Diskriminierung, Hass und Gewalt gegenüber queeren Menschen: "Viele werden mehrfach Opfer"

Leipzig/Dresden - Immer wieder kommt es in Sachsen zu Angriffen auf queere Menschen, Schwule, Lesben, Bisexuelle, Trans und Intergeschlechtliche. "Kripo live" ist dem Thema nun nachgegangen, sowie den Gruppen und Institutionen, die sich für den Schutz queerer Menschen einsetzen.

Beamte suchen Spuren auf dem Gelände, auf dem im April 2018 der 27-jährige Christoph W. von seinen Freunden ermordet wurde. Es ist nur einer der Fälle, die "Kripo live" aufgreift.
Beamte suchen Spuren auf dem Gelände, auf dem im April 2018 der 27-jährige Christoph W. von seinen Freunden ermordet wurde. Es ist nur einer der Fälle, die "Kripo live" aufgreift.  © Screenshot/MDR

"Der Alltag dieser Menschen ist oft noch immer durch Diskriminierung, verbale und physische Gewalt geprägt", erklärt Martin Wunderlich von der Landesarbeitsgemeinschaft queeres Netzwerk Sachsen. Der Verein setzt sich für die gleichberechtigte Teilhabe von queeren Menschen in der Gesellschaft ein.

Martin Wunderlich zufolge sind "vielfaltsfeindliche Einstellungen" ein verbreiteter Grund für die Anfeindungen, denen queere Menschen ausgesetzt sind.

Während des Beitrags werden gleich mehrere Fälle von Gewalt sowohl gegenüber Homo- als auch Transsexuellen aufgegriffen:

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Hasskriminalität sei Wunderlich zufolge weit verbreitet. "Und wenn solche Fälle vorliegen, dann braucht es vonseiten der Behörden auch eine klare, sensible, aber auch transparente Kommunikation."

90 Prozent der Fälle werden nicht angezeigt

Martin Wunderlich von der Landesarbeitsgemeinschaft queeres Netzwerk Sachsen.
Martin Wunderlich von der Landesarbeitsgemeinschaft queeres Netzwerk Sachsen.  © Screenshot/MDR

Laut queerem Netzwerk sind die offiziellen Fallzahlen zu Hasskriminalität gegen homo- oder transsexuelle Menschen nicht repräsentativ. Deswegen hat die Gruppe eine eigene Studie erstellt. Dabei registrierten sie zwischen 2014 und 2019 über 1600 Fälle. In der offiziellen Kriminalstatistik ist hingegen nur von 71 Fällen die Rede - zwischen 2001 und 2019.

"Viele werden mehrfach Opfer. Beleidigungen sind der Alltag, aber auch schwere Körperverletzungen kommen nicht selten vor", sagt Martin Wunderlich.

Die Studie der Landesarbeitsgemeinschaft ergab zudem, dass 90 Prozent der Fälle nicht angezeigt werden, weil die Betroffenen kein Vertrauen in die Strafverfolgungsbehörden haben. Die Landesregierung reagierte schließlich und startete ein Pilotprojekt: Seit Februar 2021 ist Staatsanwältin Mareen Klenke Ansprechpartnerin für queere Menschen, die Opfer hassmotivierter Gewalt geworden sind.

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Laut "Kripo live" kennt die Staatsanwältin die Situation queerer Menschen. Sie nehme ihre Probleme ernst und sorge dafür, dass sie sich sicher fühlen. "Zunächst ist es wichtig, dass jede Straftat angezeigt wird, damit wir Kenntnis von ihr erlangen", so Klenke. "Nur dann kann die Staatsanwaltschaft auch Strafverfolgung einleiten."

Das Pilotprojekt werde gut angenommen.

Titelfoto: Screenshot/MDR

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