Revierpolizisten aus Zeitz schildern Festnahme des Halle-Attentäters: "Ruhig und gefasst"

Magdeburg/Halle (Saale) - Ruhig und gefasst sei der Terrorist gewesen als sie ihm die Handschellen anlegten, berichten die verantwortlichen Polizisten im Halle-Prozess. Am 16. Verhandlungstag schildern Rechtsmediziner außerdem wie Kevin S. und Jana L. zu Tode kamen.

Zwei Revierpolizisten aus Zeitz stellten den Täter auf der Flucht.
Zwei Revierpolizisten aus Zeitz stellten den Täter auf der Flucht.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB

Nicht vermummte Spezialeinheiten hielten den Attentäter von Halle auf, sondern ganz einfache Revierpolizisten aus der Kleinstadt Zeitz. Am Dienstag sagten die beiden Polizeihauptmeister im Halle-Prozess aus und schilderten, wie sie den Rechtsterroristen am 9. Oktober festnahmen. 

Die Beamten aus der Kleinstadt Zeitz im Süden Sachsen-Anhalts hatten bei der Dienstbesprechung zu Schichtbeginn gehört, dass der Attentäter wohl auf der Autobahn nach Süden, in ihre Richtung, unterwegs sei. "Da haben wir beschlossen loszufahren und uns in Stellung zu bringen", sagte der eine Beamte. Der schnellste Weg von Zeitz zur Autobahn, sagten die Beamten, sei die B91.

Auf der Bundesstraße erkannten sie an einer Baustelle anhand des Kennzeichens das Taxi, mit dem der Attentäter auf der Flucht war. Die 55 und 59 Jahre alten Kollegen nahmen die Verfolgung auf, der Attentäter versuchte zu fliehen. 

An einer Kreuzug fuhrt er schließlich über rot, rammte dadurch einen Lastwagen und die Baustellenbegrenzung. Daraufhin sei der Mann aus dem Auto gesprungen und über die Leitplanke geklettert, berichten die Polizisten. Die Beamten forderten den Mann auf stehenzubleiben und die Hände zu heben und drohten mit Schüssen. "Nach kurzem Zögern hat er's dann gemacht", sagte der eine Beamte. 

"Ruhig und gefasst" sei der Mann gewesen, als sie ihm schließlich Handschellen anlegten.

BKA-Ermittler: Keine Hinweise auf Komplizen von Stephan B.

Richterin Ursula Mertens lobte die Beamten bei der Verhandlung am Dienstag für ihr Handeln. 

Sie hätten so schlimmeres verhindert. Mertens leitet den Terror-Prozess am Oberlandesgericht Naumburg, der aus Platzgründen in Magdeburg stattfindet. Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Mann versucht, die Synagoge von Halle zu stürmen, um dort am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ein Massaker anzurichten. Nachdem er nicht in das Gotteshaus gelangte, erschoss er vor der Synagoge die 40-jährige Jana L. und kurz darauf den 20-Jährigen Kevin S. in einem Döner-Imbiss. Der 28 Jahre alte Deutsche Stephan Balliet hat die Taten gestanden und mit antisemitischen, rassistischen Verschwörungstheorien begründet.

Am 16. Verhandlungstag am Dienstag hatten neben den Polizisten auch erneut BKA-Ermittler ausgesagt. Dabei ging es erneut um die Waffen des Mannes und potenzielle Mitwisser. Wie schon bei vorigen Aussagen von BKA-Beamten ergaben sich daraus allerdings keine neuen Erkenntnisse: Die Ermittler haben nach wie vor keine Hinweise auf mögliche Komplizen.

Aufschlussreicher waren die Aussagen zweier Rechtsmediziner und einer Rechtsmedizinerin, die die Toten und Verletzten untersucht hatten. Die Schüsse, die der Attentäter auf der Flucht auf ein Paar abfeuerte, um deren Auto zu erpressen, hätten demnach tödliche Verletzungen hervorrufen können.

Gerichtsmediziner bestätigten: So starben die Opfer des Halle-Attentäters

Jana L. und Keven S. fielen den Schüssen von Stephan B. zum Opfer.
Jana L. und Keven S. fielen den Schüssen von Stephan B. zum Opfer.  © MDR/Marie-Kristin Landes/MDR Mitteldeutscher Rundfunk/obs

Die Gerichtsmediziner sagten außerdem aus, dass Jana L., die der Terrorist vor der Synagoge erschossen hatte, nicht lange mit dem Tode ringen musste. 

Die Gerichtsmedizin stellte bei ihr an der Luftröhre und einer herznahen Vene je eine tödliche Verletzung fest, die demnach binnen weniger Sekunden zum Tod führten. Zum Zeitpunkt dieser Verletzungen habe sie aufrecht gestanden, sagte der Gerichtsmediziner.

Auf dem Tatvideo war zu sehen gewesen, wie der Attentäter kurz nach den ersten Schüssen zu der am Boden liegenden Frau zurückkehrte und erneut auf sie schoss. Nach dem Anschlag hatte es unter anderem Kritik an der Polizei gegeben, weil die ersten Beamten am Tatort nicht unmittelbar Erste Hilfe geleistet, sondern zunächst die Umgebung gesichert hatten. L. war laut Gutachten der Gerichtsmedizin zu dem Zeitpunkt schon tot.

Anders als bei Jana L. hatte das Tatvideo gezeigt, dass der zweite Tote, Kevin S., im Kiez-Döner nach den ersten Schüssen auf ihn noch lebte. Der Attentäter hatte den Imbiss danach kurz verlassen und war danach wieder gekommen. Auf dem Video war zu sehen wie S. schwer verletzt um sein Leben flehte. 

Der Attentäter töte ihn danach durch Schüsse in Herz und Lunge.

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB

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