Tochter angeblich schwer an Corona erkrankt: Falscher Uni-Professor wollte Leipzigerin (78) abzocken

Leipzig - Sie nutzen die Corona-Angst gnadenlos aus: Betrüger überziehen in Sachsen derzeit ältere Menschen mit Schock-Anrufen zu angeblich schwer an Covid-19 erkrankten Angehörigen. Als vermeintliche Klinikärzte fordern sie Medikamentenzuschüsse.

Schock-Anruf: Irene Großmann sollte 23.000 Euro Medikamenten-Zuschuss für ihre angeblich schwer an Corona erkrankte Tochter zahlen.
Schock-Anruf: Irene Großmann sollte 23.000 Euro Medikamenten-Zuschuss für ihre angeblich schwer an Corona erkrankte Tochter zahlen.  © Ralf Seegers

Irene Großmann (78) war gerade beim Wäscheaufhängen, als am Mittwochmittag das Telefon klingelte. "Es meldete sich ein Professor der Uniklinik, der mir erklärte, dass meine Tochter schwer an Corona erkrankt sei", berichtet die Leipzigerin.

Um ihr Leben zu retten, bräuchte es Medikamente für 23.000 Euro. "Der sagte mir, dass die Krankenkasse das nicht zahle und ob ich das übernehmen könnte", erinnert sich die Rentnerin.

Irene Großmann war sofort klar, dass dies ein Schwindel ist. "Meine Tochter war ja noch am Vorabend bei mir."

Dennoch ging sie zum Schein darauf ein, erklärte dem Lügen-Doktor aber, dass sie nur die Hälfte der Summe aufbringen könne. "Da versuchte er, mich unter Druck zu setzen, und fragte, ob ich denn meiner Tochter nicht helfen wolle..."

Und es kam noch heftiger: Der Betrüger fragte die Seniorin, ob sie ihre Tochter kurz sprechen wolle. "Kurz darauf hat eine Frau ins Telefon gehustet und so getan, als ob sie gleich stirbt", berichtet Frau Großmann empört.

Acht weitere Senioren meldeten sich bei der Polizei

Warnt vor falschen Ärzten: Polizeikommissar Philipp Jurke (38).
Warnt vor falschen Ärzten: Polizeikommissar Philipp Jurke (38).  © Ralf Seegers

Kein Einzelfall: Allein in der Region Leipzig meldeten sich am Mittwoch acht Senioren, die in ähnlicher Weise von vermeintlichen Klinikärzten unter Druck gesetzt wurden, um für angeblich schwer erkrankte Söhne oder Töchter Zuzahlungen für Corona-Medikamente zu entrichten.

"Das ist eine ganz perfide Masche des Trickbetrugs, die Angst und Sorgen der Opfer ausnutzt", sagt Polizeisprecher Philipp Jurke.

In den bislang bekannt gewordenen Fällen hätten sich die Senioren richtig verhalten und nichts gezahlt.

Dennoch warnt Jurke: "Niemals würde ein richtiger Arzt bei Angehörigen anrufen und um Medikamentenzuzahlung bitten – das ist immer ein Betrugsversuch!"

Wer sich unsicher sei, sollte sofort Angehörige informieren oder gleich die Polizei.

Titelfoto: Ralf Seegers

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