Beton gegen Biotop: Ist Leipziger Zaubergarten nun gerettet?

Von Anke Brod

Leipzig - Bleibt der "Zaubergarten" im Leipziger Stadtteil Stötteritz jetzt doch ganz erhalten? Von dem langjährigen Natur- und Lernstandort für Schüler sollte bis vor kurzem fast die Hälfte einer öffentlichen Allwetter-Mehrzweckfläche weichen, und zwar für das brandneu geplante Kolmstraßenquartier daneben. Der Leipziger Naturschutzbund (NABU) konnte die Misere abwenden.

Auf dieser Brachfläche im Stadtteil Stötteritz soll ein neues Stadtviertel entstehen.
Auf dieser Brachfläche im Stadtteil Stötteritz soll ein neues Stadtviertel entstehen.  © Anke Brod

Aus dem städtebaulichen Wettbewerb für eine ehemalige Industriebrache an der Kolmstraße erwuchs 2018 der Masterplan für mehrgeschossige Wohnhäuser.

Auf diesem Areal nahe der Schwimmhalle Südost sollen zudem Gemeinschaftseinrichtungen, eine Oberschule sowie eine Kita entstehen.

Im Dreieck dahinter liegt zwischen der Straße Sonnenwinkel und der Holzhäuser Straße der "Zaubergarten". Hier veranstaltet der Verein "Columbus junior" für Schüler- und Kindergruppen gewohnheitsmäßig umweltpädagogische Events. Früher waren dort schon DDR-Schulgärten.

Der zwölf Hektar große "Zaubergarten" bietet dem Auge aktuell Wiesen, Obstbäume, ein Feuchtbiotop, Pflanzenlehrpfade, Gemüsebeete, oder schattenspendende Bäume. Wildtiere wie Dachs, Fuchs oder Reh sind hier bisweilen Zaungäste.

Für das neue Wohnviertel wurde per Ratsbeschluss vom 22. November 2018 im Bebauungsplan Nr. 444 zunächst der "Bedarf eines weiteren Jugend- und Freizeitspielbereiches im Leipziger Südosten" verankert: Und damit sollten gut 45 Prozent des Zaubergartens einem versiegelten Bolz- und Tobeplatz weichen.

Dafür sollte ein Teil des "Zaubergartens" weichen, ein Natur- und Lernstandort für Kinder und Jugendliche.
Dafür sollte ein Teil des "Zaubergartens" weichen, ein Natur- und Lernstandort für Kinder und Jugendliche.  © Anke Brod

Wichtige Lebensräume für Arten bleiben

Hier werden regelmäßig umweltpädagogische Events veranstaltet.
Hier werden regelmäßig umweltpädagogische Events veranstaltet.  © Anke Brod

Dann traten Umweltverbände und der Trägerverein des "Zaubergartens" auf den Plan. René Sievert vom Leipziger Naturschutzbund (NABU) erklärte TAG24: "Die ursprünglichen Pläne wurden aus unserer Sicht abgemildert, die essenziellen Lebensräume bleiben nun erhalten".

Der "Zaubergarten" könne seine "wichtige Umweltbildung" fortsetzen. Sievert fügte erfreut hinzu: "Es gab eine artenschutzfachliche Erfassung, die von uns nicht beanstandet wird."

Grundsätzlich fordert der NABU vor jedem Baubeginn artenschutzfachliche Gutachten. "Im Projekt Kolmstraßensiedlung werden keineswegs alle unserer Forderungen umgesetzt, doch es geht in die richtige Richtung", sagte der Experte.

Es sei ein Hoffnungsschimmer und der Beweis, dass Arten-, Biotop- und Klimaschutz bei Baumaßnahmen berücksichtigt werden könne. Der NABU Leipzig will das Kolmstraßenprojekt weiterhin kritisch begleiten.

Titelfoto: Bildmontage/Anke Brod

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