Abgeschobene Hebamme Adelina aus Leipzig: So geht es ihr zurück im Kosovo

Leipzig - Ende November wurde die Leipziger Hebamme Adelina Ajeti in den Kosovo abgeschoben - und das, obwohl die 30-Jährige seit mehr als fünf Jahren top integriert in Deutschland lebte und den wichtigen Beruf einer Hebamme ausübte (TAG24 berichtete). Das ARD-Magazin "BRISANT" hat Adelina nun im Kosovo besucht und berichtet, wie es mit Adelina weitergehen soll.

Zusammen mit ihrem Mann wurde Adelina (30) in den Kosovo abgeschoben.
Zusammen mit ihrem Mann wurde Adelina (30) in den Kosovo abgeschoben.  © Screenshot ARD/ "BRISANT"

Zusammen mit ihrem Mann war Adelina in ihr altes Wohnhaus zurückgekehrt, in dem es wochenlang kein fließend Wasser, keine Heizung oder Strom gab. Gegenüber dem Fernsehteam von "BRISANT" schilderte sie ihre Eindrücke von der Abschiebung aus Leipzig.

"Die Männer haben mir einmal alles erklärt, nämlich dass sie mich nun abschieben werden. Ich hab' ihnen alle Unterlagen rausgesucht, meinen Mietvertrag, meinen Arbeitsvertrag und ihnen gesagt, dass ich am nächsten Tag auf der Arbeit meine Frauen betreuen muss, nichts hat geholfen", erinnerte sich Adelina und bricht in Tränen raus.

"Ich hab den ganzen Weg in den Kosovo über geschrien und geweint, es war absolut traumatisierend", so die 30-Jährige weiter.

Trotz Hebammen-Mangel in Deutschland: Ausländerbehörde bleibt eisern

Adelina in ihrem Element: Als Hebamme wurde die 30-Jährige bei ihren Kundinnen geschätzt.
Adelina in ihrem Element: Als Hebamme wurde die 30-Jährige bei ihren Kundinnen geschätzt.  © privat

Bereits 2015 war Adelina mit ihrem Mann nach Leipzig gekommen und hatte versucht, ihre Hebammenausbildung aus dem Kosovo anerkennen zu lassen. 2016 wurde ihr Asylantrag abgelehnt, auch ein Berufungsverfahren scheiterte.

Die Ausländerbehörde in Chemnitz sieht sich in diesem Fall im Recht - dass gut ausgebildete Hebammen in Deutschland aktuell händeringend gesucht werden, wird dabei außen vor gelassen, wie unter anderem die Menschenrechtsorganisation "Pro Asyl" bemängelt.

"Es wird ignoriert, dass solche Menschen wichtig für unsere Wirtschaft sind und enorm viel tun, um hier zu bleiben. Das sind rationale Gründe, die berücksichtigt werden müssen, bevor man einfach jemanden in ein Flugzeug packt", so Günter Burkhardt, der Geschäftsführer von "Pro Asyl".

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Von der Landesdirektion Sachsen heißt es, Adelina hätte sich um eine Zuwanderung als Fachkraft bemühen müssen; dies wäre aussichtsreicher für ihren Antrag gewesen. "Das hätte erforderlich gemacht, die Anerkennung der Gleichwertigkeit ihrer beruflichen Qualifikation im Kosovo mit der in Deutschland üblichen Anerkennung zu erreichen. Das ist trotz fünfjährigem Aufenthalt nicht geschehen", bemängelt die Landesdirektion.

Aus Adelinas Sicht sei das aber nicht so einfach gewesen: Zwar hatte sie sich mehrmals um ein nötiges Praktikum in einem Klinikum beworben, sei aber immer wieder vertröstet und verschoben worden.

"Eine wichtige Stütze!" Adelina wird in Deutschland schmerzlich vermisst

Nun hofft die 30-Jährige auf ein Arbeitsvisum, um zurück nach Deutschland kehren zu können. Hier wird sie bereits schmerzlich vermisst.

"Ich brauche dringend Unterstützung. Adelina war so voller Empathie und hat den Frauen immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden", äußerte sich beispielsweise Adelinas Chefin und Hebamme Dagmar Röger. Viele Frauen, die von Adelina begleitet wurden, haben auch Spendenaktionen für die 30-Jährige erstellt oder Petitionen eingereicht.

"Adelina hat so viel Zeit in uns investiert, war auch nach der Geburt eine wichtige Stütze", erinnert sich auch die frischgebackene Mutter Domenique Holmes und hofft, dass Adelina bald wieder zurück in die Hebammenpraxis kehren darf.

Titelfoto: privat

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