Morddrohungen gegen Hannes Jaenicke wegen ZDF-Doku

Köln - Geht es einer Tierart schlecht, ist Hannes Jaenicke (60) zur Stelle. Seit 2008 hat der Schauspieler ("Tatort", "Der Kriminalist") schon auf das Leid unter anderem von Nashörnern, Elefanten und Orang-Utans hingewiesen. Im vergangenen Jahr war der Lachs sein Thema - und damit auch der große Appetit der Deutschen auf Fisch.

Seine Prominenz nutzt Schauspieler Hannes Jaenicke (60) regelmäßig, um sich für leidende Tierarten einzusetzen.
Seine Prominenz nutzt Schauspieler Hannes Jaenicke (60) regelmäßig, um sich für leidende Tierarten einzusetzen.  © Sven Hoppe/dpa

"Hannes Jaenicke: Im Einsatz für den Lachs" lief erstmals am 16. Juni 2020 im ZDF (und ist noch >>> hier in der ZDF-Mediathek zu sehen).

Bis vor einigen Jahrzehnten galt Lachs als etwas für die feinen Kreise der gehobenen Gesellschaft. Denn dieser Fisch war teuer und somit nichts, was man sich mal eben so gönnt.

Ganz anders ist es heute! Im Supermarkt gibt es Lachs aus allen möglichen Herkunftsländern: der Irische liegt neben geräucherten aus Schottland, der wiederum neben dem Wildlachs und den Biolachs finden wir gleich daneben.

Kurz: Lachs ist zum Massenprodukt geworden. Sein Merkmal als Delikatesse hat er oft verloren, wenn er am Imbissstand etwa auf einem labberigen Brötchen verkauft wird. Das ist keine gute Entwicklung für das Tier!

Hannes Jaenicke formuliert es drastischer: "Das größte Problem ist unser unersättlicher Appetit auf Fisch."

Zuchtlachse oft von Parasiten befallen

Kanada, Vancouver Island: Schauspieler Hannes Jaenicke (60) hält am Campbell River einen Lachs in die Höhe.
Kanada, Vancouver Island: Schauspieler Hannes Jaenicke (60) hält am Campbell River einen Lachs in die Höhe.  © Andre Becker/ZDF/dpa

Für seine Doku reiste der 60-Jährige an Orte, an denen es viel Lachs gibt - oder einmal gab. Der Rhein beispielsweise gehört nicht mehr dazu. Dabei galt er bis vor hundert noch als der bedeutendste Lachsfluss in Europa.

Stattdessen machte sich der Aktivist auf den Weg nach Vancouver Island in Kanada und Norwegen. In beiden Ländern schießen Lachsfarmen aus dem Boden, um den scheinbar unstillbaren Hunger auf das rosa Fleisch zu befriedigen.

Dramatisch: Die Zuchtlachse werden unter schlimmen Bedingungen gehalten und immer öfter von Viren und Parasiten befallen, die auf ihre Artgenossen in freier Wildbahn überspringen und ihre Zahl stetig verringern.

In einer dieser Anlagen durfte Jaenicke drehen. Ein Sprecher erklärte ihm, mit welchen Chemikalien das Unternehmen einem wiederkehrenden Parasiten zu Leibe rückt. Jaenicke findet das alles andere als beruhigend. Weder für die Tiere noch für die Umwelt. Die Bilder, die dazu in der Dokumentation zu sehen sind, machen fassungslos.

Sein Rat: Lachs am besten gar nicht mehr essen, auch nicht die Bio-Variante. Wildlachs aus dem offenen Meer "ist total überfischt. Der Zuchtlachs kommt aus einer Farm, die in den Fjord oder ins Meer gebaut wurde und das Ökosystem dort zum Kollabieren bringt", erklärt er. Am Ende der Doku sagt er: "Statt zum Lachs kann man auch mal zur Gurke greifen."

Doch das hört nicht jeder gerne!

Einstweilige Verfügungen gegen Jaenicke und das ZDF

Hannes Jaenicke (60) am Ammersee. Der Schauspieler rät davon ab, Lachs zu essen.
Hannes Jaenicke (60) am Ammersee. Der Schauspieler rät davon ab, Lachs zu essen.  © Sven Hoppe/dpa

"Kein Mensch muss Lachs essen", sagte Hannes Jaenicke bereits vor rund einem halben Jahr im Interview mit dem News-Portal t-online. Er betonte: "Der Konsument muss einfach sein Hirn einschalten."

Wie t-online nun unter Bezug auf die Illustrierte "Bunte" (Ausgabe 5/2021, erscheint am Donnerstag) berichtet, ziehe Jaenicke ein Fazit aus seiner Doku, das zum einen positiv sei, zum anderen jedoch "teils erschreckend". Denn seine Reportage habe etwas ausgelöst.

"Nach unserer TV-Doku über die Aufzucht von Lachsen im vergangenen Sommer gab es einige Supermärkte, die ihr Sortiment umgestellt haben und jetzt nur noch Biolachs anbieten", sagte der Autor gegenüber "Bunte".

Und weiter: "Vor der Ausstrahlung bekamen aber zunächst der Sender und ich als Privatperson einstweilige Verfügungen von der norwegischen Lachsindustrie, denn das ist ja ein Milliardengeschäft."

Doch allein dabei blieb es nicht! Er habe "aber auch zum ersten Mal in meinem Leben Morddrohungen bekommen". Aus einer Mail, verschickt über eine verschlüsselte IP-Adresse, zitiert er: "Wenn Sie die Doku senden, reicht Personenschutz nicht mehr. Besser, Sie holen sich eine gepanzerte Limousine."

Nach einem gemeinsamen Gespräch entschied das ZDF trotzdem, die Dokumentation zu zeigen.

Titelfoto: Montage: Sven Hoppe/dpa, Andre Becker/ZDF/dpa

Mehr zum Thema Ernährung:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0