Fördert das Tragen von Masken Lungenkrankheiten?

Österreich - Das Tragen von Masken zur Bedeckung von Mund und Nase ist nach Überzeugung von Kritikern gefährlich. Sie argumentieren, die Masken verursachten mehr Kohlendioxid und weniger Sauerstoff im Blut. Dies wird mit dem Wieder-Einatmen der eigenen verbrauchten Atemluft begründet. Ein österreichischer Praktischer Arzt behauptet auch, Masken förderten Lungenkrankheiten. Doch was ist wirklich dran?

Das Facebook-Posting zeigt ein Schreiben eines Arztes, der vor der Verwendung von Atemschutzmasken warnt.
Das Facebook-Posting zeigt ein Schreiben eines Arztes, der vor der Verwendung von Atemschutzmasken warnt.  © Screenshot/Facebook/Enrico Enno

In einem Facebook-Posting werden mit Bezug auf einen Praktischen Arzt aus der Steiermark unter der Überschrift "Medizinische Information Covid-19-LV" nach dem einleitenden Satz "Wenn Sie eine Maske tragen, passiert aus medizinischer Sicht folgendes:" fünf Behauptungen aufgestellt.

In Punkt 1 wird behauptet, das Einatmen der ausgeatmeten Luft unter der Mundschutz-Maske reichere das Blut mit Kohlendioxid und Stickoxid an.

 In Punkt 2 heißt es: "Sie nehmen weniger Sauerstoff als sonst auf." Sauerstoff sei aber für alle Lebensfunktionen des Körpers wichtig.

Richtig ist, dass in einer 2004 eingereichten - und in sozialen Netzwerken entstellt wiedergegebenen - Doktorarbeit an der TU München nach der Benutzung von OP-Masken ein leicht erhöhter CO2-Gehalt im Blut festgestellt wurde. 

Eine Erhöhung der Atemfrequenz oder ein Abfall der Sauerstoffsättigung wurde dabei aber nicht nachgewiesen. Auch beim Herzschlag gab es keine signifikante Erhöhung oder Verringerung. 

Die Verfasserin der Doktorarbeit, Ulrike Butz, sagte der Deutschen Presse-Agentur am 4. Mai 2020: "Man kann aus der Arbeit keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen ableiten. Das wäre unseriös."

Was sagen Experten zu Facebook-Post von Arzt

Eine Atemschutzmaske der Kategorie FFP und Einweghandschuhe.
Eine Atemschutzmaske der Kategorie FFP und Einweghandschuhe.  © dpa/Christian Beutler/KEYSTONE

Nach Angaben der Deutschen Atemwegsliga haben die professionellen Masken (FFP2, FFP3) einen "erheblichen Atemwiderstand". Man brauche also mehr Kraft für die Atmung. Dies könne bei kranken Patienten zu "erheblicher Atemnot" führen. Der Anteil des Kohlendioxids im Blut könne ansteigen. "In der Praxis werden die Betroffenen jedoch rechtzeitig die Maske absetzen." 

Bedrohliche Anstiege des CO2-Gehalts im Blut wegen Masken seien "unwahrscheinlich", heißt es in einem Papier der Atemwegsliga. Hingegen sei bei einem einfachen chirurgischen Mundschutz oder einer selbst hergestellten Mund-Nasen-Bedeckung ein Anstieg des Kohlendioxids unwahrscheinlich, weil diese Masken nicht völlig dicht seien. 

Bei Patienten mit chronischer Atemschwäche könnten aber der Kohlendioxidanteil und die "Atemarbeit" ansteigen, "so dass die Bedeckung von Mund und Nase als unangenehm oder bedrohlich und subjektiv als Atemnot empfunden wird".

Lediglich Menschen mit schweren Vorerkrankungen sollten nach Ansicht der Experten möglicherweise auf das Tragen eines Mundschutzes verzichten. 

Bei der Empfehlung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes müsse "berücksichtigt werden, dass es Personen gibt, die aus medizinischen oder anderen triftigen Gründen keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen können", heißt es in einer Mitteilung des Robert-Koch-Institutes. Am 9. März teilte die Europäische Lungenstiftung ELF mit: "Bei bereits bestehenden chronischen Atemwegserkrankungen wird das Tragen einer Maske nicht empfohlen, da dies das Atmen erschweren kann".

Auch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Berlin empfiehlt Vorsicht bei Patienten mit Herz- und Lungenerkrankungen sowie Atemnot, wenn es um das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung geht. Am besten sei eine Blutgasanalyse, um die Verträglichkeit festzustellen. 

Je nach verwendetem Material könne beim Tragen der Maske eine größere Atem-Anstrengung nötig werden.

Schutzmasken verursachen Lungenkrankheiten?

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, der einen grünen Mundschutz trägt, fasst sich während der Übergabe von Schutzmasken an die Nase.
Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, der einen grünen Mundschutz trägt, fasst sich während der Übergabe von Schutzmasken an die Nase.  © dpa/Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild

In Punkt 3 des Posts "Medizinische Information Covid-19-LV" heißt es: "Ihre Lunge wird nicht mehr so 'belüftet' wie es soll. (Das fördert Lungenkrankheiten)".

Zu dieser Behauptung sagt Dr. Önder Yildirim, Direktor des Instituts für Lungenbiologie am Helmholtz Zentrum München, am 18. Mai 2020 der Deutschen Presse-Agentur: "Das stimmt so nicht. Es gibt keine Studien darüber, dass eine Maske eine Lungenerkrankung verursachen würde." 

Bei Benutzung der professionellen Masken sei bei Patienten mit Atemerkrankungen eine stärkere "Müdigkeit" beim Atmen zu erwarten. "Aber die Müdigkeit bedeutet nicht, dass eine Krankheit gefördert wird." Falls die Kohlendioxidmenge kurzfristig steige, "wird das durch das Abnehmen der Maske innerhalb von Sekunden wieder besser sein". "Das Tragen von Masken wird keine Lungenerkrankungen verursachen", sagt Yildirim zu den Masken, die jetzt beispielsweise in Läden oder öffentlichen Verkehrsmittel in Deutschland vorgeschrieben sind. 

Vielmehr sei das Gegenteil der Fall: "Wir empfehlen ja den Leuten, die Masken zu benutzen, um sich gegen Covid-19, das eine Lungenerkrankung ist, zu schützen."

Das kritische Facebook-Posting

Maske schützt Träger und andere: Was ist dran?

In Punkt 4 des Facebook-Postings heißt es, wenn die Maske länger als eine halbe Stunde getragen werde, dann werde sie "verkeimt". Zudem, so heißt es in Punkt 5, könne die Maske keine Viren zurückhalten (im Originalpost ist das Wort Viren in Anführungszeichen gesetzt).

Auch diesen Einwand lässt Dr. Yildirim nicht gelten. "Wenn wir ein- oder ausatmen, dann haben wir in unseren Atemwegen bestimmte Bakterien", sagt er. Diese seien "nicht unbedingt pathogen" (krankheitserregend). Weil die Maske diese Bakterien aufnehme, solle man Masken entweder nur einmal benutzen oder sorgfältig reinigen. 

Deswegen dürfe man auch die Maske einer anderen Person nicht benutzen. Die eigenen Bakterien in der Maske seien kein Grund zur Sorge: "Im Prinzip sind das Bakterien, die wir eh schon in der Lunge oder im Mund haben."

Zur Behauptung, die Maske könne keine Viren zurückhalten, sagt der Forscher vom Helmholtz Zentrum: "Das stimmt auch wiederum nicht so." Normale Stoffmasken können "zum größten Teil verhindern, dass die Tröpfchen aus dem Mund rausgehen". Dies bedeute, dass die Viren automatisch in den Masken bleiben: "Die Maske schützt dich nicht, aber sie schützt andere Personen." 

Auch in dem erwähnten Papier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) wird die die erhebliche Schutzwirkung für die dem Maskenträger begegnenden Personen ausführlich geschildert.

Titelfoto: dpa/Christian Beutler/KEYSTONE, Screenshot/Facebook/Enrico Enno

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