11.11. in Köln: Corona-Kritiker demonstrieren, Karnevalisten sind besonnen

Köln/Düsseldorf – Der 11.11. soll an diesem Mittwoch ein Tag wie jeder andere werden. Wegen Corona ist der Auftakt der Karnevalssaison abgesagt

In Köln ist zum 11.11. eine Demo gegen die Corona-Maßnahmen angekündigt. (Archivfoto)
In Köln ist zum 11.11. eine Demo gegen die Corona-Maßnahmen angekündigt. (Archivfoto)  © Marius Becker/dpa

"Bleiben Sie zu Hause", appellierte NRW-Innenminister Herbert Reul (68) an die Bürger. Die Polizei werde die Einhaltung der Corona-Regeln kontrollieren und bei Verstößen "konsequent einschreiten", sagte der CDU-Politiker.

Normalerweise wird Köln am 11.11. von Hunderttausenden Karnevalstouristen besucht. Diesmal jedoch sind alle Feiern abgesagt, und es gilt ein Alkoholverbot, auch auf der Straße.

So ruhig wie dieses Jahr dürfte es in Köln am 11.11. schon lange nicht mehr gewesen sein – wobei das Datum erst in den letzten 20 bis 30 Jahren zu einem Mega-Event geworden ist.

Für die Stadt ist der Ausfall ein wirtschaftlicher Aderlass – von Kneipen und Gaststätten über Veranstaltungs-Locations und Hotels bis hin zu den Kostümgeschäften haben alle Verluste zu beklagen.

Die Polizei will mit mehreren Hundertschaften im Einsatz sein, um sicherzustellen, dass die Verbote auch eingehalten werden. Angemeldet ist auch eine Kundgebung gegen die Corona-Schutzbestimmungen.

Die Karnevalisten setzen gegen diese Demos noch ein besonderes Zeichen: Die Roten Funken wollen über der Innenstadt einen Zeppelin mit einer klaren Botschaft aufsteigen lassen. Auf der einen Seite steht auf Kölsch "Bliev zohuss" (Bleib zuhause), auf der anderen auf Hochdeutsch "Bleibt gesund".

Kein Aufruf zum Party machen: Karneval soll am 11.11. nur digital stattfinden

Im März feierte NRW-Innenminister Herbert Reul (68, CDU, l) noch mit den Roten Funken, jetzt ruft er Karnevalisten dazu auf, zu Hause zu bleiben.
Im März feierte NRW-Innenminister Herbert Reul (68, CDU, l) noch mit den Roten Funken, jetzt ruft er Karnevalisten dazu auf, zu Hause zu bleiben.  © Federico Gambarini/dpa

Der Bund Deutscher Karneval (BDK) lädt derweil zur bundesweit ersten digitalen Eröffnung der Session ein – rund um den offiziellen Startschuss um 11.11 Uhr.

"Wir wollen in diesen Zeiten trotzdem präsent sein und die Freude in die Wohnzimmer bringen", sagte BDK-Präsident Klaus-Ludwig Fess. Dies sei aber kein Aufruf zum Partymachen: "Die Leute sollen zuhause bleiben und nicht rausgehen."

Bei einem Live-Stream, der im Internet unter anderem über die Seite www.karnevaldeutschland.de (ab 10.45 Uhr) zu sehen sein soll, werde ein buntes Programm geboten: Unter anderem soll ein neues Musikvideo mit einem speziellen BDK-Song "Die längste Polonaise auf der Welt", bei der jeder 1,50 Meter Abstand hält, präsentiert werden.

Neben dem saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans (42, CDU) und der rheinland-pfälzischen Regierungschefin Malu Dreyer (59, SPD) werde auch BDK-Sonderbotschafterin Annegret Kramp-Karrenbauer (58, CDU) mit einer Video-Botschaft dabei sein, kündigte Fess an.

Wegen Corona sind Veranstaltungen mit vielen Menschen für die Session 2020/21 abgesagt. Der BDK zählt bundesweit rund 2,6 Millionen Mitglieder in mehr als 5300 Vereinen und Zünften.

Update, 8.39 Uhr: Karnevalspräsident mahnt: "Wesen des Karnevals ist nicht der Alkohol"

Der Präsident des Bunds Deutscher Karneval, Klaus-Ludwig Fess appelliert an Karnevalisten.
Der Präsident des Bunds Deutscher Karneval, Klaus-Ludwig Fess appelliert an Karnevalisten.  © Jörg Carstensen/dpa

Der Präsident des Bunds Deutscher Karneval, Klaus-Ludwig Fess, hat erneut gemahnt: "Oberstes Gebot der Stunde ist es jetzt, nicht zu feiern, nicht rauszugehen, zuhause zu bleiben."

Das betonte der oberster Karnevalist am Mittwoch im Radio-Sender WDR 5. "Wichtig ist ja, dass Karneval, dass Fasching im Herzen beginnt."

Die Ausnahmesituation biete auch eine große Chance, sich von Saufgelagen ab- und traditionellem Brauchtum wieder zuzuwenden, sagte Fess. "Das Wesen des Karnevals ist nicht der Alkohol."

Wenn sich jetzt alle zurückhielten und den Karnevalsauftakt lieber zuhause vor dem Fernseher verfolgten – zum Beispiel mit Käse-Igel und Mettbrötchen – gebe es eine Perspektive: "So haben wir vielleicht die Chance, andere, kleinere Formate im Januar und Februar noch zu sehen."

