Dauer-Regen in NRW: Rhein-Pegel in Köln übersteigt Sechs-Meter-Marke

Von Eszter Bottka, Helge Toben, Oliver Auster, Ulrike Hofsähs, Sabrina Szameitat und Mona Wenisch

Köln/Hagen – Heftige Regenfälle haben in nordrhein-westfälischen Städten zu überfluteten Straßen und vollgelaufenen Kellern geführt.

In Solingen und weiteren nordrhein-westfälischen Städten sind Keller vollgelaufen. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz.
In Solingen und weiteren nordrhein-westfälischen Städten sind Keller vollgelaufen. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz.  © Tim Oelbermann

Allein in Hagen gingen über Nacht Hunderte Notrufe bei der Feuerwehr ein, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums am frühen Mittwochmorgen mitteilte.

"Die Leute sind verzweifelt", sagte der Sprecher in Hinblick auf die Vielzahl an vollgelaufenen Kellern in der Stadt.

Außerdem seien aufgrund der überspülten Straßen stellenweise Fahrzeuge ins Rutschen gekommen. Verletzte Personen waren nicht bekannt.

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Von Hängen wurden zudem Schlammmassen auf Straßen gespült, viele Ortsteile waren daher nicht befahrbar. Wegen Gerölls auf den Straßen können einige Ortsteile selbst von Einsatzfahrzeugen der Polizei und Feuerwehr nicht befahren werden, wie der Sprecher weiter mitteilte.

Am Dienstag hatte der Deutsche Wetterdienst angekündigt, dass weite Teile Nordrhein-Westfalens am Mittwoch voraussichtlich von heftigem Dauerregen heimgesucht werden und entsprechende amtliche Warnungen veröffentlicht.

Betroffen sei vor allem der Süden, aber auch Ruhrgebiet, Sauer- und Siegerland sowie das südliche Münsterland. Für einige Kreise im Südwesten gilt sogar die höchste Warnstufe.

Ein Rettungswagen und Autos stehen in Hagen auf einer überfluteten Straße.
Ein Rettungswagen und Autos stehen in Hagen auf einer überfluteten Straße.  © Alexander Forstreuter/Photography Alex Forstreuter/dpa

Kölner Pegelstand noch unter kritischer Marke

In Köln haben kräftige Regenfälle im Einzugsgebiet den Wasserstand des Rheins seit vergangenem Samstag deutlich steigen lassen. Im Stadtteil Deutz schwappte das Wasser am Dienstag auf die Uferpromenade.

Der Pegelstand lag in Köln am Dienstagmittag noch bei 5,39 Metern - mit langsam steigender Tendenz, wie die Stadtentwässerungsbetriebe mitteilten. Für Mittwochmorgen rechnet man mit circa 5,50 Metern. Die sogenannte Hochwassermarke I liegt bei 6,20 Metern.

Update, 7 Uhr: Rund 180 Feuerwehr-Einsätze in Düsseldorf

Aufgrund des Starkregens ist die Feuerwehr in Düsseldorf zu rund 330 Einsätzen ausgerückt.

In der Nacht zum Mittwoch seien Keller vollgelaufen und Straßen überschwemmt worden, teilte die Feuerwehr mit. Auch die Tiefgarage des Rheinmetall-Konzerns sei betroffen. Dort stehe das Wasser bei 40 Zentimenter.

In Düsseldorf ist eine Unterführung mit Regenwasser vollgelaufen. Der Bereich musste gesperrt werden.
In Düsseldorf ist eine Unterführung mit Regenwasser vollgelaufen. Der Bereich musste gesperrt werden.  © Patrick Schüller

Update, 8.55 Uhr: Feuerwehr befreit Autofahrer in überschwemmter Unterführung

In einer Unterführung in der Nähe des Hagener Hauptbahnhofs hat sich in der Nacht nach Angaben eines Polizeisprechers soviel Regenwasser gesammelt, dass mehrere Autos nicht mehr weiterkamen. Die Feuerwehr habe die Fahrer aus ihren Fahrzeugen befreien müssen, sagte der Sprecher.

"Wir haben diverse Stellen im Stadtgebiet, wo Straßensperrungen aktuell vorliegen." Hänge seien abgerutscht und Fahrbahnen überflutet und teilweise beschädigt worden.

