Bizarres Labyrinth in Leipziger Park: Halb Schulhof, halb Senioren-Treffpunkt

Von Anke Brod

Leipzig - Erst bizarr, nun wahr! Der Weißeplatz im Leipziger Stadtteil Stötteritz wird 2022 zu einer Kombi aus Schulhof der angrenzenden Oberschule und Park für alle umgestaltet. Diese Doppelnutzung der öffentlichen Grünanlage war lange umstritten. Zwischendurch hatte gar ein hässlicher Bauzaun für Verwirrung gesorgt.

2015 erfolgte die erste Abtrennung von Schule und Weißeplatz. Hier stand die über hundertjährige Schule kurz vor der Sanierung und Erweiterung.
2015 erfolgte die erste Abtrennung von Schule und Weißeplatz. Hier stand die über hundertjährige Schule kurz vor der Sanierung und Erweiterung.  © Anke Brod

Im Mai 2015 staunten Stötteritzer Anwohner nicht schlecht, als plötzlich Bauzäune die noch unsanierte alte Schule an der Ferdinand-Jost-Straße vom nebenan gelegenen Weißeplatz mitsamt einiger Wege abtrennten.

Die Maßnahme verbuchten sie dann aber unter beginnenden Sanierungsarbeiten mit Erweiterungsbau für die neue Oberschule. Im Verlauf ließ die Schulleitung allerdings verlauten, dass man nach Fertigstellung und Erweiterungen kaum noch Pausenareal für die Schüler hätte - es bliebe nur die Betonschlucht zwischen zwei Fassaden. Lehrer und Eltern wünschten sich somit den Weißeplatz dazu.

Das stieß bei einigen Kiezbewohnern auf Unmut. Gerade ältere Herrschaften trafen sich täglich wohnungsnah in "ihrem Park" zum Plausch. Sie befürchteten den Wegfall eines vertrauten Nachbarschaftstreffs und hätten es mangels Mobilität oder Gehbehinderung alternativ kaum ins Stötteritzer Wäldchen geschafft.

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Andere Stimmen empfanden die Grünfläche indes ohnehin nur noch als puren "Hundekot-, Sauf- und Drogenplatz" mit Polizei als nächtlichem Stammgast.

Bizarre Abriegelung durch Bauzäune

Bizarre Labyrinthe prägten 2018 zwischenzeitlich den Weißeplatz als Abgrenzung zwischen Schülern und Bürgern.
Bizarre Labyrinthe prägten 2018 zwischenzeitlich den Weißeplatz als Abgrenzung zwischen Schülern und Bürgern.  © Anke Brod

In der Summe verwunderte es 2018 niemanden, dass mehr oder weniger über Nacht weitere Bauzäune den Weißeplatz auf einmal provisorisch in zwei Hälften teilten. Allerdings kam das Konstrukt so bizarr daher, dass Tischtennisplatte oder Bänke wie im Labyrinth voneinander abgeriegelt waren.

Sechs Jahre später scheint der Zankapfel entschärft zu sein: "Der Weißeplatz in Leipzig-Stötteritz wird im Jahr 2022 für insgesamt 480.000 Euro erneuert und kann künftig doppelt genutzt werden – als öffentlicher Stadtplatz und offener Schulhof", teilte jetzt die Verwaltungsspitze der Stadt Leipzig mit.

Unter anderem würden neue Spielangebote geschaffen, die vorhandenen zurückgebaut und möglichst an anderer Stelle wieder eingesetzt, so die Information. Weil die angrenzende Schule den Platz nutze, solle es dort künftig auch neun Bänke mehr geben.

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Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal betonte in einer Pressemitteilung: "Alle Spielangebote des stark frequentierten Weißeplatzes wurden in enger Abstimmung mit den Wünschen und Anforderungen der Schülerinnen und Schüler sowie der Schulleitung der angrenzenden Oberschule ausgesucht". Demnach sind neben einem Seilzirkus auch Ruhemöglichkeiten vorgesehen. Auf Schülerwunsch kommen zwei Hochbeete in Eigenpflege dazu.

Status quo: Ohne den Weißeplatz direkt nebenan hätten die Schüler der nunmehr sanierten Oberschule weiterhin nur diese enge Betonschlucht als Pausenort zur Verfügung.
Status quo: Ohne den Weißeplatz direkt nebenan hätten die Schüler der nunmehr sanierten Oberschule weiterhin nur diese enge Betonschlucht als Pausenort zur Verfügung.  © Anke Brod

Weißeplatz ist stark verschlissen

Weiterhin werden die Wegdecken erneuert. Poller sollen zudem unberechtigtes Befahren der öffentlichen Grünfläche verhindern. Um Trampelpfade und Querlaufen durch die Vegetationsflächen zu verhindern, wird die Bepflanzung größtenteils mit einem wegebegleitenden Rabattengeländer geschützt.

"Der denkmalgeschützte Stadtplatz ist stark verschlissen", hieß es weiter, durch die künftige Doppelnutzung als öffentliche Grünfläche und den offenen Schulhof sei die Aufwertung unabdingbar.

Das solle helfen, den kulturhistorisch wertvollen Stadtplatz zu erhalten und die Aufenthaltsqualität für Bürger jeden Alters zu verbessern, insbesondere für Kinder, Jugendliche und Schüler.

Titelfoto: Montage Anke Brod

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