Eklat um Gil Ofarim: Deutschlands bekanntester Digital-Forensiker soll Wahrheit herausfinden

Leipzig - Auf der Suche nach der Wahrheit im Fall der schweren Antisemitismus-Vorwürfe des Popsängers Gil Ofarim (39) gegen das Leipziger Westin-Hotel hat die Justiz jetzt Deutschlands bekanntesten Digital-Forensiker eingeschaltet. Professor Dirk Labudde (55) soll die Überwachungsvideos des Hotels auswerten.

Der Digital-Forensiker Professor Dirk Labudde (55) soll die Hotel-Videos auswerten und so herausfinden, ob Gil Ofarim die Kette mit dem Davidstern auch im Hotel sichtbar trug.
Der Digital-Forensiker Professor Dirk Labudde (55) soll die Hotel-Videos auswerten und so herausfinden, ob Gil Ofarim die Kette mit dem Davidstern auch im Hotel sichtbar trug.  © Sven Gleisberg

An der Hochschule Mittweida lehrt Labudde digitale Forensik. Künftige Ermittler lernen bei ihm, wie man digitale Spuren verfolgt und Gesichter computergestützt rekonstruiert. Spezialgebiet des Professors ist jedoch die Auswertung von Videomaterial aus Überwachungskameras.

Und diese Expertise will die Staatsanwaltschaft Leipzig jetzt nutzen, um die Videos von Eingangsportal und Empfangshalle des Hotels auszuwerten. "Ich bin mit dem Gutachten beauftragt", bestätigte Labudde am Montag gegenüber TAG24.

Der Digital-Forensiker hatte 2017 bereits ein unscharfes Augenzeugen-Video der tödlichen Schießerei auf der Leipziger Eisenbahnstraße analysiert und mehrere beteiligte Rocker anhand von Körpermerkmalen, Kleidung und Tattoos identifiziert.

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Ganz so kompliziert sei der aktuelle Fall nicht, meinte Labudde. "Aus forensischer Sicht wird das sicher einfacher." Er gehe davon aus, dass erste Ergebnisse in zweieinhalb Wochen vorliegen.

Die Ermittler interessiert vor allem, ob Ofarim seine Kette beim Einchecken sichtbar trug. Zudem, ob Lippenbewegungen der Beteiligten konkreten Wörtern zugeordnet werden können.

Im Leipziger Luxushotel "The Westin" soll Sänger Gil Ofarim (39) nach eigenem Bekunden antisemitisch beleidigt worden sein.
Im Leipziger Luxushotel "The Westin" soll Sänger Gil Ofarim (39) nach eigenem Bekunden antisemitisch beleidigt worden sein.  © instagram.com/gilofarim

Die am Sonntag erstmals in der Öffentlichkeit aufgetauchten Hotel-Videos wollte die Staatsanwaltschaft am Montag nicht bewerten. Während der laufenden Ermittlungen werde man sich nicht zu Einzelheiten der Beweiserhebungen äußern, erklärte Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz.

Titelfoto: Montage: Sven Gleisberg, instagram.com/gilofarim

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