Volkskrankheit Diabetes: Start-up testet neues Verfahren am UKE

Bremen - Diabetes-Patienten vom Typ 2 sollen gezielter behandelt werden. Das verspricht ein Start-up aus Bremen

Diabetiker müssen regelmäßig ihren Blutzuckerspiegel checken lassen. (Symbolbild)
Diabetiker müssen regelmäßig ihren Blutzuckerspiegel checken lassen. (Symbolbild)  © Jana Bauch/dpa

Dazu hat die Lipozyt Marker GmbH ein neues Diagnoseverfahren entwickelt, das bei zu einer besseren Behandlung der chronischen Stoffwechselerkrankung führen soll.

Denn bisher sei die Diabetes-Diagnose laut Start-up nur sehr vage. Aktuell laufe sie so ab: Ein Arzt stellt per Test einen erhöhten Blutzuckerspiegel fest und greift dann entweder auf Standardtherapien zurück oder erprobt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. 

"Dabei kann das Symptom, nämlich der erhöhte Blutzucker, ähnlich wie Fieber ganz unterschiedliche Ursachen haben", sagt Unternehmensgründer Wolfgang Hierneis im Gespräch mit TAG24.

Anhand einer erhöhten Temperatur sei auch nicht klar, ob ein Patient an einer harmlosen Erkältung, einer Grippe, dem Coronavirus oder einer anderen Krankheit leide. So ähnlich sei es mit dem erhöhten Blutzuckerspiegel. 

Die Ursachen dafür können im Fett- oder Muskelgewebe, der Leber, dem Verdauungstrakt oder der Bauchspeicheldrüse liegen. 

Die bisherige Diagnose berücksichtige das nicht. Die Therapie sei daher kaum auf den Patienten zugeschnitten und eher ein Ausprobieren verschiedener Möglichkeiten.

"Wir gehen ganz gezielt einen Schritt weiter", sagt Hierneis. Bei der von Lipozyt Marker entwickelten Methode werde mit einer Spritze eine kleine Probe aus dem Hautfett genommen. Der Stich in die Haut sei zwei bis vier Millimeter groß, nahezu schmerzfrei und harmloser als eine Blutentnahme.

Verfahren kann auch zur Früherkennung eingesetzt werden

Im Labor werden die Proben analysiert, dann kommt Künstliche Intelligenz zum Zuge. (Symbolbild)
Im Labor werden die Proben analysiert, dann kommt Künstliche Intelligenz zum Zuge. (Symbolbild)  © Jan-Peter Kasper/dpa-Zentralbild/dpa

Die in der Probe vorhandene mRNA werde im Labor untersucht, mithilfe von Künstlicher Intelligenz analysiert und einer therapeutisch relevanten Untergruppe zugeordnet. Damit gehe eine Therapieempfehlung für den Arzt einher. 

Das sei für den Patienten hilfreicher als der bisherige Weg und gleichzeitig günstiger für die Krankenkassen. Außerdem setze die effektive Behandlung sofort ein. Damit werde das Risiko von Begleiterkrankungen wie Erblindung und Fußamputation deutlich reduziert.

Diese Form der Diagnose habe auch einen weiteren Vorteil. "Wir können früher erkennen, ob jemand in Zukunft Diabetes entwickelt", erklärt Hierneis. Somit könne rechtzeitig gezielt gegengesteuert werden.

Das von Lipozyt Marker entwickelte Verfahren basiert auf Forschungen, die am Zentrum für Humangenetik (ZHG) der Universität Bremen gemacht wurden. 

Das Institut fiel im Jahr 2015 einer Sparrunde des Senats zum Opfer. Zuvor hatte sich das Unternehmen gegründet, um die wissenschaftlichen Arbeiten weiterzuführen und zu vermarkten.

Klinische Studie am UKE läuft bereits seit Anfang 2020

Wie gut die Diagnose funktioniert, wird seit Anfang des Jahres am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) in einer klinischen Studie erprobt. Das Verfahren wird dort angewendet, um herauszufinden, ob eine Magenverkleinerung bei Typ-2-Diabetes-Patienten langfristig erfolgversprechend ist.

Die Markteinführung der neuen Diagnose ist spätestens für das kommende Jahr geplant. Davon dürften viele Patienten profitieren. Alleine in Deutschland sind mehr als sieben Millionen Menschen an der Volkskrankheit Diabetes Typ 2 erkrankt.

Derzeit läuft auch eine >> Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung des Start-ups. Eine Beteiligung ist ab 100 Euro möglich. Dafür gibt es Zinsen und im Erfolgsfall Bonuszahlungen, schlimmstenfalls kann das Geld aber auch komplett weg sein. 

Das ist aber weder den Anlegern noch den Patienten zu wünschen.

Titelfoto: Jana Bauch/dpa

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