Doch keine Zauneidechsen? Nach Baustopp darf in Leipzig-Connewitz jetzt gebaggert werden!

Von Anke Brod

Leipzig - Wie gewonnen, so zerronnen: Nach der Baggerbesetzung durch einen Connewitzer Bürger am vergangenen Freitag auf dem Grundstück Hildebrandstraße 40 und des in Folge amtlich verhängten, temporären Baustopps darf auf dem Areal ab sofort doch gebaggert werden. Das bestätigte die Leipziger Stadtverwaltung TAG24 auf Anfrage.

Gegen die Bauarbeiten auf dem Grundstück der Hildebrandstraße 40 hatte es Proteste gegeben.
Gegen die Bauarbeiten auf dem Grundstück der Hildebrandstraße 40 hatte es Proteste gegeben.  © Anke Brod

Auf der mit wildem Grün überwucherten Brache an der Ecke zur Bornaischen Straße standen laut Google Street View zumindest 2008 noch stattliche Bäume.

Genau hier will der Immobilienentwickler BPD laut eigener Webseite Eigentumswohnungen, sprich: "Hildebrand's Eck", kreieren.

Bis September 2022 sollen an der Adresse unweit des Hildebrandplatzes 25 "komfortable Wohnungen" von 31 bis hin zu 138 Quadratmetern Fläche entstanden sein. Auch 13 Tiefgaragenstellplätze sind in Planung.

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Bis Ende letzter Woche waren sich einige Connewitzer Bürger jedoch stark im Zweifel, ob denn überhaupt eine Baugenehmigung vorläge.

Zudem wähnten Kiez-Bewohner Zauneidechsen auf dem umstrittenen Baugrund.

Und last but not least will man hier nach dem 28. Februar, also zur Brut- und Setzzeit, auch Gehölzrodungen beobachtet haben.

Deshalb besetzte ein Anwohner besagten Freitag frühmorgens um 6 Uhr entschlossen den bereitstehenden Bagger, um schließlich nach diversen Telefonaten mit dem Bauordnungsamt und im Beisein der Polizei zunächst einen mündlichen Baustopp zu erwirken.

Zweifel über gültige Baugenehmigung zerschlagen

Nach einem vorübergehenden Baustopp darf nun doch gebaggert werden.
Nach einem vorübergehenden Baustopp darf nun doch gebaggert werden.  © Anke Brod

Diesen Dienstag nun gab es an der Hildebrandstraße 40 zur Überprüfung der Einwände eine Begehung durch die städtischen Ämter für Bauordnung und Denkmalpflege sowie Umweltschutz und dem Vertreter des Bauherren.

Das Ergebnis dürfte die engagierten Anwohner schwer enttäuschen: "Es wurden keine Hinweise auf eine Ansiedlung von Zauneidechsen oder ähnlich schützenswerte Tiere auf dem Grundstück vorgefunden", sagte die Leipziger Stadtverwaltung gegenüber TAG24.

Weiter hieß es: "Der Zeitpunkt der Baumfällungen konnte vor Ort nicht exakt festgestellt werden." Und: Ein entsprechender Nachweis, wann die Fällungen erfolgt seien, stehe aktuell aus und solle gegenüber dem Amt für Umweltschutz noch beigebracht werden.

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"Mit den Arbeiten auf dem Grundstück kann vonseiten des Amtes für Bauordnung und Denkmalpflege ab heute wieder begonnen werden", so die Ansage.

Für die Fläche hatte es 2018 eine Baugenehmigung für ein Mehrfamilienhaus gegeben. Städtischen Angaben zufolge wurde sie nach einer Antragsänderung 2019 erneut beschieden. Somit liegt laut Amt für Bauordnung und Denkmalpflege für "Hildebrand's Eck" tatsächlich eine gültige Baugenehmigung vor...

Titelfoto: Anke Brod

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