Antisemitischer Vorfall in Leipzig: So lief die Attacke im Gohliser Mehrfamilienhaus ab

Leipzig - Erst am Mittwoch stellten Sachsens Generalstaatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt einen Leitfaden zum besseren Schutz jüdischer Mitbürger vor. Was die Behörden da verschwiegen: Zwei Tage vor der Präsentation gab es in Leipzig einen krassen antisemitischen Vorfall.

In diesem Mehrfamilienhaus in Leipzig-Gohlis kam es zum antisemitischen Eklat.
In diesem Mehrfamilienhaus in Leipzig-Gohlis kam es zum antisemitischen Eklat.  © Alexander Bischoff

Auf Facebook hat sich Coral G. (26) ihren Frust von der Seele geschrieben. "Vor 48 Stunden wurde ich von meiner Nachbarin in Deutschland nur angegriffen, weil ich ein jüdischer Israeli bin und Hebräisch spreche."

Was war geschehen? Am 3. Mai hatte besagte Nachbarin die junge Frau gefragt, in welcher Sprache sie mit ihrer Freundin spreche. Als Coral ihr erklärte, dass dies Hebräisch sei und sie aus Israel komme, sei die Stimmung sofort gekippt.

Zuerst habe die Nachbarin gesagt, dass sie nur Deutsch sprechen solle, weil man ja hier in Deutschland sei. Später folgten Beleidigungen.

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Der Höhepunkt: Als Coral gegen 22 Uhr von draußen zurück ins Haus wollte, soll sie die Nachbarin nicht mehr hineingelassen haben. "Verlasse das Land, du gehörst nicht hierher", habe sie geschrien, so die Schilderung der Jüdin auf Facebook.

Auch das Wort "deportieren" soll gefallen sein.

Nachbarin Katrin W. (46): "Ich habe mich nur beschwert, weil die zu laut waren"

Letztlich schaffte es Coral mit Hilfe ihrer Freundin doch noch in ihre Wohnung. Daraufhin soll die renitente Nachbarin mehrfach versucht haben, die Tür aufzubrechen.

Die jungen Frauen riefen die Polizei, die nach ihrer Schilderung aber erst nach einer Stunde vor Ort erschien. "Auch keiner der Nachbarn ging hinaus und versuchte zu helfen", so Coral.

Auf Anfrage bestätigte die Polizei am Sonntag zwei Einsätze am 3. Mai in jenem Haus. Gegen die Nachbarin werde wegen Nötigung ermittelt, auch der Staatsschutz sei eingeschaltet, erklärte eine Sprecherin.

Während Coral ihre Wohnung inzwischen verlassen hat und auch nicht zurückkehren möchte, traf TAG24 jene Nachbarin am Sonntag vor Ort an.

"Ich habe mich nur beschwert, weil die zu laut waren, immer mit den Türen geknallt haben", so die Version von Katrin W. (46).

Dass ihre Nachbarin Jüdin ist, wisse sie überhaupt nicht ...

Titelfoto: Alexander Bischoff

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