Verbraucherschützer testen Kinder-Geschirr: "Kein einziges hätte verkauft werden dürfen!"

Wien (Österreich) - Verbraucherschützer aus Österreich testeten verschiedene Geschirr-Sets für Kinder. Das Ergebnis ist erschreckend.

Nur ein Teil der beanstandeten Geschirr-Sets speziell für Kinder.
Nur ein Teil der beanstandeten Geschirr-Sets speziell für Kinder.  © PR/VKI

Die Tester des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) unterzogen neun verschiedene Geschirr-Sets aus Kunststoff und Bambus einem genaueren Test. Vor allem Melamin stand dabei im Fokus der Verbraucherschützer.

Der Verein teilte am gestrigen Dienstag mit, dass der Kunststoff Melamin oft als leicht, stabil und bruchsicher beworben wird. Auch biologisch abbaubar und besonders umweltfreundlich soll der Stoff sein. 

Die Organisation, die ähnlich wie die Stiftung Warentest arbeitet, testete alle Produkte im Labor. Dabei ging es darum, herauszufinden, wie viele Schadstoffe freigesetzt werden, wenn heißes Essen serviert wird oder auch, wie schnell etwas im täglichen Gebrauch kaputtgeht.

Das Ergebnis: "Aus unserer Sicht, hätte aufgrund der von diesem Geschirr ausgehenden Gesundheitsgefährdung kein einziges Produkt in den Handel gelangen dürfen", kritisiert Dr. Birgit Schiller, Chemikerin beim VKI.

Das Test-Urteil im Detail

Auch eine einzelne Schale von Rossmann wurde getestet - und fiel durch.
Auch eine einzelne Schale von Rossmann wurde getestet - und fiel durch.  © PR/VKI

Bei Melamin handelt es sich laut VKI keinesfalls um einen Standard-Kunststoff, der mikrowellentauglich sei. 

Der Stoff kann schwere Erkrankungen im Blasen- und Nierensystem verursachen, wurde vor einigen Jahren sogar von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als möglicherweise krebserzeugend eingestuft.

Melamin darf deshalb nur in Maßen verwendet werden. Doch in dem Geschirr wurde zum Teil das 100-fache der zugelassenen Menge gefunden.

Oft trat der Stoff auch in Kombination mit zu viel Formaldehyd auf. Dieser Stoff wiederum kann Krebs im Nasenrachenraum verursachen. In dem getesteten Produkten trat er teilweise achtmal so stark auf, wie zugelassen.

Beide Stoffe werden aber nicht nur bei großer Hitze freigesetzt. Auch bei Kontakt mit Säure wird es gefährlich, erklärt Schiller weiter.

"Es ist dringend davon abzuraten, heißen Brei oder Tee in Melamin-Geschirr zu füllen, es für geschnittenes Obst und Saft zu benutzen oder in der Mikrowelle zu verwenden", so die Expertin.

Bambus-Geschirr nicht biologisch abbaubar oder bruchsicher

Dieses Geschirrset für Kinder bestand den Test ebenso wenig, wie acht andere getestete Produkte.
Dieses Geschirrset für Kinder bestand den Test ebenso wenig, wie acht andere getestete Produkte.  © PR/VKI

Die Bambus-Produkte sollen biologisch abbaubar sein, beteuerte ein Vermarkter laut VKI. Doch auch dies konnten die Verbraucherschützer widerlegen. 

"Bei Materialien, die aus einer Bambus-Melamin-Mischung bestehen, ist das gar nicht möglich", erklärt der Verein. 

Weiterhin seien Bambusfasern laut einer EU-Verordnung gar nicht für den Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen. In den Verkauf hätten die Teile deshalb gar nicht kommen dürfen.

"Und nicht einmal bei der Bruchsicherheit kann Geschirr aus Melamin punkten", schreiben die Test-Experten weiter.

Schon bei einem Fall aus Tischhöhe auf den Boden brachen bei einigen Tellerchen Splitter ab oder sie rissen. Kein einziges Geschirrteil soll zudem kratzfest gewesen sein. "Hände weg von Geschirr aus Melamin und Melamin-Bambus-Mischungen – der Gesundheit und der Umwelt zuliebe", schließt Schiller deshalb ihr Urteil ab.

Den kompletten Test gibt's ab dem morgigen Donnerstag in der Zeitschrift "Konsument" und auf konsument.at.

Titelfoto: PR/VKI

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