Verwunderung über Vatikan: Warum wird Entscheidung zu Kardinal Woelki hinausgezögert?

Köln - Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing (61), wundert sich über das Vorgehen des Vatikans angesichts der Krise im Kölner Erzbistum von Rainer Maria Woelki (65).

Kardinal Rainer Maria Woelki (65) hatte Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten, die Entscheidung steht aber noch aus.
Kardinal Rainer Maria Woelki (65) hatte Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten, die Entscheidung steht aber noch aus.  © Oliver Berg/dpa

Auf die Frage, warum sich Rom mit einer Entscheidung über die Zukunft des Kardinals Zeit lasse, sagte Bätzing der Rheinischen Post: "Ich frage mich das auch."

Woelki selbst sei mit Blick auf die Auszeit, in die er gegangen war, vom Vorgehen Roms "gekränkt". "Auch wundere ich mich über das Agieren Roms angesichts dieser tiefen Krise eines so bedeutenden Erzbistums", sagte Bätzing.

Woelki hat Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten, die Entscheidung steht aber noch aus.

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Der Kölner Erzbischof hatte 2020 eine Krise im größten deutschen Bistum ausgelöst, als er entschieden hatte, ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Missbrauchsvorwürfen nicht zu veröffentlichen. Er führte rechtliche Gründe dafür an.

Von Oktober 2021 bis März 2022 befand er sich in einer Auszeit. Später räumte er ein, dass die Idee dazu nicht von ihm ausgegangen sei.

Zuvor habe es ein Gespräch mit ihm bei der Bischofskongregation gegeben, einer der mächtigsten Behörden der Vatikans. Er habe die Idee aber von Anfang an mitgetragen.

Rücktrittsangebote sind laut Bätzing "schwache Gesten"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing (61), während einer Pressekonferenz.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing (61), während einer Pressekonferenz.  © Nicolas Armer/dpa

Bätzing sagte der Rheinischen Post, dass viele Menschen gar nicht verstünden, warum es in der Kirche den Mechanismus über Rücktrittsangebote gebe.

"Wenn in der Politik jemand sagt, er tritt zurück, dann tritt er auch zurück. Er ist autonom in seiner Entscheidung. In der Kirche muss ein Bischof seinen Rücktritt dem Papst anbieten, und der kann ihn annehmen oder nicht", sagte er. Das werde in der Öffentlichkeit nicht verstanden.

"Vor diesem Hintergrund sind Rücktrittsangebote schwache Gesten", sagte Bätzing.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa, Nicolas Armer/dpa (Bildmontage)

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