Deutschland zu Fuß: Leipziger Filmemacher lief allein von Sylt bis ins tiefste Bayern

Leipzig - 3442 Kilometer in 165 Tagen legte der Leipziger Enno Seifried im Jahr 2019 auf seiner Reise quer durch die Republik zurück. Nun veröffentlichte der Filmemacher seine Dokumentation "Deutschland zu Fuß" und blickt mit uns noch einmal zurück - auf ein Abenteuer voller Entbehrungen und schöner Momente, aber auch ein Angst einflößendes Erlebnis ...

Ein halbes Jahr lang reiste Enno Seifried durch Deutschland. Dabei machte er auch einen Abstecher in seine Heimat ...
Ein halbes Jahr lang reiste Enno Seifried durch Deutschland. Dabei machte er auch einen Abstecher in seine Heimat ...  © Enno Seifried

Zelt, Schlafsack, Kissen, Isomatte, Kocher, Campingkram sowie Essen für vier bis fünf Tage: "Das Nötigste, was man unterwegs zum Leben und Überleben braucht", hatte Enno Seifried in seinem Rucksack, als er Mitte Mai auf der Insel Sylt am nördlichsten Punkt Deutschlands startete. Sein Ziel: der südlichste Punkt in den Alpen.

Seine Route plante er dabei spontan, wählte aber nicht den direkten Weg. "Mittendurch wäre mir einfach zu langweilig gewesen", erklärt er. Stattdessen wollte er ein umgekehrtes S auf die Landkarte laufen.

Gesagt, getan! Mit seinem Handy navigierte er sich durch blühende Landschaften, vorbei an malerischen Weitsichten und über teils unwegsame Wanderwege. Auch Sackgassen waren dabei. "Hier und da musste ich mal übern Zaun klettern", erzählt er schmunzelnd.

Übernachtet hat der Weltenbummler meist in seinem Zelt, irgendwo - am Strand, im Wald oder auch auf einem Berghang. "Die Natur gehört uns allen. Ich mache das in sämtlichen Ländern überall auf dem Erdball. Wenn jemand kommt, sind die Leute freundlich interessiert und haben nichts dagegen", erklärt der Wildcamper, der seine Reise ganz allein filmte.

Doch manches Erwachen hielt auch Überraschungen bereit, zum Beispiel als er sich eines Morgens umringt von grölenden und feiernden Männertags-Gruppen wiederfand.

Diese Route legte der Leipziger zu Fuß zurück.
Diese Route legte der Leipziger zu Fuß zurück.  © Enno Seifried

Zwölf Kilo nahm Enno Seifried auf seiner Reise ab

Unvergesslicher Augenblick: Von der Ostsee zieht das Unwetter heran.
Unvergesslicher Augenblick: Von der Ostsee zieht das Unwetter heran.  © Enno Seifried

Und nicht nur sein Nachtlager fiel über mehrere Monate spartanisch aus. Gebadet wurde im Fluss oder See. Dort wusch er auch seine wenige Wäsche - "natürlich mit biologisch abbaubarem Waschmittel", betont Enno Seifried.

Zu essen gab es abends meist nur Nudeln, Fertiggerichte, morgens Müsli mit Apfel und zwischendrin zwei Riegel. "Wenn man soviel in Bewegung ist, freut man sich auf jede Mahlzeit. Das schmeckt oft besser als der saftigste Braten zu Hause in der Küche", beschreibt er. Insgesamt zwölf Kilo nahm er dadurch ab.

Etwas Ordentliches zwischen die Zähne gab es meist nur dann, wenn Freunde oder Familie ihn unterwegs besuchten, um "Urlaub vom Urlaub" mit ihm zu machen. Jedes Mal ein Highlight für den Leipziger.

Auch unerwartete Begegnungen gab es: Zum Beispiel mit zwei Pferden, die den Wanderer ein Stück des Weges auf Schritt und Tritt begleiteten; mit einem Russen, mit dem er die halbe Nacht Wodka trank; und mit Mäusen, die auf seinen Proviant scharf waren. Auch auf sogenannte "Lost Places" stieß er unterwegs immer wieder, deren Erkundung er sich nicht entgehen ließ.

Verzichtet gern auf Bequemlichkeit: Fast jede Nacht schlief Enno Seifried in seinem Zelt.
Verzichtet gern auf Bequemlichkeit: Fast jede Nacht schlief Enno Seifried in seinem Zelt.  © Enno Seifried

Aufgeben? Auf keinen Fall!

Geschafft! Der Abenteurer hat nach 3 442 Kilometern den südlichsten Punkt Deutschlands erreicht.
Geschafft! Der Abenteurer hat nach 3 442 Kilometern den südlichsten Punkt Deutschlands erreicht.  © Enno Seifried

Sein eindrucksvollstes Erlebnis hatte der Sachse aber mit einer echten Naturgewalt. "Das Unwetter meines Lebens habe ich auf dem Darß erlebt", erzählt er heute noch total überwältigt.

"Ich habe mir die Wolkenformation angeschaut, die als Unwetter in der Ferne über die Ostsee zog", berichtet er. Zu spät bemerkte er, dass das Unwetter direkt in seine Richtung kam, versuchte noch zu fliehen. "Was völlig sinnlos war", resümiert er. "Dann hat mich das komplett überrollt." Rückblickend gibt er zu: "Bei dem Gewitter hatte ich tatsächlich einfach nur Schiss. Das war so krass. Sowas habe ich wirklich noch nie gesehen!"

Doch davon ließ sich der Abenteurer nicht beirren. Aufgeben? Auf keinen Fall! "Die Freude über das, was man schon hinter sich hat an Weg und das, was man noch vor sich hat, ist viel größer", sagt Enno Seifried. Auch etliche Blasen an den Füßen, durchgelaufene Socken - acht Paar an der Zahl - und Schuhe, die er unterwegs neu besohlen lassen musste, konnten daran nichts ändern. "Ich wusste, wenn ich nach Hause fahren und abbrechen würde, würde ich mich auf meiner Couch schwarz ärgern."

So führte ihn sein Weg schließlich von Sylt an die Ostsee, zur Mecklenburgischen Seenplatte, in die Sächsische Schweiz und das Erzgebirge, weiter durch den Thüringer Wald, die Eifel, das Moselgebiet und den Schwarzwald, bis er im Oktober 2019 endlich sein Ziel erreicht hatte: den südlichsten Punkt Deutschlands am Oberstdorfer Grenzstein 147.

"Ich hatte schon überlegt, das S nochmal andersrum zu laufen und sozusagen die Acht zuzumachen", meint der Wandersmann lachend. Aber er kehrte dann Anfang November doch lieber nach Leipzig zurück. "Ich hab dann die ganze Nacht in irgendwelchen Kneipen durchgefeiert", erzählt er.

Titelfoto: Montage: Enno Seifried

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