Alarm für Senioren! In der Corona-Pandemie werden sie noch häufiger von Betrügern heimgesucht!

Leipzig - Seit Jahren schon kämpft die Polizei gegen Betrügerbanden, die vor allem Ältere heimsuchen, um sich auf ihre Kosten zu bereichern. Leipzigs Stadtverwaltung und die Polizei schlagen nun Alarm, denn die Zahl der Fälle hat in der Corona-Pandemie noch einmal zugenommen. Ein Grund dafür: die anhaltende Isolation.

Sie traten vor allem in letzter Zeit wieder häufiger auf: Die Fälle von Trickbetrug gegenüber Senioren haben in der Corona-Pandemie zugenommen. (Symbolbild)
Sie traten vor allem in letzter Zeit wieder häufiger auf: Die Fälle von Trickbetrug gegenüber Senioren haben in der Corona-Pandemie zugenommen. (Symbolbild)  © Graham Oliver/123RF

Sie versuchen es mit dem klassischen Enkeltrink, Schockanrufen und falschen Gewinnversprechen. Manche geben sich als Handwerker oder gar Polizisten aus, um so in das Zuhause ihrer Opfer und schließlich auch ihr Hab und Gut zu gelangen.

Trickbetrüger haben sich die Corona-Pandemie zunutze gemacht und schlagen mittlerweile noch häufiger zu. Besonders betroffen sind dabei weiterhin Seniorinnen und Senioren, wie Leipzigs Stadtverwaltung und Polizei am Freitag bei einem gemeinsamen Pressegespräch warnten.

"Wir verzeichnen nicht nur in Leipzig, sondern in ganz Sachsen eine Zunahme der kriminellen Energie. Die Täter werden professioneller, die Fallzahlen steigen", erklärte Leipzigs Polizeipräsident René Demmler (49).

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Allein in den ersten Monaten des laufenden Jahres seien in der Messestadt bereits rund 110 Fälle registriert worden. Zwar hätten die Betrüger nur in etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle Erfolg. Auf ganz Sachsen betrachtet bewege sich der Schaden dennoch in einem hohen sechsstelligen Bereich, wie Demmler sagte.

"Jeder Fall, wo unsere Senioren ihre Ersparnisse verlieren, ist einer zu viel", so der Polizeipräsident.

Was tun, um Trickbetrügereien zu verhindern?

Ältere seien eine besonders verletzliche Zielgruppe für Betrüger. Die Isolation durch die Pandemie würde dies noch fördern, warnte nun Polizeipräsident René Demmler (49).
Ältere seien eine besonders verletzliche Zielgruppe für Betrüger. Die Isolation durch die Pandemie würde dies noch fördern, warnte nun Polizeipräsident René Demmler (49).  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Sowohl Demmler als auch die Leipziger Seniorenbeauftragte Kerstin Motzer mahnten, dass die Zunahme der Fallzahlen auch ein gesellschaftliches Problem darstellen.

"Vor allem Hochbetagte gehören zur verletzlichen Zielgruppe", erklärte die Seniorenbeauftragte. "Viele Ältere leben allein, wünschen sich jedoch Kontakte. Es ist wohl für niemanden verwunderlich, dass sie erfreut reagieren, wenn sie ein Anruf ereilt. Das Urteilsvermögen nimmt zudem im Alter ab. Diese Situation nutzen Trickbetrüger aus."

Motzer zufolge sind vor allem soziale Kontakte für die Betroffenen wichtig. "Bitte gehen sie auf Ihre Angehörigen zu. Melden Sie sich öfter bei ihnen, damit sie den Klang ihrer Stimme nicht vergessen. Sprechen Sie sich auch in der Familie ab und legen Sie Termine fest, damit ein Wechsel entsteht. Das regt den Geist an. Natürlich können Ältere auch selbst zum Hörer greifen."

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Seniorenbüros und -Begegnungsstätten sind durch die Pandemie zwar stark eingeschränkt, würden allerdings auch weiterhin telefonisch erreichbar sein und Beratungstermine anbieten.

Weitere Informationen zum Umgang mit Trickbetrügern finden sich zudem auf der Seite der Stadt Leipzig sowie des Kommunalen Präventionsrates.

Und was sollte man tun, wenn die Betrüger vor der Tür stehen?

Betroffene haben jedoch Möglichkeiten, sich vor Betrug zu schützen. Wichtig sei es vor allem, nicht blind jedem Menschen zu vertrauen, sagt Leipzigs Polizeichef René Demmler.
Betroffene haben jedoch Möglichkeiten, sich vor Betrug zu schützen. Wichtig sei es vor allem, nicht blind jedem Menschen zu vertrauen, sagt Leipzigs Polizeichef René Demmler.  © kzenon/123RF

Sollte jemand mal unvermittelt vor der Tür stehen, empfiehlt Kerstin Motzer, den oder diejenigen erst einmal nicht in das eigene Zuhause zu lassen. "Termine können beispielsweise verschoben werden."

Handelt es sich doch mal um die Polizei, sollten sich die Betroffenen stets den Ausweis zeigen lassen. "Es ist auch nicht erforderlich, die Polizisten in die eigene Wohnung zu lassen", betont die Seniorenbeauftragte.

"Es steht den Leuten ebenso frei, die Nachbarn dazuzuholen", fügte Polizeichef Demmler noch an. "Auch der Notruf ist eine Möglichkeit. Wichtig ist, dass die Menschen den Leuten, die unverblümt vor ihrer Tür auftauchen, nicht blind vertrauen."

Sowohl René Demmler als auch Kerstin Motzer sind sich bewusst, dass ein Ausweis auch mal gefälscht sein kann. "Deswegen ist es wichtig, das Verhalten in solchen Fällen zu thematisieren und ein gesundes Misstrauen aufzubauen", sagte die Seniorenbeauftragte.

Titelfoto: Graham Oliver/123RF

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