Apotheken-Chef im Interview: Das sagt er zum neuen elektronischen Rezept

Leipzig - Das rosa Papierrezept hat bald ausgedient. Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens kommt auch das elektronische Rezept.

Hat bald ausgedient: Der rosa Rezeptschein vom Doc.
Hat bald ausgedient: Der rosa Rezeptschein vom Doc.  © Emily Wabitsch/Picture Alliance/dpa

Der Arzt sendet es künftig aufs Smartphone. Die verschriebenen Medikamente und alle anderen Daten werden in einem QR-Code verschlüsselt.

Den kann man bequem per Fingertipp - ohne ein Papierrezept einsenden zu müssen - an eine Online-Apotheke seiner Wahl schicken. Oder natürlich auch in der Apotheke an der Ecke einlösen.

Das eRezept soll Patienten unnötige Wege ersparen. Für Folgerezepte bei chronisch Kranken müssen sie nicht mehr extra die Arztpraxis aufsuchen, erhalten das Rezept automatisch aufs Handy. Die Arzneien kann man sich zudem direkt ins Haus liefern lassen. Gleichzeitig kontrolliert die App Wechselwirkungen mit anderen Arzneien.

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Am 1. Januar 2022 soll das eRezept eingeführt werden. "Ob der Starttermin haltbar sein wird, ist fraglich", sagt Friedemann Schmidt (57), Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer. "Die technischen Vorbereitungen der Apotheken ist abgeschlossen."

Doch es sei fraglich, ob bis dahin auch alle anderen Teilnehmer wie Ärzte und Krankenkassen mitmachen.

Sieht so bald das Einlösen von Rezepten in der Apotheke aus? In Schweden, den Niederlanden und der Schweiz gibt's Medikamente schon längst auf eRezept.
Sieht so bald das Einlösen von Rezepten in der Apotheke aus? In Schweden, den Niederlanden und der Schweiz gibt's Medikamente schon längst auf eRezept.  © imago/epd/Philipp Reiss

Online-Apotheken-Chef im TAG24-Interview: "Die Arzneimittelversorgung ist flexibler geworden"

TAG24 sprach mit Dr. Oliver Scheel (53), Geschäftsführer der Apologistics Gruppe in Markkleeberg (bei Leipzig) - laut eigenen Angaben Europas technologisch führende digitale Apotheke (über 300 Mitarbeiter, über 70.000 bestellbare Produkte) über die Online-Bestellung von Medikamenten.

Arbeitete auch schon als Biochemiker bei Beiersdorf und entwickelte Nivea-Produkte: Dr. Oliver Scheel (53), Geschäftsführer der Apologistics Gruppe in Markkleeberg.
Arbeitete auch schon als Biochemiker bei Beiersdorf und entwickelte Nivea-Produkte: Dr. Oliver Scheel (53), Geschäftsführer der Apologistics Gruppe in Markkleeberg.  © PR/Apologistics GmbH

TAG24: Herr Dr. Scheel, wo liegen die Vorteile von Online-Apotheken?

Oliver Scheel: Die Pandemie hat gezeigt, dass die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung durch sich weiterentwickelnde Online-Apotheken flexibler geworden ist. Kontaktbeschränkungen können verlässlich sichergestellt werden. Man kann rund um die Uhr und versandkostenfrei bestellen sowie einen Termin hinterlegen, wann man die Sendung haben will. In anderen Bereichen vertrauen viele schon längst Onlineshops wie Amazon, was Kulanz, Liefersicherheit, Qualität und Seriosität bei der Abrechnung betrifft. Apologistics ist mit seinem größten Shop apodiscounter.de schon heute die einzige der drei großen Online-Apotheken, die auf dem Marketplace von Amazon Medikamente anbietet und signifikant Umsatz generiert.

TAG24: Noch werden allerdings vor allem rezeptfreie Medikamente online bestellt.

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Oliver Scheel: Tatsächlich beträgt der Marktanteil rezeptpflichtiger Arzneien von Online-Apotheken derzeit nur etwa 1,5 Prozent. Das liegt auch daran, dass die Papierrezepte erst umständlich mit der Post eingeschickt werden müssen - sehr unpraktisch. Das schreckt viele ab. Nach Einführung und Etablierung des E-Rezepts kann der Anteil im Laufe der kommenden Jahre aber auf etwa 20 Prozent ansteigen - so wie heute schon bei rezeptfreien Medikamenten.

eRezept "bietet mehr Sicherheit, reduziert Bürokratie und ermöglicht kontaktfreie Lieferung"

Medikamente aus dem Netz: Die Apologistics Gruppe soll in den kommenden drei Jahren zu einer Alternative zu DocMorris und Shop Apotheke im deutschen Markt werden.
Medikamente aus dem Netz: Die Apologistics Gruppe soll in den kommenden drei Jahren zu einer Alternative zu DocMorris und Shop Apotheke im deutschen Markt werden.  © IMAGO/MIS

TAG24: Was spricht aus Patientensicht für das neue E-Rezept?

Oliver Scheel: Es bietet mehr Sicherheit, reduziert Bürokratie und ermöglicht in pandemischen Zeiten die kontaktfreie Kundenbelieferung. Außerdem erspart es chronisch Kranken für Folgerezepte nervige Wege zu Arzt und Apotheke. Es ist bequem und so ähnlich wie ein Dauerauftrag bei der Bank.

TAG24: Werden Online-Apotheken die stationären verdrängen?

Oliver Scheel: Das ist keine Frage von entweder oder. Beide Arten von Apotheken leisten ihren Beitrag zur stabilen Medikamentenversorgung. Beide finden ihre Rollen gerade neu durch die Pandemie, die Entwicklung der Digitalisierung und das veränderte Kaufverhalten der Kunden. Doch die Zahl der Apotheken ist in den letzten Jahren so stark zurückgegangen wie noch nie. Gab es vor wenigen Jahren noch etwa 22.000 stationäre Apotheken, sind es zurzeit noch knapp 19.000.

TAG24: Wo sehen Sie die Gründe?

Oliver Scheel: Es gibt einfach zu viele Apotheken in den Städten und Ballungsgebieten, wo sie zudem noch eng benachbart stehen. In ländlichen Gebieten dagegen fehlen Apotheken. Das heißt, wer auf dem Land lebt, hat eine deutlich schlechtere Versorgung mit ärztlicher Versorgung und den Zugang zu Arzneimitteln als in städtischen Gebieten. Abhilfe bietet da die moderne digitale Online-Apotheke.

Titelfoto: Montage: Emily Wabitsch/Picture Alliance/dpa, imago/epd/Philipp Reiss, PR/Apologistics GmbH

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