Bürgersprechstunde: Fühlen sich die Menschen in Connewitz und der Südvorstadt überhaupt sicher?

Von Anke Brod

Leipzig - Im Leipziger Immanuel-Kant-Gymnasium hatte der Leiter des Polizeireviers Südost, Uwe Stöhr (59), Interessierte jetzt zur Polizeisprechstunde gebeten. TAG24 fragte ihn, was die Anwohner dabei so alles bewegte. Der Streifendienstleiter und drei Bürgerpolizisten waren ebenfalls gekommen.

Ein Lautsprecherwagen vor dem Polizeirevier Südost auf der Richard-Lehmann-Straße. (Archivbild)
Ein Lautsprecherwagen vor dem Polizeirevier Südost auf der Richard-Lehmann-Straße. (Archivbild)  © Anke Brod

Wie Stöhr berichtete, trugen die Bürger konkrete, persönliche Anliegen wie Ängste, Hinweise und Fragen zum Thema Sicherheit und dem "Un"- Ordnungsstand im Kiez vor. Der größte Teil der Besucher sei deutlich älter als 30 Jahre gewesen. 

Die Atmosphäre war nach Angaben des Polizeidirektors zu keinem Zeitpunkt gestört. 

"Vielmehr stellte sich im Verlauf der fast zweistündigen Veranstaltung eine positive Resonanz der Beteiligten zum angebotenen Format heraus", freute er sich.

Hauptanliegen waren demnach die Vermüllung öffentlicher Plätze und Parkanlagen, begleitet von Lärm und teils übermäßigem Alkoholgenuss. 

Weiterhin scheinen sich einige Mieter in ihren Wohnhäusern nicht hinreichend geschützt zu fühlen, vermittelte Stöhr. 

Das betreffe etwa das Sichern von Hauseingängen oder Wiederinstandsetzungen nach Kellereinbrüchen.

Angestammte Connewitzer fühlen sich teilweise zum Wegzug gedrängt

"Angestammte Connewitzer fühlen sich durch die Botschaften der Gewalt und Beschädigung zum Teil eingeschüchtert und teils zum Wegzug gedrängt", beschrieb der 59-jährige Revierleiter weiter und sagte: "In Einzelfällen wurde dies auch verbal untermauert, wenn jemand Zivilcourage zeigte". 

Auf jeden Fall habe es Auswirkungen auf "Otto Normalverbraucher." "Laute Aggressionen ermöglichen keine Aussicht auf einen sachlichen, lösungsorientierten Diskurs nach unseren gesellschaftlichen Werten", führte Stöhr aus.

In der Bürgersprechstunde hätten die Polizeivertreter erlebt, "was jeder Polizeibeamte auf der Straße erlebt", resümierte der Revierleiter. Der Bürger richte sich mit all seinen Sorgen und Themen an den Polizeivollzugsdienst, verdeutlichte er. Es wäre ihm nicht immer klar, wer im "Dickicht" der Verwaltung originär und sachlich für die Anliegen zuständig sei. 

Stöhr empfindet es so: "Dies ist aber ein besonderer Vertrauensbeweis der Bevölkerung in ihre Polizei." 

Polizeiposten an der Wiedebachpassage in Connewitz ist immer besetzt

Angestammte Connewitzer fühlen sich laut Revierleiter Uwe Stöhr nicht mehr ganz wohl in ihrem Viertel.
Angestammte Connewitzer fühlen sich laut Revierleiter Uwe Stöhr nicht mehr ganz wohl in ihrem Viertel.  © Ralph Seegers

Zur Sprechstunde habe man all jene Anliegen in Zuständigkeit der Polizeibehörde aufgenommen und weitergeleitet. "Grundsätzlich fließen die in der Veranstaltung bekannt gewordenen Sachverhalte in die Tätigkeit der Polizeireviere ein", schloss Stöhr.

Zur Info: Der Polizeiposten in der Connewitzer Wiedebachpassage ist an allen sieben Wochentagen jeweils 24 Stunden besetzt. Im August stieß dort ein weiterer Bürgerpolizist zum Team.

Voraussichtlich am 29. September soll es auch für die Ortsteile Marienbrunn, Lößnig und Dölitz-Dösen eine Bürgersprechstunde mit der Polizei geben.

Titelfoto: Ralph Seegers

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