Tränen statt Tüll: Heiraten in Zeiten von Corona

Düsseldorf - Rauschende Hochzeitsfeiern und Corona, das ist eine schwierige Kombination. Die Pandemie radierte in 2020 viele Pläne aus. Hart traf sie oft auch lange geplante private Feiern zum Ja-Wort und sorgte ohne Tüll für eine Menge Tränen.

In Zeiten der Corona-Pandemie zu heiraten ist nicht einfach. 2020 radierte das Virus viele, zum Teil lange im Voraus geplante Feiern einfach aus (Symbolbild).
In Zeiten der Corona-Pandemie zu heiraten ist nicht einfach. 2020 radierte das Virus viele, zum Teil lange im Voraus geplante Feiern einfach aus (Symbolbild).  © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Auch das zuvor brummende Geschäft mit dem von manchen als "schönsten Tag im Leben" bezeichneten Ereignis erlag in großen Teilen.

Mit Blick auf die Hochzeitssaison 2021 ist vor allem klar: Für Paare, Gäste, Gastronomen und Dienstleister gibt es viele Fragezeichen und Sorgen.

In der aktuellen Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen heißt es: "Partys und vergleichbare Feiern sind generell untersagt." Im Sommer und bis in den Herbst hinein waren in NRW Feiern aus besonderem Anlass mit bis zu 150 Teilnehmern erlaubt, danach wurden die Regeln angesichts stark steigender Infektionszahlen wieder verschärft.

Zudem wurden einige Fälle bekannt, bei denen sich mutmaßlich bei Privatfeiern zahlreiche Gäste infizierten. Die Perspektiven für 2021 sind äußerst unklar.

Wie diese Situation aus Sicht eines Hochzeitspaares sein kann, schildern Katharina (33) und Michael (32) aus Düsseldorf der Deutschen Presse-Agentur.

Die beiden blicken mit Skepsis auf ihre Feier im Juli, für die sie den zweiten Anlauf nehmen. "Die Vorfreude ist verflogen", sagt Michael.

Buchungssituation aktuell ähnlich wie in den Vorjahren

Für Hochzeitsfeiern werden oft deutlich mehr als 10.000 Euro ausgegeben. Vor Corona machte die Branche in Deutschland einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr (Symbolbild).
Für Hochzeitsfeiern werden oft deutlich mehr als 10.000 Euro ausgegeben. Vor Corona machte die Branche in Deutschland einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr (Symbolbild).  © Rolf Vennenbernd/dpa

Die beiden hatten bereits im vergangenen Sommer die große Sause mit über 100 Gästen geplant, sechs Wochen vorher abgesagt und verschoben. Jetzt stehe das wieder im Raum: "Die Gedankengänge aus dem Frühjahr scheinen sich zu wiederholen."

Ein großes finanzielles Risiko würden sie bei dem Ganzen immerhin nicht tragen, sie seien nur mit einer Anzahlung von einigen Hundert Euro bei der Location in Vorleistung gegangen.

Für Hochzeitsfeiern werden oft deutlich mehr als 10.000 Euro ausgegeben. Nach Schätzungen machte die Branche vor Corona in Deutschland einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr. Bleiben Hochzeitspaare wie Katharina und Michael vor allem auf ihren Erwartungen sitzen, ist für viele aus der Branche das Geschäft völlig weggebrochen.

Zwar ist laut Hotel- und Gaststättenverband in NRW (Dehoga) aktuell die Buchungssituation noch ähnlich gut wie in den Vorjahren, wie Gastronomen berichtet hätten. "Das Ganze ist aber gepaart mit einer riesigen Unsicherheit", sagt Dehoga-Sprecher Thorsten Hellwig der Deutschen Presse-Agentur.

Von der Politik fordere der Verband nun "klare Perspektiven" und einen "umfassenden Plan". Es brauche Berechenbarkeit. So sollte es eine Übersicht geben, bei welchen Corona-Zahlen was genau wieder erlaubt ist.

Zudem solle es nicht wieder vorkommen, dass eine Woche vor einer Veranstaltung unklar sein kann, ob diese stattfinden darf.

Hoffnung auf Normalisierung 2021 schwindet immer mehr

Der Bund deutscher Hochzeitsplaner schätzt, dass 2020 rund vier von fünf Feiern abgesagt wurden (Symbolbild).
Der Bund deutscher Hochzeitsplaner schätzt, dass 2020 rund vier von fünf Feiern abgesagt wurden (Symbolbild).  © 123RF/Antonio Guillem

Grundsätzlich rechne der Verband damit, dass viele, aber nicht alle der Paare die 2020 abgesagten Feiern nachholen wollen. "Für manche sind sie nicht nur aufgeschoben, sondern leider aufgehoben." Zum Beispiel könne es sein, dass nun die nächsten Schritte in der Lebensplanung anstünden.

Der Bund deutscher Hochzeitsplaner schätzt, dass 2020 rund vier von fünf Feiern abgesagt wurden. Und die Hoffnung auf eine Normalisierung im neuen Jahr schwinde immer mehr, wie Sprecherin Svenja Schirk sagt.

Zahlreiche Dienstleister hätten bereits aufgegeben und zu erwarten sei, dass das noch "drastisch zunehmen wird". Soforthilfen vom Staat kämen bei den vielen Soloselbstständigen in der Branche nicht an.

Gastronomen und Co. hoffen darauf, möglichst bald wieder Feiern mit passenden Hygienekonzepten veranstalten zu können. Wann die Pandemie aber so weit im Griff ist, dass die aktuellen Einschränkungen zurückgenommen werden, bleibt höchst ungewiss.

Bei dem Paar aus Düsseldorf, Katharina und Michael, rückt vor diesem Hintergrund eine erneute Absage immer stärker in den Fokus, wie sie es berichten. Man wünsche sich, dass bei so einer Feier, für die man viel Geld ausgebe, "jeder ungezwungen" sein könne. Genau das sei aber derzeit schwer vorstellbar.

Alternativ könnten sie sich vorstellen, im Sommer im kleineren Rahmen mit der "Kernfamilie" zu feiern, die große Sause wollen sie aber nicht erneut verschieben, sondern im Zweifel streichen.

Titelfoto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

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