastro-Szene kocht vor Wut: Offenbar hat die Stadt den Wirtinnen und Wirten verboten, Pflanzenkübel auf den Außenterrassen aufzustellen. Mit einem Appell wenden sich die Unternehmerinnen und Unternehmer an die Entscheidungsträger sowie die Bevölkerung.

Pflanzen, die das Ambiente verschönen oder die Luft verbessern? Laut IG Kölner Gastro e.V. können die nicht mehr eigenmächtig aufgestellt werden.
Pflanzen, die das Ambiente verschönen oder die Luft verbessern? Laut IG Kölner Gastro e.V. können die nicht mehr eigenmächtig aufgestellt werden.  © Oliver Berg/dpa

In einem emotionalen Social-Media-Posting wandte sich die IG Kölner Gastro e.V. am gestrigen Mittwoch an die Öffentlichkeit.

Demnach dürfen Pflanzen und Bäume jeglicher Art nicht mehr als Verschönerung oder Abtrennung auf Terrassen aufgestellt werden. Für die Unternehmerinnen und Unternehmer ein erneuter Schlag ins Gesicht, nachdem die vergangenen zwei Jahre von Rückschlägen und Umsatzeinbußen gespickt waren.

Denn wie es in einem sogenannten "Merkblatt für die Beantragung einer Außengastronomie im öffentlichen Straßenland" heißt, ist das "Aufstellen von Werbeschildern, Blumenkübeln et cetera" nicht gestattet.

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Gerade jetzt, wo Menschen an warmen Tagen wieder in Scharen in die Restaurants und Bars strömen, fühlen sich die Besitzerinnen und Besitzer von der Stadt nicht mehr ernst genommen. Das komme laut IG Kölner Gastro e.V. nicht zum ersten Mal vor.

"Schon Weihnachten haben wir darüber berichtet, als leuchtende Weihnachtsbäume in dunklen Pandemiezeiten auf einmal ein Ärgernis darstellten", berichtet der Verein.

IG Kölner Gastro e.V. versteht Gesetze der Stadt nicht

Die Stadt will, dass Köln grüner wird. Unternehmerinnen und Unternehmern wird das Vorhaben allerdings erschwert.
Die Stadt will, dass Köln grüner wird. Unternehmerinnen und Unternehmern wird das Vorhaben allerdings erschwert.  © Rolf Vennenbernd/dpa

In einem Punkt widerspricht sich die Stadt hingegen selbst und das stößt den Wirtinnen und Wirten sauer auf. Demnach investiert Köln drei Millionen Euro für ein Förderprogramm, indem Hausfassaden und Gewerbeflächen begrünt werden sollen. So solle das Stadtklima sowie die Wohn- und Lebensqualität verbessert werden.

Wer an solch einer Realisierung interessiert ist, könne mit bis zu 20.000 Euro bezuschusst werden. So erklärt es die Stadt auf ihrer Website.

Und nicht nur die Verwaltung möchte die Domstadt grüner gestalten. Auch der Kölner Naturschutzbund fördert Unternehmen. "Gleichzeitig empfiehlt das Umweltministerium des Landes NRW möglichst viel Grün auf den Terrassen der Innenstädte, weil damit Lärm geschluckt wird. Es wird nicht nur empfohlen, sondern gilt als klare Handlungsempfehlung", berichtet die IG Kölner Gastro e.V.

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Sobald Gastronominnen und Gastronomen aber selbst für Begrünung sorgen wollen, sei das seitens der Stadt verboten. Laut des Gastronomen-Vereins stehe das sogar unter Strafe.

Es seien "lebensferne Maßnahmen", die zeigen würden, "wie sehr der ausgedrückte Wille und die Beschlüsse der Politik und der Menschen mit der Umsetzung der Kölner Verwaltung kollidieren".

Stadt Köln beruft sich auf NRW-weites Gesetz

Sehen Kölns Terrassen bald so trist aus?
Sehen Kölns Terrassen bald so trist aus?  © Rolf Vennenbernd/dpa

Die Stadt Köln steht derweil zu dem Beschluss. Doch die IG Kölner Gastro e.V. lässt dies nicht auf sich sitzen. Am Mittwochnachmittag hakten sie bei der Verwaltung nach, wonach ihnen gesagt wurde, dass Blumenkübel nach einer schriftlichen Beantragung bewilligt werden könnten. "Auch das halten wir für zu aufwendig, aber wir gehen dem nach", heißt es seitens des Vereins.

Derweil bezieht sich die Stadt Köln laut Express auf das in NRW geltende Straßen- und Wegegesetz. Das "öffentliche Straßenland" dürfe demnach nicht ohne Genehmigung "für Gegenstände jeglicher Art genutzt werden".

Dem Vorstand des Gastro-Vereins erscheine das in mancher Hinsicht vernünftig, allerdings genau so oft auch willkürlich.

Die Postings des Vereins erreichten binnen weniger Minuten große Zustimmung. Viele Restaurants meldeten sich. So auch der "Sadie's Irish Pub" im Kölner Norden: "Bei uns gegenüber ist eine hässliche Baustelle, die seit 2017 hätte fertig sein sollen. Unsere Gäste gucken direkt auf diesen Schandfleck, aber Pflanzen auf den Tischen stören das Stadtbild."

Viele Unternehmerinnen und Unternehmer wünschen sich derweil lediglich eins: eine offenere Kommunikation auf Augenhöhe.

Titelfoto: Montage: Oliver Berg/dpa, Rolf Vennenbernd/dpa

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