Statt Rücktritt: Kardinal Woelki will "Neubeginn der kleinen Schritte" wagen

Köln - Zur Überwindung der seit Monaten schwelenden Krise im Erzbistum Köln hat Kardinal Rainer Maria Woelki (64) einen "Neubeginn der kleinen Schritte" gefordert.

Kardinal Rainer Maria Woelki (64).
Kardinal Rainer Maria Woelki (64).  © Rolf Vennenbernd/dpa

"Es gibt Widersprüche und konträre Positionen, und wir müssen mit diesen Spannungen leben", sagte Woelki am Freitagabend zu Beginn einer zweitägigen Tagung des Diözesanpastoralrats, des zentralen Beratungsgremiums des Erzbischofs.

"Deshalb müssen wir aufeinander zugehen, in kleinen Schritten", sagte Woelki. Er versicherte, dass er selbst seinen Teil dazu beitragen wolle.

Der Diözesanrat im Erzbistum Köln - die Vertretung der Nicht-Kleriker - hatte Woelki zuvor scharf kritisiert.

Köln: Widerliche Tat: Erst half er einem Rollator-Fahrer aus dem Bus, dann beraubte er ihn
Köln Crime Widerliche Tat: Erst half er einem Rollator-Fahrer aus dem Bus, dann beraubte er ihn

"Mit Kardinal Woelki haben wir jetzt einen toten Punkt erreicht", hieß es in einer Erklärung. "Wir nehmen mit Bitterkeit wahr, dass wir nicht mehr weiterkommen. Die Kräfte aller Beteiligter sind am Ende. Unser Bistum muss wiederbelebt werden."

Der Vorsitzende des Diözesanrates, der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach (43, SPD), hielt Woelki vor, dass er schon seit Jahren nicht mehr an den Vollversammlungen des Diözesanrats teilgenommen habe.

Kritik an katholischer Kirche

In dieser Woche hatten die beiden Apostolischen Visitatoren Anders Arborelius und Hans van den Hende ihren einwöchigen Besuch in Köln abgeschlossen.

Die Bevollmächtigten des Papstes sollten klären, wie das Erzbistum mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs durch Priester umgegangen ist und ob Woelki Fehler gemacht hat.

Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" sieht im größten deutschen Bistum keine Zukunft mehr mit Woelki. Sollte der Papst ihn im Amt belassen, "würde dies unabsehbare Erschütterungen nicht nur im Erzbistum Köln, sondern in der gesamten Kirche in Deutschland" hervorrufen, warnte "Wir sind Kirche" am Freitag.

Update, 10.41: Woelki nennt Personalentscheidung "großen Fehler"

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat eine umstrittene Personalentscheidung einem Medienbericht zufolge als "großen Fehler" bezeichnet.

Laut der Kölnischen Rundschau vom Samstag sagte der Chef des größten katholischen Bistums in Deutschland am Freitagabend vor dem Diözesanpastoralrat, seinem wichtigsten Beratungsgremium: "Es ist mir aus ganzem Herzen wichtig, zu betonen, dass ich das Verhalten dieses Priesters als moralisch absolut verwerflich ansehe."

Woelki hatte den Mann 2017 zum stellvertretenden Stadtdechanten von Düsseldorf befördert, obwohl dieser zugegeben hatte, Jahre zuvor mit einem 17 Jahre alten Prostituierten masturbiert zu haben.

Bisher hatte die Spitze des Erzbistums die damalige Entscheidung eher verteidigt mit dem Argument, dass sich der Pfarrer strafrechtlich nichts habe zuschulden kommen lassen, Reue bekundet habe und jeder eine zweite Chance verdiene. Vor einiger Zeit wurden weitere Vorwürfe gegen den Pfarrer erhoben, die aber mittlerweile verjährt sind.

Woelki lehnt gleichzeitig Segnungen für homosexuelle Paare ab, auch wenn diese seit langem zusammenleben.

Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

Mehr zum Thema Köln: