So junges Leid, weil ER ein Mädchen ist

Von Björn Strauss

Paris/ARTE - Große Kulleraugen, halblanges Haar, ein hübsches Kleid: Das Mädchen, das wir sehen, ist offen, traurig, aber stark. Sie ist "im falschen Körper geboren" und muss sich gemeinsam mit ihrer Familie täglich Strapazen stellen. Die kleinsten Übel daran sind die körperlichen. Viel mehr Steine legt dem klugen Kind die Gesellschaft - und besonders die Schule - in den Weg. Nicht nur die Kinder sind es, die sie mobben - auch die Lehrerschaft ist negativ eingestellt.

Erster Lichtblick bei einer Pariser Pädopsychiaterin. Sasha (7) ist erleichtert.
Erster Lichtblick bei einer Pariser Pädopsychiaterin. Sasha (7) ist erleichtert.  © ARTE FR

Diese intensive Doku gehört derzeit zu den meistgesehenen in der ARTE-Mediathek.

"Ein Mädchen", so der Titel.

Wer sich noch an seine Kind- oder Schulzeit erinnert, der weiß, wie schnell man gemobbt wird wegen kleinster Dinge - wie sehr muss wohl da dieses Mädchen leiden? Aber: Sie ist stark!

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Erzählt wird die Geschichte von Sasha. Ein kleiner Junge, der sich als Mädchen fühlt - und keine Lust hat, dem zu entsprechen, wie es sein Umfeld aufgrund seines Geschlechts von ihm erwartet. Das Kind wirkt manchmal schon sehr (zu) erwachsen, oft aber hilflos und vor allem erschütternd traurig.

Der/die siebenjährige Sasha lebt selbstsicher seit seinem dritten Lebensjahr als Mädchen - zumindest zu Hause. Ein Jahr lang konnte Regisseur Sébastien Lifshitz (52) Sashas Familie im Alltag begleiten. Dem Regisseur gelingt es, den unermüdlichen Kampf besonders der wunderbaren Mutter einzufangen.

Ihre Eltern und Geschwister versuchen, endlich Akzeptanz für Sashas "Andersartigkeit" zu gewinnen. In der kleinbürgerlichen Umgebung des Kindes gibt es aber kaum Unterstützung.

Die Kamera ist stets nah - sehr nah - am Gesicht der Mutter, wenn sie weint im Kampf mit Lehrern oder Institutionen. Lichtblicke bietet die Psychologin, die Sashas "Anderssein" versteht und die Kleine unterstützt. Mit Liebe und dem Aufzeigen der Möglichkeiten - bis hin zur Pubertät.

Mutter Karine, eine mutige, kämpferische Frau, liebt und verteidigt ihr Kind bedingungslos

Zu Hause darf die sympathische Sasha sein, wie sie ist - ein Mädchen!
Zu Hause darf die sympathische Sasha sein, wie sie ist - ein Mädchen!  © ARTE FR

Ob beim Ballettunterricht, Freundinnen einladen, mit Puppen spielen - selbst bei all den alltäglichen Dingen trifft Sasha auf Widerstand - seitens der Lehrer*innen. Die Gesellschaft scheint trotz allen Fortschritts noch weit davon entfernt zu sein, zu akzeptieren, dass ein als Junge geborenes Kind sich in seinem tiefsten Innern als Mädchen fühlt. Und das sehr (selbst-)bewusst.

Für Sasha ist das DIE existenzielle Frage.

Lichtblicke... In einem Pariser Krankenhaus bekommt Mutter Karine endlich einen Termin bei der Pädopsychiaterin. Sie ist auf Fragen zur Geschlechtsidentität spezialisiert ist.

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Endlich! Ihr gegenüber gelingt es Sasha nämlich, über ihre Gefühle zu sprechen, zuzuhören und zu verstehen. Die Erkenntnis, dass sie nicht als Einzige in dieser Situation ist, eröffnet ihr eine neue Welt mit der Perspektive, so zu leben, wie sie ist und endlich glücklich zu sein. Aber man spürt, wie das Kind auch die Mutter schützen will, die unter der Situation leidet, aber nie zerbricht.

Sashas Mutter Karine liebt ihr Kind bedingungslos und setzt sich unermüdlich für ihre Tochter ein.
Sashas Mutter Karine liebt ihr Kind bedingungslos und setzt sich unermüdlich für ihre Tochter ein.  © ARTE FR

TV-Tipp: Neben diesem beeindruckenden ruhigen Film gibt es noch das Interview mit dem Regisseur in der ARTE-Mediathek, in dem Sébastien Lifshitz erklärt, wie er sich annähern konnte an das sympathisch-scheue Mädchen Sasha.

Titelfoto: ARTE FR

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