Werbelüge des Jahres: So werden Kunden hinters Licht geführt

Deutschland - Wer hat 2020 bei der Vermarktung seines Produktes am meisten getrickst? Dieser Frage geht die Verbraucher-Plattform "Foodwatch" mit der Nominierung des eher wenig begehrten Preises "Goldener Windbeutel" auf die Spur. Jedes Jahr können Konsumenten abstimmen, welches Produkt sich den Titel "dreisteste Werbelüge des Jahres" verdient hat. Fünf Kandidaten haben es in die Endauswahl geschafft.

Die nominierten des eher wenig begehrten "Goldener Windbeutel"-Preises: "Grünländer Käse" von Hochland, "Be-Kind Proteinriegel" von Mars, Bio-"Weidemilch" von Arla, Fruchtaufstrich "50% weniger Zucker" von Zentis und der "Volvic Bio Rooibos Tee" von Danone Waters.
Die nominierten des eher wenig begehrten "Goldener Windbeutel"-Preises: "Grünländer Käse" von Hochland, "Be-Kind Proteinriegel" von Mars, Bio-"Weidemilch" von Arla, Fruchtaufstrich "50% weniger Zucker" von Zentis und der "Volvic Bio Rooibos Tee" von Danone Waters.  © Foodwatch.org

Mehr Bewusstsein in den Einkauf bringen: Möglichst gesund und nachhaltig konsumieren lautet die Devise vieler Verbraucher in Deutschland inzwischen. 

Das haben auch viele Hersteller erkannt und schmücken ihre Produkte mit immer auffälligeren Siegeln und Werbeslogans, sodass der Verbraucher das Gefühl bekommt, beim Kauf des Produktes tatsächlich etwas Gutes zu tun.

Dass dem oft nicht so ist, macht einmal mehr die Wahl zum Sieger des "Goldenen Windbeutels" deutlich. Seit zehn Jahren kürt "Foodwatch" per Abstimmung bereits kontinuierlich das irreführendste Produkt des Jahres. Einen Preis, auf den die entsprechenden Hersteller natürlich gern verzichten würden.

Nach mehr als 200 Einsendungen auf der eigenen Beschwerdeplattform "Schummelmelder" haben es inzwischen fünf Artikel in die Endauswahl geschafft. Bis zum 6. September wird Usern nun die Möglichkeit geboten, online einen "Gewinner" zu ermitteln.

Im vergangenen Jahr hatte "Zwergenwiese: Kinder Tomatensauce" die Nase vorn.

Rooibos-Tee, Milch oder Käse?

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland.
Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland.  © Paul Zinken/dpa

Doch was sind nun die nominierten Produkte im Detail? 

  • "Haltbare Bio Weidemilch" von Arla

Arla wirbt auf ihrer Milch mit einem erfunden Klima-Siegel, dass dem Kunden suggeriert, dass bei der Herstellung 71 Prozent weniger CO2-Emissionen entstehen. Wer sich allerdings die Mühe macht, sich zu dem Thema auf der Produktseite näher zu informieren, wird feststellen, dass sich die Angaben lediglich auf die Herstellung des Kartons beziehen.

  • "Volvic Bio-Rooibos-Tee" von Danone Waters

Der "Rooibos-Tee" besticht durch seine irreführende Mengenangabe. Denn laut "Foodwatch" ist tatsächlich nur 0,26 Prozent Rooibos-Aufguss enthalten - 92 Prozent seien aromatisiertes Mineralwasser.

  • "Grünländer Käse" von Hochland

Liest man auf der Käseverpackung, dass die "Milch von Freilaufkühen" stammt, geht man als Konsument relativ sicher davon aus, dass die besagten Tiere auf der Weide stehen dürfen. Im Falle des "Grünländer Käse" von Hochland ist das allerdings nicht der Fall. Dort bezieht sich die Aussage darauf, dass sich die Kühe frei im Stall bewegen dürfen ...

  • "Be-Kind Protein Riegel" von Mars

Ein gesunder Snack für Sportler von Mars: Wohl eher nicht. Denn der "pflanzliche Protein-Kick" besteht größtenteils aus Fett und Zucker. Details dazu findet man zwar auf der Verpackung. Jedoch ist die Schrift sicherlich rein zufällig so klein geraten, dass man sie kaum lesen kann.

  • "Erdbeer-Fruchtaufstrich" von Zentis

Der letzte Kandidat in der Runde, der "Erdbeer-Fruchtaufstrich" von Zentis, verspricht "50 Prozent weniger Zucker". Kein schlechter Ansatz, jedoch wurde der Süßstoff nicht etwa durch Frucht sondern durch Wasser ersetzt. Dafür verlangt Zentis allerdings auch fast den doppelten Preis wie für herkömmliche Erdbeer-Konfitüre. 

Wer am Ende das Rennen macht, wird man frühestens Anfang September erfahren. 

Titelfoto: Foodwatch.org

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