Update, 9.29 Uhr: Köln bislang ruhig, keine Feiernden auf den Straßen

Janine Kunze (46) ist Werbeträgerin einer Kampagne der Stadt, die die Menschen davon abhalten soll, zum Feiern am 11.11. in die Stadt zu kommen.
Janine Kunze (46) ist Werbeträgerin einer Kampagne der Stadt, die die Menschen davon abhalten soll, zum Feiern am 11.11. in die Stadt zu kommen.  © Oliver Berg/dpa

Köln ist am Mittwoch still und grau in den 11.11. gestartet. "Bisher ist es ruhig", sagte eine Polizeisprecherin. Es gebe keine Feiernden auf der Straße. Zudem begann der Morgen mit Regen.

Die Schauspielerin Janine Kunze (46) sagte im WDR, natürlich sei es für sie als gebürtige Kölnerin schwer, an einem solchen Tag auf das Feiern zu verzichten. "Ich hab meine Tränchen auch schon geweint."

Dennoch gebe es dazu keine Alternative. "Es ist ja nicht so, dass man da einfach ein paar Verbote ausspricht, um jetzt den Leuten mal richtig einen reinzuwürgen."

Das Alkoholverbot diene dem Schutz der Menschen, sagte Kunze. "Wenn man einen Prosecco trinkt, zwei, drei, dann wird man auch leicht enthemmt. Und die Gefahr besteht eben, wenn wir das tun, auch nur zu zweit oder zu dritt und dann noch mit ein bisschen Alkohol dabei, dann kann das entarten. Wenn man das unbedingt will, kann man sich ja mit seinem Partner zuhause hinsetzen."

Dann könne man gemeinsam anstoßen, Krapfen essen und sich eine Karnevalssendung im Fernsehen anschauen.

Update, 11.09 Uhr: Kölner Karnevalsprinz verteilt Weckmänner

Der Kölner Karnevalsprinz Sven I. feiert den Auftakt der närrischen Saison dieses Jahr nur sehr verhalten. "Der 11.11. läuft heute unter dem Motto 'Diesmal nicht', weil das aktuelle Infektionsgeschehen nichts anderes zulässt", sagte der Oberjeck am Mittwoch vor dem Kölner Dom der Deutschen Presse-Agentur.

Er werde deshalb in einem Krankenhaus an das medizinische Personal 111 Weckmänner verteilen.

"Frohsinn heißt ja nicht, dass man gegen das Infektionsgeschehen verstößt, im Gegenteil", erläuterte Sven I. "Frohsinn bedeutet, dass man den Menschen Freude bringt, und gerade in Krisenzeiten ist das wichtig, damit die Menschen einen Lebensmut haben. Karneval darf man nicht verwechseln mit Saufen und über die Stränge schlagen."

Update, 13.09 Uhr: Etwa 120 Teilnehmer bei Kölner Corona-Demo

Ein als Sensenmann verkleideter Teilnehmer einer Demonstration gegen Corona-Schutzmaßnahmen trägt ein Sense aus Pappe mit der Aufschrift "gestorben wird immer".
Ein als Sensenmann verkleideter Teilnehmer einer Demonstration gegen Corona-Schutzmaßnahmen trägt ein Sense aus Pappe mit der Aufschrift "gestorben wird immer".  © Henning Kaiser/dpa

Etwa 120 Menschen haben am Mittwoch in Köln gegen die Corona-Schutzmaßnahmen demonstriert. Sie hielten Transparente hoch mit Aufschriften wie "Stop the Deep State", "Gib Gates keine Chance" und "DDR ging unter nach Volksaufstand – BRD geht unter an Verordnungen".

Einer der Teilnehmer, David (39) aus der Nähe von Bonn, sagte: "Ich kritisiere die Maßnahmen der Regierung und finde sie mittlerweile nicht mehr verhältnismäßig. Man kann vorher nicht wissen, aus welchen Lagern die Menschen kommen, mit denen man auf die Demo kommt. Ich möchte mir meine eigene Meinung bilden, aber Verschwörungstheorien können gefährlich sein."

Das Oberverwaltungsgericht in Münster hatte zuvor mehrere pauschale Corona-Beschränkungen für Demonstrationen in Köln für rechtswidrig erklärt.

Dabei ging es um die Begrenzung von Versammlungen auf maximal 100 Leute, die Maskenpflicht für alle Teilnehmer – abgesehen von Rednern während ihrer Rede – und das Verbot von Aufmärschen. Das Gericht gab damit Beschwerden von zwei Antragstellern statt.

Update, 14.46 Uhr: OB Reker zufrieden

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat sich zufrieden über den Verlauf des verhaltenen Karnevalsauftakts am 11.11. geäußert. "Der 11.11. ist wie ein ganz normaler Wochentag gestartet, so wie ich es mir gewünscht habe", sagte die parteilose Politikerin am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. "Mit der Lage, die wir bis jetzt am späten Mittag verzeichnen, bin ich sehr zufrieden."

In Köln waren wegen der Corona-Pandemie alle Veranstaltungen abgesagt worden, in der ganzen Stadt galt ein Alkoholverbot auf der Straße. "Bliev zohuss" (Bleib zuhause) stand auf einem Zeppelin, den das Traditionscorps Rote Funken über die Innenstadt hinwegschweben ließ.

Titelfoto: Henning Kaiser/dpa

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