Als "Zwinger" verhöhnt: Landkreis pfercht Retter in klitzekleinen Container

Borna - Um endlich die Hilfsfristen einhalten zu können, ordnet der Landkreis Leipzig seine Rettungsstellen neu. Einer der Versuche wird allerdings auf dem Rücken der Sanitäter ausgetragen. Sie wurden in einen für diese Zwecke unzumutbaren Container auf Rädern eingepfercht.

Für ein Campingwochenende könnte man sich vielleicht an die Enge gewöhnen. Als Arbeitsplatz ist sie unzumutbar.
Für ein Campingwochenende könnte man sich vielleicht an die Enge gewöhnen. Als Arbeitsplatz ist sie unzumutbar.  © Petra Hornig

Eine Minute nach der Alarmierung sollen die Retter den Motor starten, elf Minuten später am Einsatzort sein. Um für einige Monate zu testen, ob der Standort für eine Wache geeignet ist, stellte der Kreis ein extra gefertigtes "Tiny House" für mehrere Monate neben das Tierheim Oelzschau.

Drinnen kann man sich kaum aneinander vorbeibewegen, es gibt sechs Quadratmeter Platz. Zwei Sanitäter sollen hier 24-Stunden-Dienste schieben, bei der Dienstübergabe ist man zu viert. Rettungssanitäter Lutz Lettau: "Selbst ohne Pandemie sind die vorgeschriebenen Abstände erheblich unterschritten."

Hinzu kommt, dass sich die Retter hier umziehen und duschen sollen. An Geschlechtertrennung wurde nicht gedacht, es gibt eine Dusche und eine Toilette. Wenn sich eine Kollegin umzieht, muss der sich andere Diensthabende aus der Wache trollen. Lettau, der auch Betriebsrat ist: "Erste Kollegen haben schon ihre Versetzung beantragt, weil sie so nicht arbeiten wollen."

In dieser Woche gab es ein erstes klärendes Gespräch mit den Verantwortlichen des Landkreises. Ergebnis: Die zehn Kleiderspinde werden ausgebaut, das Umziehen und die Dienstübergabe findet auf der bisherigen Rettungsstelle statt.

Rettungsassistent Lutz Lettau (52) wurde mit seinen Kollegen in einen Container auf Rädern abgeschoben.
Rettungsassistent Lutz Lettau (52) wurde mit seinen Kollegen in einen Container auf Rädern abgeschoben.  © Petra Hornig

Ansonsten ändert sich vorher nichts an den unmöglichen Umständen. Die Retter müssen weiter in der wegen des steten Gebells aus dem Tierheim "Zwingerwache" benannten Rettungsstelle ihren Dienst schieben.

Titelfoto: Petra Hornig

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