Alle Restaurants geschlossen: Werden jetzt tausende Martinsgänse begnadigt?

Wermsdorf/Dresden - Noch drei Tage bis zum Martinstag - traditionell der Startschuss für den ersten Gänsebraten des Jahres. Viele Erzeuger und Gastronomen in Sachsen hatten schon auf den Tag hingearbeitet, ehe der Corona-Lockdown ihre Pläne durchkreuzte. Sind damit hunderte Martinsgänse begnadigt?

Lorenz Eskildsen (56) ist nicht nur Unternehmer, sondern auch Vorsitzender des Bundesverbands Bäuerliche Gänsehaltung. Bei ihm wird weder gestopft noch lebend gerupft.
Lorenz Eskildsen (56) ist nicht nur Unternehmer, sondern auch Vorsitzender des Bundesverbands Bäuerliche Gänsehaltung. Bei ihm wird weder gestopft noch lebend gerupft.  © Jan Woitas/dpa

Vermutlich schon, auch wenn viele Restaurants jetzt auf Lieferservice ("Gänse-Taxi") setzen. Zum Beispiel der Luisenhof Dresden: Rund 3000 Gänse, sagt Betreiber Carsten Rühle (51), wurden dort im November/Dezember 2019 verputzt. 

"Wir hoffen, dass wir 10 oder 20 Prozent des Geschäftsvolumens jetzt mit unserem Gänsetaxi machen können", hofft Rühle. 

125 Euro kostet bei ihm die Gans mit Klößen, Rotkohl und Wein für 4 Personen - alles wird warm und punktgenau geliefert (www.luisenhof-in-dresden.de; andere Anbieter am besten mit Städtenamen und "Gänsetaxi" googeln).

Auch Sachsens größter Gänsezüchter, die Firma Eskildsen in Wermsdorf (bei Grimma), muss mit Umsatzeinbußen rechnen. 12.000 Gänse werden dort in normalen Jahren umgesetzt. 

Verkauft wird im "Wermsdorfer Gänsemarkt" alles vom geschlachteten Tier bis zum Daunenbett. 

Züchter verrät: So gelingt der Gänsebraten immer

Gans ganz klassisch. (Archivbild)
Gans ganz klassisch. (Archivbild)  © picture alliance / dpa
Einige sächsische Gänse dürften wohl auch nach dem Martinstag noch schnattern.
Einige sächsische Gänse dürften wohl auch nach dem Martinstag noch schnattern.  © Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/dpa

Derzeit geschlossen ist nur der gastronomische Teil des Komplexes.

Chef Lorenz Eskildsen (56) hofft, dass er nicht auf allzu vielen Gänsen sitzen bleibt. 

"Die Solidarität, die ich gerade erleben, ist schon groß", freut er sich. 

Seine frisch geschlachteten Gänse verkauft Eskildsen für 13,95 Euro/Kilo, oder aber vorgebraten mit Rotkohl und Klößen für 14,95 Euro pro Portion. 

Übrigens brauche niemand Angst zu haben, dass ihm der Gänsebraten nicht auch selbst daheim gelingt: "Einfach pro Kilogramm eine Stunde bei 100 Grad in den Backofen - fertig", rät der Profi. 

Titelfoto: Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/dpa

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