Anderthalb Jahre Hoffen auf Hilfe: So schlimm ist die Therapeutensuche in Deutschland

Leipzig - Ein sehr heikles Thema wird am kommenden Mittwoch bei "Exakt – Die Story" im MDR Fernsehen behandelt. Wie schwer ist es für psychisch kranke Menschen einen Therapieplatz zu bekommen?

Lange Leidenszeit: Louisa aus Weißenfels hat anderthalb Jahre nach einem Therapieplatz gesucht.
Lange Leidenszeit: Louisa aus Weißenfels hat anderthalb Jahre nach einem Therapieplatz gesucht.  © MDR/Dennis Weißflog

Gerade während der Corona-Pandemie ist der Bedarf an psychotherapeutischer Hilfe drastisch gestiegen.

Für viele Menschen wird die Suche nach einem passenden Behandler zur zusätzlichen Belastung.

Im Fokus der Folge steht auch die 25-jährige Louisa aus Weißenfels. Die junge Frau, die an Depressionen leidet, hat mehr als anderthalb Jahre lang nach Therapeuten gesucht.

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"Wenn ich überlege, dass ich in meiner kompletten Tiefpunktphase einen Therapeuten hätte suchen müssen – ich wüsste nicht, ob ich es geschafft hätte", berichtet sie. Inzwischen muss sie zur Behandlung in die nächstgrößere Stadt pendeln, weil im Umfeld einfach nichts zu finden war.

Eine weitere Betroffene aus dem Raum Magdeburg erzählt: "Ich habe die Therapieplatzsuche und meine Lebensziele aufgegeben und lebe jetzt einfach damit, dass ich nie ein produktives und erfolgreiches Mitglied der Gesellschaft sein werde."

Laut dem Bericht ist Sachsen-Anhalt bundesweit Schlusslicht bei den Therapieplätzen. Auf 100.000 Einwohner kommen gerade einmal 22 Psychotherapeuten. Viel zu wenig offenbar, um den Bedarf zu decken.

Psychotherapeutin Annelene Frey (links) in ihrer Praxis im Gespräch mit MDR-Autorin Michaela Reith. "Exakt – Die Story" ist am Mittwoch im MDR-Fernsehen zu sehen.
Psychotherapeutin Annelene Frey (links) in ihrer Praxis im Gespräch mit MDR-Autorin Michaela Reith. "Exakt – Die Story" ist am Mittwoch im MDR-Fernsehen zu sehen.  © MDR/Dennis Weißflog

Krankenkassen sehen die Sache anders

Doch ist die Lage im Land wirklich so schlimm? Die gesetzlichen Krankenkassen sind da ganz anderer Meinung: Florian Lanz, Pressesprecher des Spitzenverbands: "Theoretisch gibt es ausreichend Therapeutinnen und Therapeuten. Praktisch versorgen sie beispielsweise nur mit drei Viertel ihrer Zeit Patientinnen und Patienten. Mit dem anderen Viertel machen sie entweder nichts oder sie schreiben Gutachten, machen Coachings oder auf Privatrechnung Lebensberatung."

"Exakt – Die Story" möchte am Mittwoch, 28. Juli, um 20.45 Uhr im MDR-Fernsehen letztendlich Antworten liefern, wie die Sache wirklich aussieht. Denn am Ende sind es die kranken Menschen, die am meisten unter der Situation leiden müssen.

Titelfoto: MDR/Dennis Weißflog

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