Update, 9.30 Uhr: Überflutungen in Erkrath - Anwohner sollen nicht duschen oder waschen

Nach schweren Überschwemmungen in Erkrath hat die Stadt die Anwohner am Mittwochmorgen über die Sozialen Medien angehalten, möglichst "kein weiteres Abwasser zu produzieren und möglichst nur noch die Toilette zu nutzen".

Demnach sollen "Duschen, Waschen und die Nutzung der Spülmaschine" unterlassen werden, "um die Situation nicht zu verschärfen." Aufgrund des anhaltenden starken Regenfalls seien die Abwasserkanäle stark überfüllt.

Update, 10.50 Uhr: Rheinpegelstand in Köln steigt

Der kräftige Regen lässt den Rhein weiter steigen. Der Pegelstand lag in Köln am Mittwochmorgen bei 5,47 Metern - mit langsam steigender Tendenz, wie eine Sprecherin der Stadtentwässerungsbetriebe sagte. Für Donnerstagmorgen erwarte man 5,70 Meter.

"In Teilen des Rheineinzugsgebiets ist Dauerregen vorhergesagt." Voraussichtlich am Freitagmorgen würden die sieben Meter überschritten. "Und am Wochenende können wir zum jetzigen Zeitpunkt die acht Meter nicht ausschließen", sagte die Sprecherin.

Der Hydrologe Jan Böhme vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein sagte, für den Bereich Bonn bis Köln seien Schifffahrtseinschränkungen nicht auszuschließen. Die Marke dafür liege bei 8,30 Metern. Der Scheitel des Hochwassers werde für Anfang nächster Woche erwartet.

Update, 10.55 Uhr: Regen sorgt für Sperrung der A46

Starke Regenfälle haben Kies von einer Baustelle auf der Autobahn 46 in Richtung Wuppertal gespült und zeitweise für eine Vollsperrung gesorgt.

Am Mittwochmorgen wurde einer der zwei Streifen zwischen der Anschlussstelle Haan-Ost und dem Sonnborner Kreuz wieder freigegeben, wie ein Sprecher der Autobahn GmbH sagte. Voraussichtlich bis zum Mittag müssten Arbeiter noch die Fahrbahn reinigen.

Vollgelaufene Keller und verstopfte Gullys riefen die Feuerwehr in Wuppertal und Solingen am Mittwochmorgen auf den Plan. In Solingen war ein Baum umgestürzt, weil sich der Boden aufgeweicht hatte, wie ein Sprecher der Feuerwehr berichtete.

Update, 14.46 Uhr: Pumpe fällt aus - Schwimmbecken laufen über

Heftiger Regen hat in einem Solinger Freibad offenbar die Technik beschädigt und mehrere Schwimmbecken überlaufen lassen. Eine neue Hebepumpe im Keller sei ausgefallen, so dass der Technikraum nun unter Wasser stehe, sagte eine Stadtsprecherin am Mittwoch.

Die Pumpe bereite normalerweise das Regenwasser auf und war von den großen Wassermengen am Mittwochmittag womöglich überlastet, sagte die Sprecherin.

Zudem lief ein benachbarter Teich am Freibad über, das Wasser floss wiederum in die Schwimmbecken und brachte diese zum Überlaufen. Einsatzkräfte der Feuerwehr waren am Mittwoch damit beschäftigt, den Keller und die Becken leerzupumpen.

Update, 14.50 Uhr: Wasserstand steigt - Historischer Kern von Kornelimünster bedroht

Durch die heftigen Regenfälle droht eine Überflutung des historischen Stadtkerns von Kornelimünster in Aachen. Grund sei der steigende Wasserstand des Flusses Inde in dem Stadtteil, teilte die Stadt am Mittwoch mit. Die Feuerwehr bereite eine Notunterkunft vor, um Menschen aus Teilen des historischen Altstadtkerns aufnehmen zu können.

Die betroffenen Haushalte würden von städtischen Mitarbeitern informiert und gebeten, ein paar Dinge zusammenzupacken. Wer bei Familie oder Freunden unterkommen kann, solle dies zu tun. "Momentan ist die Lage noch unter Kontrolle", teilte die Stadt am frühen Nachmittag mit.

Der Ortskern von Kornelimünster sei derzeit ohne Strom, teilte die Regionetz GmbH, der Netzbetreiber der Stadt Aachen, mit. Wegen des Hochwassers habe eine Mittelspannungsanlage abgeschaltet werden müssen.

Eine Sandsack-Füllmaschine wurde nach Angaben der Stadt am Dienstag in Betrieb genommen. 10.000 Säcke seien gefüllt worden. Zusätzlich würden Sandsäcke aus Köln und Düren abgeholt. Insgesamt sollten im Laufe des Mittwochs 50.000 Säcke einsatzbereit sein.

Update, 16.01 Uhr: Überflutungen in Erkrath: Unterkunft für Geflüchtete wird evakuiert

Die Feuerwehr verteilte am Morgen Sandsäcke. Nach TAG24-Informationen wurde im Bereich "Alte Papierfabrik" eine Sandsackfüllmaschine aufgestellt und im Dauerbetrieb genutzt.
Die Feuerwehr verteilte am Morgen Sandsäcke. Nach TAG24-Informationen wurde im Bereich "Alte Papierfabrik" eine Sandsackfüllmaschine aufgestellt und im Dauerbetrieb genutzt.  © Patrick Schüller

Etwa 100 Bewohner eines Wohnheims müssen wegen Überschwemmungen in Erkrath bei Düsseldorf ihre Unterkunft verlassen. Die Unterkunft für Geflüchtete befinde sich in einem alten Schulgebäude, dort sei der Keller und die Sporthalle voll Wasser gelaufen, sagte eine Sprecherin der Stadt am Mittwoch. Das Gebäude werde deshalb evakuiert. Gefahr für die Bewohner bestehe aber nicht.

Die Evakuierung soll nach Angaben der Stadt auch über Nacht bestehen bleiben. "Die Evakuierung erfolgt vorsorglich, falls es in der Nacht durch weitere Regenfälle zu einer stärkeren Überflutung kommen sollte", teilte die Stadt auf ihrer Homepage mit. Die Bewohnerinnen und Bewohner kommen demnach im Bürgerhaus unter.

Seit 1 Uhr nachts sei die Feuerwehr in Erkrath wegen des Unwetters im Einsatz. "Die Düssel ist übergetreten und drückt in die Überflutungsbecken", sagte die Sprecherin. Kanaldeckel wurden hochgedrückt.

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Etwa 250 Kräfte der Feuerwehr seien im Einsatz, mehr als 100 davon seien von der Bezirksregierung zur Unterstützung geschickt worden. Bis Mittag habe es 108 Einsätze für die Feuerwehr gegeben. Auch ein Krisenstab sei eingerichtet.

Die Feuerwehr musste nach Angaben der Sprecherin bisher vier Menschen vor dem Wasser retten, zwei aus einem Haus und zwei aus einem Auto. Verletzt wurde demnach bisher aber niemand.

Die Feuerwehr habe im Stadtgebiet Sandsäcke ausgelegt. Die Stadt rief dazu auf, äußert vorsichtig zu sein und Bereiche rund um Kanäle zu meiden. Zudem sollen die Bürger auf Duschen, Waschen und Nutzen der Spülmaschine verzichten, um kein weiteres Abwasser zu produzieren.

Update, 16.12 Uhr: Hochwasser in Düsseldorfer Siedlung: Anwohner sollen Gebiet verlassen

Die Stadt Düsseldorf hat wegen einer drohenden Überschwemmung die Anwohner im Stadtteil Grafenberg zum Verlassen ihrer Wohnungen aufgefordert. Besonders betroffen vom steigenden Hochwasser der Nördlichen Düssel seien etwa 350 Gebäude der Ostpark-Siedlung, teilte die Stadt am Mittwoch mit. Eine Betreuungsstelle für die Anwohner sei in einer Schule eingerichtet worden.

Am Nachmittag soll zudem aus Sicherheitsgründen und zum Schutz der dortigen Trafo-Station der Strom abgeschaltet werden. Die Stadt rechnet nach eigenen Angaben damit, dass die Keller der Häuser mit Wasserständen von 1,50 bis 2 Metern Höhe überflutet werden. Erst in den kommenden Tagen könnten die Wassermassen kontrolliert abgepumpt werden.

Wer sich in dem betroffenen Gebiet aufhalte, solle Heiz- und Kochgeräte abschalten und die Gebäude anschließend sofort verlassen, warnte die Stadt über die App Nina. Zudem forderte sie die Menschen auf, geparkte Fahrzeuge aus dem Überflutungsbereich wegzubringen.

Nach starken Regenfällen sei es in der Düssel zu einem "historischen Hochwasser" gekommen, teilte die Stadt am Mittwochnachmittag mit.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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